StartseiteMagazinKulturFondation Beyeler setzt noch einen drauf

Fondation Beyeler setzt noch einen drauf

Neben dem bestehenden Museumsbau hat die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel ihr Angebot räumlich und konzeptionell stark erweitert. Entstanden ist ein veritables Gesamtkunstwerk.

Emil Steinberger  – besser bekannt in der Kurzform Emil – ist begeistert über das, was er in Riehen in der Fondation Beyeler antrifft . «Einfach schön und so hell», bringt er es auf den Punkt. Der wohl bekannteste Schweizer Kabarettist, der nach wie vor eine ungetrübte Lebensfreude ausstrahlt, war zufälligerweise gleichentags wie der Schreibende auf Besichtigungstour. Er liess sich für uns vor seinem Lieblingsbild im «alten» Beyeler-Museum und einem Lächeln im Gesicht ablichten.

Nicht weniger schön, aber ein bisschen weniger hell, ist es im neuen Teil des Museumskomplexes. Seit Ende September 2026 können interessierte Besucherinnen und Besucher die Neubauten der Fondation mit dem erweiterten Park erleben. Aber Achtung: Während der Preview-Phase gelten vorderhand (bis zum 14. Januar 2027) nur eingeschränkte Öffnungszeiten, und die Zahl der Tickets ist begrenzt.

Kaum mehr zu toppen

Schon bislang war das Beyeler-Museum in Riehen ein international renommiertes Haus. Nach der Erweiterung in grossem Stil – räumlich und konzeptionell  – ist daraus nun ein Gesamtkunstwerk entstanden, das auch international schwer zu toppen sein dürfte.

Die Fondation ergänzt das von Renzo Piano entworfene Beyeler-Museum um drei Neubauten (Wyss-Museum, Ammann-Pavillon und Erlen Torhaus) des Schweizer Architekten Peter Zumthor. Darüber hinaus umfasst das erweiterte Ensemble denkmalgeschützte Gebäude, die restauriert und neu gestaltet wurden. Sie sollen unter anderem als Ateliers für workshops dienen und neue Plattformen für Künstlerinnen und Künstler sowie Besuchende schaffen. Zudem erwähnenswert: Ein denkmalgeschützter privater und öffentlich zugänglicher Park mit jahrhundertealten Bäumen und zeitgenössischen Kunstwerken. Laut einer Medienmitteilung wurden die Kosten von insgesamt 120 Millionen Franken für Landkauf, Bau und für den Betrieb in den ersten Jahren vollständig aus privater Hand finanziert.

Viel mehr Ausstellungsfläche

Die klar auffälligste Neuerung betrifft das Wyss-Museum, benannt nach Hansjörg Wyss, dem Präsidenten der Beyeler-Stiftung und Hauptförderer des Neubaus. Das Wyss-Museum erweitert die Ausstellungsfläche der Fondation um rund 1500 Quadratmeter auf drei Etagen.

Das Wyss-Museum (der kleine Junge ganz oben ist eine Kunstfigur…)

Mit dem Fahrrad bin ich in der Vergangenheit häufig daran vorbeigefahren und habe die über vierjährigen Bauarbeiten beim Wyss-Haus über die Zeit verfolgen können. Mit ehrlich gesagt etwas gemischten Gefühlen: Dieser monolithische Kubus, der da langsam im Entstehen war, unterschied sich markant vom feinen Renzo Piano-Bau gefühlte 100 Meter nebenan, der sich so wunderbar leicht in die Gegend einfügte. «Und das soll ein Museum werden?», fragte ich mich.

Alles passt zusammen

Doch dieser Eindruck wich blitzartig einem weit positiveren, als ich das fertige Wyss-Haus vor einigen Tagen erstmals betrat. Von Aussen wirkt der Bau viel schwerer, als er sich innen anfühlt. Das dürfte einmal an den unterschiedlichen Raumhöhen sowie einigen gezielten grossen Öffnungen liegen. Man trifft nicht bloss eine grosse Halle an, sondern eine Folge von Räumen, in denen einfach alles irgendwie zueinander passt.

Grosszügige Ausstellungsflächen im neuen Museum

Und wer einen Blick nach draussen wirft, gewinnt den Eindruck, er habe jeweils ein grosses (gemaltes) Landschaftsbild vor sich. Die grossen Fenster scheinen nicht einfach da zu sein, um Licht hereinzulassen. Architekt Zumthor komponiert regelrechte Landschaftsbilder aus dem Museumsraum heraus. Bei klarer Sicht reicht der Blick von hier sowohl bis in den Schwarzwald als auch in den Jura.

Aus der Ferne betrachtet, bleibt das Wyss-Haus zwar eine grosse weisse Einheit. Aber er macht etwas mit dem Ort. Und je stärker man sich dem Gebäude nähert, desto sichtbarer werden die einzelnen Baukörper, Öffnungen und Wege.

Um Bäume herum

Das Museumsgebäude wurde um bestehende, teils jahrhundertalte Bäume herum entworfen. Der Y-förmige Grundriss formiert sich um einen Ginkgo, einen Mammutbaum und eine Platanengruppe. Und drinnen schafft eine Terrasse im zweiten Obergeschoss, die in den Park führt, zusätzliche Verbindungen zwischen den Innenräumen und dem Park. Künftig sollen sowohl im bestehenden Renzo Piano-Bau als auch im Wyss-Museum Werke der Sammlung sowie bedeutende Leihgaben aus befreundeten Privatsammlungen gezeigt werden.

Der Ammann-Pavillon soll verschiedenen Zwecken dienen.

Zwischen den Museumsgebäuden und den historischen Bauten bildet der Ammann-Pavillon eine Art Schnittstelle im Ensemble. Der ebenerdige Bau aus Glas und Eichenholz soll Interessierte zum Verweilen und zu Begegnungen gleichermassen einladen und abends für kulturelle Veranstaltungen bis zu 250 Personen dienen. Er biete beste akustische Bedingungen und könne unabhängig vom Museumsbetrieb für Veranstaltungen aller Art (Konzerte, Filmvorführungen  etc.) benützt werden, teilt das Museum mit.

Für die breite Öffentlichkeit weniger von Relevanz ist das Erlen Torhaus, in dem  sich unter anderem Arbeitsplätze befinden.

Einjähriges Eröffnungsprogramm

Mit der schrittweisen Eröffnung des erweiterten Ensembles startet die Fondation Beyeler ab jetzt ein einjähriges Eröffnungsprogramm, das die verschiedenen Räume erlebbar machen soll. Als erstes läuft aktuell die grosse Eröffnungsausstellung «Constellations» mit über 200 Werken. Parallel zu «Constellations» (bis 5.September 2027) sind noch vier grosse Einzelausstellungen zu sehen.

Bronze-Figur von Louise Bourgeois und viel Natur rund um das Museum

Tickets sind laut Angaben des Museums ausschliesslich online erhältlich. Die vorderhand noch limitierten Kontingente mit Zeitfenster können über die Webseite der Fondation Beyeler gebucht werden. Ab dem 15. Januar 2027 herrscht wieder Normalbetrieb, und das Museum ist ab dann wieder sieben Tage pro Woche geöffnet.

Aktuelle Informationen zu Tickets, Öffnungszeiten und dem Besuch sind auf der Website der Fondation Beyeler abrufbar.

www.fondationbeyeler.ch

Titelbild : Als Besucher im Beyeler-Museum entdeckt: Kabarettist Emil. Fotos: Markus Sutter

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