Eine Kolumne sollte, meines Erachtens, etwas die persönliche Haltung der oder des Schreibenden widerspiegeln. Diese kann politisch gefärbt, philosophisch akzentuiert oder ökologisch ausgerichtet sein. Oder sie dreht sich um Gesundheit, die Tier- oder Pflanzenwelt oder um Reisen. Meine neue Kolumne dreht sich um die Liebe.
Anstoss zum Thema gab mir ein Interview, das mein einstiger Kollege Urs Bühler in diesem Frühjahr im Magazin der NZZ am Sonntag mit der legendären Schweizer Werberin Doris Gisler Truog führte. Auf seine Frage, was das Wichtigste im Leben sei, antwortete die heute 98-Jährige: Die Liebe. Die Liebe zum Leben, zu den Menschen und zu sich selber.
Wie recht sie hat! Die Werberin, die mit dem für viele Ältere unvergessenen Slogan «Den Frauen zuliebe – ein männliches Ja» den Abstimmungskampf um das Frauenstimmrecht 1971 beeinflusste, hat mit dieser Antwort ein allgemein gültiges Lebensmuster umrissen.
Dabei geht es nicht nur um Romantik, Herzschmerz oder Dramatik. Wobei, meine erste Kolumne, die handelt wirklich von einer ganz persönlichen, grossen Liebe: Seit etlichen Jahren begleitet mich diese leider bis heute unerwiderte Leidenschaft. Was habe ich schon alles versucht! Mich abgemüht, Kraft, Zeit und Geld investiert – alles vergebens.
Es ist frustrierend, immer wieder schnöde abgewiesen zu werden, immer wieder einzusehen, dass die ganze Liebesmüh nicht erfolgreich ist und es wohl auch nie sein wird. Gleichzeitig freue ich mich auf jede neue Begegnung. Denn das Golfspielen, das fasziniert mich seit meiner ersten Runde auf einem Golfplatz. Diese Erwartungshaltung am ersten Abschlag, am liebsten an einem sonnigen Morgen, der Aufbau der Körperspannung vor dem ersten Schwung – und dann dieses melodische Sirren, wenn der kleine Ball optimal getroffen kerzengerade über die Rasenbahn fliegt – das ist einfach Freude pur.
Die sich leider nicht so oft einstellt, denn Golf spielen ist, wenigstens für mich, sehr oft mehr leiden als Leidenschaft. Da fliegt der kleine Ball direkt hinter einen Baum, in das hohe Gras neben der eigentlichen Bahn oder landet in einem Bunker, einer dieser fiesen Sandflächen, die meist das Green – das ist die Endstation jeder Golfbahn, dort, wo sich das Loch befindet, in das der Ball purzeln sollte – «beschützen».
Schlimmer wird es für mich nur vor einem Wasser. «Wasser», muss man wissen, ist im Golfjargon alles, was nicht als Regen vom Himmel fällt. Also Teiche, Weiher, Bäche. Was für viele ein Vergnügen ist, mit einem schönen Schwung das Bällchen über dieses Hindernis zu befördern, ist für mich eine einzige Qual. Denn meine Bälle landen in der Regel voll im Nassen und sind somit, weil sie ja nicht schwimmen können – ich zwar schon, aber Golf spielt man ja nicht in der Badehose – auf Nimmerwiedersehen verloren.
Wer sich jetzt fragt, wo denn da meine Liebe zu diesem sperrigen Sport zu finden ist, dem muss ich etwas erklären. Erstens: Golf wird im Freien gespielt, in der Natur, umgeben von Grün, Vogelgezwitscher und manchmal auch Blumenduft, denn an den Rändern der Golfbahnen findet sich oft eine artenreiche Vegetation.
Zweitens spielt man in kleinen Gruppen von höchstens vier Personen – und gesprochen wird wenig, denn bei jedem Schlag ist volle Konzentration gefragt, sonst … . Siehe oben. Es ist diese Ruhe, die, gepaart mit den mehr oder weniger kraftvollen Schwüngen, ganz kleine Auszeiten vom Alltag sind und sich im Ganzen zu einer veritablen Erholungspause summieren. «Beim Golfen kann ich meine Schmerzen und Sorgen für eine kurze Zeit vergessen», höre ich immer wieder – und spüre es auch in mir selber.
Und drittens: Nach einer Golfrunde sitzt man in der Regel noch zusammen, bei einem Getränk und mit dem Wissen, dass man für eine ganz kurze Zeit mit anderen Menschen, die man vielleicht am Morgen noch gar nicht gekannt hat, freundschaftlich verbunden ist. Und dass niemand perfekt ist, alle mit störrischen Bällen, falsch getimten Schwüngen und mit Wasser von hoher Anziehungskraft gekämpft haben. Und trotzdem die meisten diese Liebeserklärung ans Golfen unterschreiben würden.

Wie zutreffend Ihre Worte doch sind.
Ich spiele seit 69 Jahren Golf, unterdessen von 3,3 wieder auf einem Handicap 10,5 angelangt und kann somit jedes Wort Ihres köstlichen Beitrags nachvollziehen.
Besten Dank dafür!
Freundliche Grüsse
Margrit Würsch