Gestern fand in St. Gallen eine der ersten Klimademonstrationen nach dem Hitzesommer 2026 statt. An diesem Wochenende und vor allem am 25. September folgen weitere in Städten der Schweiz.
Zu diesen Demonstrationen ruft die Bewegung Klimastreik auf, zusammen mit Organisationen aus der Entwicklungs-, Friedens- und Umweltpolitik. Angesprochen sind Klimabewegte von Jung bis Alt.
Die Demonstrierenden in St. Gallen wurden auf dem Kornhausplatz von der Regionalgruppe der Klimaseniorinnen mit dem Lied «How many Wälder..» nach der Musik von Bob Dylan «Blowin’ in the Wind» empfangen.
Klimaseniorinnen der Ostschweiz begrüssten die Demonstrierenden mit folgendem Lied:
Wie vill Wälder müend no verbrenne
Bevor mir schreied jetzt isch Ziit ?!
Wie vill Gletscher münd denn no schmelze
Üses Wasserschloss för immer verbiii
jo und wie vill Dörfer müend im Schlamm versinke
Before you can hear people cry
The answer, my friends, sind Fakte uf em Tisch
Nu z’Bern obe merked sis nid
(Wiederholen)
Wie viill Arte müend no ussterbe
bevor mer schreied jetz isch Ziit
wie vill Mensche i der Flute vertrinke
before you can hear people cry
und wie lang chönnd d’Mensche d’Auge verschlüsse
behaupte, si hegeds nöd gseeh
The answer, my friend, sind Fakte uf em Tisch
Nu z’Bern obe wönd sis nöd gseh
(Wiederholung)
Wie viill Hitz müend mer no erträge
Bevor mer d’Städt meh begrüent
Wie vill Billione wönd’s no verdiene
Bevor me kei Oel meh verbrennt
Jo und wie vill Forschig müemmer no betriebe
Bevor mer glaubed, jetz isch Ziit
The answer, my friend, sind Fakte uf em Tisch
Nu z’Bern obe handlets halt nid
(Wiederholung)
Gleichzeitig wurde an der Fachhochschule Ost der Tag der offenen Tür vom 19. September vorbereitet mit einem Büchertisch in der Bibliothek zum Thema «Klimakrise»:
Bücher in der Bibliothek der Fachhochschule OST zum nachhaltigen Gartenbau, ökosozialer Architektur, grünem Städtebau, Recycling, Upcycling, Minimalismus, Ökostrom, Fast Fashion, Konsumgesellschaft, Artensterben usw.
Während eineinhalb Stunden bewegte sich der friedliche Demonstrationszug mit ca. 500 Teilnehmenden durch St. Gallen, eingerahmt von engagierten Reden von jungen und älteren Umweltaktivisti:innen. Immer wieder brandeten Parolen auf: «Wem sini Zukunft? Üsi Zuekunft!»; «Ufe mit de Klimaziel, abe mit em CO2»; «Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!»; «Banken retten das geht fix, für die Umwelt tut ihr nix!»; «What do we want? Climate justice! When do we want it? Now!»; «System change, not climate change».
Eine bunte Gemeinschaft von Jungen Grünen bis besorgten Alten setzt sich für ein gutes Leben für alle auf diesem Planeten jetzt und in Zukunft ein.
Demonstrationsplakate: Ein Mädchen hat mit seiner Schwester einen Planeten gezeichnet, auf dem sich Hasen, Bienen, Katzen, Menschen, Schmetterlinge und andere Wesen im Sonnenschein auf einer Blumenwiese tummeln. Einer mahnt: «Es gibt keinen Plan B, weil es keinen Planeten B gibt.» Ein dritter kritisiert die Verkehrs- und Energiepolitik von Bundesrat Rösti: «Finger vo de(m) Rösti.»
Nicht nur Bundesrat Rösti, auch andere Bundesräte kümmern sich viel zu wenig um eine nachhaltige Entwicklung und wursteln sich irgendwie durch, wie dies Bundesrat Cassis für seine Aussenpolitik beansprucht. Vgl. dazu die Arena vom 17. April 2026.
Im Mai 2026 hat der Bundesrat den aktuellen Länderbericht der Agenda 2030 verabschiedet und ihn im Juli ohne Anwesenheit eines Bundesrates an der UNO in New York vorstellen lassen. Die Plattform Agenda 2030, «ein Zusammenschluss von rund 50 zivilgesellschaftlichen Akteur:innen aus den Bereichen der Entwicklungszusammenarbeit, Umweltschutz, Gender, Frieden, nachhaltiges Wirtschaften sowie Gewerkschaften» kritisierte den aktuellen Länderbericht des Bundesrates scharf. 13 000 Personen forderten in einer Petition an den Bundesrat «Mut zu echter Nachhaltigkeit».
Es wäre wünschenswert, wenn die Klimastreikbewegung und die zivilgesellschaftlichen Akteur:innen der Plattform Agenda 2030 vermehrt zusammenarbeiten, um dem Nachhaltigkeitslarifari auf kommunaler, kantonaler und Bundesebene die Stirn zu bieten.
Titelbild: Der Demonstrationszug durch die Innenstadt St. Gallen wurde angeführt von den Jungen Grünen. In der vordersten Reihe Myrto Vandersee, Co-Präsidentin Junge Grüne Schweiz, die am Schluss der Demo eine begeisternde Rede für den gemeinsamen Kampf für ein gutes Leben für alle in der Schweiz und auf diesem Planeten hielt. (Alle Fotos bs)

guter Artikel – danke
aber auf kommunaler Ebene läuft meist sehr viel! aber die Städte werden von Kanton und Bund zurückgebunden. Kanton und der Bund sind diejenigen, die ihren Job nicht machen.
schöner Artikel! Schade liegt auf dem Büchertisch nicht auch das KlimaSeniorinnenbuch:»Wie die Schweiz ins Schwitzen kam»
Vielen Dank, für den informativen und stimmungsvollen Artikel!
Das Klima sollte als wichtiges Thema in den Medien mehr Präsenz bekommen. Auch in Zeiten, da nicht extreme Bedingungen es unmöglich machen wegzusehen.
Bravo zu dem Artikel! Und danke für die Demo.
Ja, der Rösti ist wirklich am falschen Ort zur falschen Zeit. Vielleicht wird er bei der nächsten Wahl entmachtet.
Aber eigentlich muss die Debatte in jedem von uns geführt werden. Im Bodensee fehlen zur Zeit cirka 1.20 Meter Wasser.
Noch so ein Sommer und es wird Verteilkämpfe um das Wasser geben, nicht nur in südlichen Ländern — auch bei uns!
Siehe auch den Text zu Franziskus von Assisi von demselben Autor.
H.P. Schneider Rorschach