1 KommentarSieben gute Gründe für einen Garten - Seniorweb Schweiz
StartseiteMagazinLebensartSieben gute Gründe für einen Garten

Sieben gute Gründe für einen Garten

Nein, zum Glück zwingen kann man niemanden. Aber wer nur schon einen Gartenkatalog zur Hand nimmt, sich überlegt, für den Balkon ein paar Kräuter zu kaufen oder einfach genug hat vom eintönigen Grün des Rasens, der hat doch irgendwo schon einen kleinen grünen Fleck in seinem Denken. Und solche Flecken breiten sich manchmal ganz schnell aus.

Es gibt Dinge, die kann ein Mensch ohne Garten und ohne eine Affinität zu Pflanzen nie begreifen. So wie ein Nichtgolfer nicht nachvollziehen kann, dass ein kleines Bällchen, das man fünf Stunden vor sich her schlägt und in diverse Löcher versenkt, so glücklich und zufrieden machen kann. Oder dass ein Bergsteiger stundenlang mühsam auf einen Berg kraxelt – nur, um danach einen ebenso beschwerlichen Abstieg in Angriff zu nehmen.

Schnecken sind nicht die Gartengäste, die man gerne willkommen heisst. Aber sie gehören halt dazu.

Die Passion fürs Gärtnern lässt sich nicht so einfach in Worte fassen. Gut, ein Salatkopf frisch aus dem Garten auf den Tisch gebracht, ist schon mal ein überzeugendes Argument. Aber dieser ewige Kampf gegen Unkraut, Schnecken und anderes Ungebetenes! Wo bleibt da die Faszination, fragt sich mancher. Wer aber mal mit gärtnern angefangen hat, der bleibt meistens dabei. Wenn nicht der Rücken oder der Partner rebelliert.

Uhren laufen im Garten schneller

Grund eins, einen Garten anzulegen, tönt simpel: Man muss sich nie mehr fragen, was man mit seiner freien Zeit anfangen soll. Ganz im Gegenteil. Da will man im Garten nur schnell die verblühten Rosen abschneiden, sieht dabei, dass der Rittersporn dringend eine Stütze braucht und in den ersten Herbstastern dicke Schnecken hocken. Also holt man Bambusstäbe und Schnur für die Stützen, Schere und allenfalls Schneckengift für die Astern und kontrolliert bei dieser Gelegenheit noch einige andere heikle Stellen.

Ja, richtig, die Fetthenne, die zwar ziemlich dumm heisst, aber bezaubernd blüht und ein Heilkraut ist, dessen Saft aus den Blättern kleinere Verbrennungen wunderbar lindert, sieht auch recht mitgenommen aus. Mit ein paar kantigen Steinen eingefasst, die man jeweils von Bergwanderungen heimschleppt, kann ihr ein kleines Biotop geschaffen werden, das die Schnecken hoffentlich meiden. Und bei dieser Gelegenheit wird noch schnell der Phlox zurückgeschnitten – vielleicht blüht er dann ein zweiten Mal. «Im Garten altert man am Schnellsten», sagte jeweils meine Grossmutter. Kein Wunder, denn aus der Viertelstunde Rosen schneiden, sind, ehe man sich versieht, drei, vier Stunden geworden.

Tee aus frischer Minze und Zitronenmelisse ist eine exklusive Erfrischung, die fast nur Gartenbesitzende anbieten können.

Ein zweiter Grund, der für einen Garten spricht, ist die höhere Lebensqualität. Frühmorgens einen Strauss noch taufeuchter Blumen schneiden, den Tee mit frischer Minze und Zitronenmelisse aufbrühen, abends umgeben von Düften auf der Terrasse oder dem Balkon sitzen und einen Salatteller geniessen mit soeben geerntetem Grün und sonnenwarmen  Tomaten, in Beeren schwelgen – das alles sind Genüsse, die den Gartenlosen verwehrt sind. Und mit den Händen in der warmen Erde wühlen, macht den Kopf frei und die Seele glücklich.

Rückentraining und dicke Haut

Damit kommen wir zum dritten Grund, einen Garten anzulegen: Er ist gut für die Fitness. Man bückt sich, kniet nieder, hackt und recht, gräbt und schneidet und ist dabei immer in Bewegung – und an der frischen Luft. Beim Herrichten der ersten Beete im Frühling schmerzt zwar manchmal der Rücken, aber der Trainingsfortschritt ist beachtlich und im Herbst hackt man ein Beet um das andere durch, ganz ohne Rückenschmerzen. Und Blasen an den Händen gibt es bis dann auch keine mehr.

