Früher klebten Ferienerinnerungen im Fotoalbum, später flimmerten sie als Dias über die Wohnzimmerwand. Heute entstehen sie auf dem Smartphone: wir mit Sonnenbrille, am Strand, beim Stadtbummel, in Regenjacke und mit Gelato in der Hand. Kurz: Ferienselfies sind das Reisetagebuch unserer Zeit. Genau solche Bilder sucht das Schweizerische Nationalmuseum für die neue Ausstellung «Tourismus. Reiseziel Schweiz», die ab dem 20. Juni 2026 im Forum Schweizer Geschichte Schwyz zu sehen ist.
Die Ausstellung erzählt, wie aus der Schweiz ein Sehnsuchtsort, Ferienklassiker und Selfie-Hotspot wurde. Sie blickt zurück und fragt zugleich, wie wir heute reisen, was wir erleben und wie wir uns dabei zeigen. Denn Reisen heisst längst nicht mehr nur unterwegs sein. Reisen heisst heute auch: posen, knipsen, posten und teilen. Deshalb sucht das Museum authentische Ferienselfies aus den letzten 20 Jahren. Bilder am Strand, von der Städtereise, vom Zeltplatz, vom Berggipfel oder vom Hotelbalkon. Gesucht sind keine Hochglanzfotos, sondern echte Ferienmomente: spontan, persönlich, schön, schräg oder beides zugleich.
Platz für die Gegenwart
In der Fotosammlung des Museums befinden sich bereits private Bildwelten aus anderen Zeiten: Familienalben aus den 1920er-Jahren, Farbdias aus den 1960er-Jahren oder Schnappschüsse aus der Zeit des frühen Massentourismus. Jetzt soll auch die Gegenwart ihren Platz bekommen. Eine Auswahl der eingesandten Selfies wird zudem ab dem Eröffnungstag in einer digitalen Bilderschau in der Ausstellung präsentiert.
Der Sammlungsaufruf entstand im Austausch zwischen der Ausstellungskuratorin Anna Wälli und Aaron Estermann, Kurator für Historische Fotografie. Gemeinsam wollen sie nicht nur die Ausstellung, sondern auch die Fotosammlung des Schweizerischen Nationalmuseums bereichern. Das Schweizerische Nationalmuseum sammelt nicht nur historische Objekte und Geschichten, sondern auch Zeugnisse unseres heutigen Alltags.
«Selfies zeigen nicht nur Menschen an bestimmten Orten, sondern auch, wie wir reisen, was wir erleben und wie wir uns dabei präsentieren. Sie sind ein Spiegel unserer Zeit», sagt Aaron Estermann. Bereits 2022 hatte ein öffentlicher Sammlungsaufruf grossen Erfolg: Damals reichte die Bevölkerung fast 500 Automatenfotos ein. Nun sind Ferienselfies gefragt. Wer also Lust hat, ein kleines Stück Alltags- und Tourismusgeschichte beizusteuern, ist herzlich eingeladen, eigene Ferienselfies einzureichen.
