FrontGesundheitNicht immer ist die Hexe schuld

Nicht immer ist die Hexe schuld

Rückenschmerzen sind ein Volksleiden, das Alt und Jung befällt. Eine Standardtherapie gibt es nicht, jeder Patient ist ein Einzelfall.

Wer kennt das nicht: Der Griff ins Kreuz, der Seufzer beim Aufstehen, das Gefühl, einen schweren Rucksack zu tragen. Oder schlimmer noch, der plötzliche stechende Schmerz, im Volksmund Hexenschuss genannt, der aus einem aufrechten Menschen ein wimmerndes, vornübergebeugtes Etwas macht, die ständigen, bohrenden Schmerzen, die jegliche Lebensfreude und Unternehmungslust ersticken.

Der Rücken ist das Rückgrat der menschlichen Existenz. Dass er so oft Beschwerden macht, hat viele Ursachen. Zentral im Alter sind nebst Unfällen die degenerativen Prozesse.

Im Rahmen einer Gesundheits-Matinée zum Thema Bewegung im Alter referierte Markus Rühli, Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH und Wirbelsäulenspezialist der Klinik Hirslanden in Zürich über die häufigsten Wirbelsäulenerkrankungen und deren Behandlung. Rückenprobleme seien komplex, hielt er zuerst fest. Zum einen, weil die Wirbelsäule kein «Knochen», sondern ein aus 24 Wirbeln kompliziert aufgebautes Gebilde ist, zum andern, weil Röntgenbefunde häufig nicht mit den vom Patienten empfundenen Schmerzen korrespondieren.

Der Arzt als Detektiv

Was heisst, dass ein stark verkrümmter Rücken nicht unbedingt mit grossen Schmerzen verbunden sein muss, während bei anderen Geplagten die bildgebenden Diagnosemöglichkeiten kaum einen Befund ergeben, die Schmerzen aber fast nicht  zum Aushalten sind. Rückenschmerzen müssen zudem nicht zwangsläufig von einer Schädigung eines Wirbelkörpers ausgehen, auch die Bauchspeicheldrüse oder Störungen im Magen-Darm-Bereich können zu Beschwerden führen.

«Schmerz ist nicht per se abbildbar», betonte Dr. Rühli. Zumal auch das ganze psychosoziale Umfeld berücksichtigt werden muss. Wenn jemand «eine schwere Last trägt», «buckeln» muss oder «niedergedrückt» ist, kann das auch zu Rückenschmerzen führen.

Deshalb sei eine gezielte Befragung des Patienten, gepaart mit MRI oder Röntgen, sehr wichtig für die Diagnosestellung, betonte der Facharzt. Infiltrationen, bei denen einzelne Segmente der Wirbelsäule mit Schmerzspritzen «lahmgelegt» werden, helfen mittels Ausschlussverfahren zusätzlich, den Schmerzauslöser zu ermitteln.

Degenerative Erkrankungen

Es gibt verschiedene Krankheitsbilder im Bereich des Rückens. Der Bandscheibenvorfall, die Diskushernie, ist wohl allgemein bekannt. Die Spinalkanalstenose ist der Befund, bei dem am häufigsten nur noch eine Operation hilft. Dabei wird die degenerative Verengung des Wirbelkanals behoben.

Osteoporose, ebenfalls eine degenerative Erkrankung, führt häufig zu Wirbelbrüchen, die heute mit einem zwar heiklen, aber minimalinvasiven Eingriff behandelt werden können: Mit einer Nadel wird ein Ballon in den zusammengefallenen Wirbel eingeführt, der dann mit einem «Zement» gefüllt wird und so den Wirbel wieder stabilisiert.

Die Frage, ob eine Operation am Rücken sinnvoll oder notwendig sei, geht Dr. Rühli individuell an: «Jeder Patient ist ein Einzelfall», betont er. Heute werde sehr gezielt und schonend operiert. Dank dieser kleinen Eingriffe halte sich der «Landschaden» in dem so heiklen Rückenbereich in Grenzen. Deshalb sollten auch möglichst keine Nachwirkungen zurückbleiben.

Bild: Wirbelsäulenstabilisation mittels Schrauben (Bild Klinik Hirslanden)

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