Starker Regen, Wind und Wolken lehren die Gartenbegeisterten Geduld und Demut. (alle Bilder pixabay)

Aber auch Bescheidenheit lehrt einem ein Garten, das ist ein weiteres Argument, sich einen grünen Daumen zuzulegen. Da pflanzt und sät man, malt sich aus, wie alles grünt und blüht – und dann regnet es zwei Wochen lang. Die Bohnen, die gerade gekeimt sind und stramm in Reih und Glied standen, sind weitgehend den Schnecken zum Opfer gefallen und die geliebten Cosmeen, die als stattliche Gruppe langsam in die Höhe wuchsen, sehen aus, als hätten sie die Motten. Oder es hagelt und man kann die Petersilie bereits gehackt aus dem Beet klauben und den Kopfsalat getrost direkt kompostieren.

Dafür wird mit einem Garten auch die Intuition gefördert, Grund fünf. Man bindet an einem schönen Nachmittag endlich mal sorgfältig alle hochwachsenden Stauden auf – und in der Nacht gibt es ein Gewitter, das ohne diese Massnahme alles flach gelegt hätte. Oder man erwacht an einem Oktobertag um fünf Uhr morgens und weiss, dass man jetzt unbedingt die heiklen Kübelpflanzen in den Wintergarten räumen muss. Im Dunkeln und immer in der Hoffnung, die Nachbarn dächten nicht, man sei vollkommen verrückt geworden. Dann gibt es einen Temperatursturz und um neun Uhr morgens ist das Thermometer unter Null gefallen. Und alle heiklen Gewächse stehen geschützt im Winterquartier!

Garten schafft Freundschaften

Mit solchen Aktionen macht man sich zwar keine Freunde, aber ansonsten ist man als Gartenbesitzer meist sehr beliebt. Untereinander tauscht man Setzlinge, überzählige Stauden oder einfach mal gute Ratschläge aus. Besucher sitzen im Sommer gerne in einer lauschigen Gartenecke und freuen sich an den weissen Blüten, die ringsum aus dem Dunkeln leuchten. Oder sie sind dankbare Abnehmer von Schalen voller Himbeeren, duftenden Tomaten und frischen Bohnen. Es muss ja nicht gerade die Zucchetti sein, die man eine Regenwoche lang vergessen hat und die zu Zeppelingrösse herangewachsen ist. Wenn das nicht ein sechster Grund ist.

Und zuletzt ist Gartenarbeit durchaus im Trend. Nicht nur König Charles, David Beckham und Leonardo DiCaprio verweilen gerne in ihren Gärten, auch Johnny Depp liebt die Gartenarbeit und die Sängerin Adele träumt von kreativen Gartenpausen. In der Schweiz ist Peach Weber bekennender Gartenfreund, wie auch der gerade 80 Jahre alt gewordene Pepe Lienhard. Gartenkolumnen und Pflanzenratgeber finden sich in fast allen Zeitungen – und sie werden auch gelesen. Deshalb: Wer einen Garten hat, der weiss viel mehr als sieben Gründe, weshalb er auf sein grünes Fleckchen Erde nicht mehr verzichten möchte.

 

Spenden

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, Sie zum Denken angeregt, gar herausgefordert hat, sind wir um Ihre Unterstützung sehr dankbar. Unsere Mitarbeiter:innen sind alle ehrenamtlich tätig.
Mit Ihrem Beitrag ermöglichen Sie uns, die Website laufend zu optimieren, Sie auf dem neusten Stand zu halten. Seniorweb dankt Ihnen herzlich.

IBAN CH71 0028 7287 1801 7101 L

1 Kommentar

  1. Liebe Bernadette, vielen Dank für diesen Mut machenden Beitrag. Nur gibt es auch Menschen, die in Sachen Garten absolut unbegabt sich. Ich zum Beispiel. Schon seit über 30 Jahren haben wir eine Gartenwohnung, immer wieder habe ich etliches ausprobiert. Und nur mit Hilfe meines Sohnes (Landschaftsgärtner) ist mir hin und wieder (aber wirklich selten) auch ein Erfolg gelungen. Tomaten, die schon am Strauch braune Flecken hatten, Schnecken, die sich an meinen Küchenkräutern gütlich tagen (inzwischen mit einem kleinen Hochbeet gelöst), Katzen, die mein frisch bepflanztes Blumenbeet (mit einheimischen Gewächsen, durch den Profi-Sohn ausgewählt) kurzerhand umpflügten.
    Aber ich nehme Deine Zeilen gerne als Motivationsschub – ich versuche wieder, die Freuden des Gartens zu entdecken! 🙂

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Newsletter & Mitgliedschaft

Lernen Sie uns über den kostenlosen Newsletter kennen und werden Sie Mitglied von Seniorweb.

Beliebte Artikel

Mitgliedschaften für Leser:innen

  • 20% Ermässigung auf Kurse im Lernzentrum und Online-Kurse
  • Reduzierter Preis beim Kauf einer Limmex Notfall-Uhr
  • Vorzugspreis für einen «Freedreams-Hotelgutschein»
  • Zugang zu Projekten über unsere Partner
  • Massgeschneiderte Partnerangebote
  • Buchung von Ferien im Baudenkmal, Rabatt von CHF 50 .-