StartseiteMagazinKulturChristoph Heftis Teppichwelten

Christoph Heftis Teppichwelten

Die Bilder, geknüpft aus Wolle und Seide sind surreal, farbenprächtig und voller Überraschungen. Das Museum für Gestaltung Zürich widmet dem Schweizer Textilgestalter Christoph Hefti erstmals eine umfassende Einzelausstellung «The Missing Cat und andere textile Storys».

Im Untergeschoss des Museums tritt die Besucherin in eine geheimnisvolle Märchenwelt. Die Wände sind farbig bemalt oder mit organischen Formen gemusterten blaugrünen Vorhängen bedeckt. Spots beleuchten maskenhafte Figuren. Augen bizarrer Wesen blicken aus grossformatigen Wandteppichen. Einen Moment innehalten, schauen und in diesen Kosmos eintauchen.


Die Ausstellung im ehemaligen Kunstgewerbemuseum in Zürich präsentiert das multidisziplinäre Oeuvre von Christoph Hefti – von handgeknüpften Teppichen und Textilprints über Keramik und Möbel bis hin zu Kostümen, Szenografien und performativen Arbeiten. Materialien, Techniken und Ausdrucksformen greifen ineinander und zeigen die grosse Bandbreite seiner gestalterischen Praxis.


Christoph Hefti, 1967 in Lausanne geboren, lebt und arbeitet in Zürich und Brüssel. Er zählt zu den herausragenden Schweizer Textildesignern der Gegenwart. Seine handwerklich präzis gearbeiteten Kreationen erzählen ungewöhnliche Geschichten. Geheimnisvolle Motive, markante Formen, intensive Farben und unterschiedliche Materialien verdichten sich zu eigenständigen Kompositionen. Seine Figuren scheinen aus einer bizarren, surrealen Welt zu kommen und erinnern entfernt an die Bilder des flämischen Symbolisten James Ensor (1860-1943).


Auf den Teppichen erscheinen Tierwesen, Masken, Augen und mysteriös-traumartige Landschaften. Ausgangspunkt von Heftis Arbeiten bilden Geschichten, dabei lässt der Textildesigner den Interpretationsspielraum bewusst offen und meint: «Ich beginne mit einer Geschichte. Teppiche, Garne und Materialien ergänzen sie und geben ihr Form. Diese Geschichte ist zentral für meinen Entwurfsprozess – sie zu erzählen, ist der Motor meines Designs.»


Hefti arbeitet intuitiv. Seine Entwürfe entstehen aus freien Zeichnungen und visuellen Notizen, ohne vorgängige Bildrecherche. Im Dialog zwischen Vorstellung, Material und Technik entwickeln sich seine Ideen zu vielschichtigen Kompositionen. Er verwendet Materialien wie Seide, Wolle oder lange Garnstrukturen, die die Wirkung der Szenen verstärken und den Teppichen eine besondere Präsenz verleihen.

Die von Nora Wüthrich kuratierte Ausstellung gibt auch Einblick in den Entstehungsprozess. Skizzen, Musterkarten und ein eigens für die Schau produzierter Film veranschaulichen die Entwicklung der Teppiche von der Idee bis zur Produktion in Nepal. Eine Audiostation ergänzt die Präsentation mit Erzählungen des Gestalters zu einzelnen Werken.

Installation. Foto: rv

In seiner langjährigen Tätigkeit für die Modewelt entwarf der Textilgestalter bedruckte und gewobene Textilien für Modehäuser wie Dries Van Noten, Lanvin, Balenciaga oder Acne Studios. Auf der Suche nach mehr Selbstbestimmung und grösserem gestalterischen Spielraum wandte er sich dem Teppich zu. Das Format, das über die Dimensionen des Körpers hinausgeht und die direkte Auseinandersetzung mit dem Handwerk, eröffneten neue gestalterische Möglichkeiten. So zeigt die Schau auch fantasievoll gestaltete Möbel, Szenografien und Installationen. Heftis Schaffen bewegt sich zwischen Design und Kunst.

Szenographie mit Figur, Objekten, Textilien und Video. Foto: rv

Die Herstellung der Teppiche geschieht in enger Zusammenarbeit mit Produzentinnen und Produzenten in Nepal. Sie werden in traditioneller Handarbeit mit dem tibetischen Knoten gefertigt. Mehrere Knüpferinnen und Knüpfer arbeiten gleichzeitig an vertikalen Webstühlen, dabei wächst ein Teppich rund zehn Zentimeter pro Tag und Person. Seit 2015 arbeitet Christoph Hefti mit dem Schweizer Fair-Trade-Label STEP zusammen, das sich für faire Arbeitsbedingungen und nachhaltige Produktionsprozesse in der Textil- und Teppicherstellung einsetzt.

Titelbild: Ausstellungsansicht. Foto: rv
Fotos der Ausstellungsansichten:
© Umberto Romito & Ivan Šuta, Museum für Gestaltung Zürich/ZHdK

Bis 3. Januar 2027
«Christoph Hefti – The Missing Cat und andere textile Storys» im Museum für Gestaltung Zürich, Ausstellungsstrasse.
Weitere Informationen, auch ein Programm für Kinder, Jugendliche und Familien, finden Sie hier

 

Spenden

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, Sie zum Denken angeregt, gar herausgefordert hat, sind wir um Ihre Unterstützung sehr dankbar. Unsere Mitarbeiter:innen sind alle ehrenamtlich tätig.
Mit Ihrem Beitrag ermöglichen Sie uns, die Website laufend zu optimieren, Sie auf dem neusten Stand zu halten. Seniorweb dankt Ihnen herzlich.

IBAN CH71 0028 7287 1801 7101 L

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Newsletter & Mitgliedschaft

Lernen Sie uns über den kostenlosen Newsletter kennen und werden Sie Mitglied von Seniorweb.

Beliebte Artikel

Mitgliedschaften für Leser:innen

  • 20% Ermässigung auf Kurse im Lernzentrum und Online-Kurse
  • Reduzierter Preis beim Kauf einer Limmex Notfall-Uhr
  • Vorzugspreis für einen «Freedreams-Hotelgutschein»
  • Zugang zu Projekten über unsere Partner
  • Massgeschneiderte Partnerangebote
  • Buchung von Ferien im Baudenkmal, Rabatt von CHF 50 .-