FrontGesellschaftHacking im Dienst des Volks

Hacking im Dienst des Volks

Vor wenigen Jahrzehnten fanden wir die Billigkopien von Luxuslabels bei Strassenhändlern ärgerlich oder amüsant, heute löst der Weltwirtschaftskommunismus auch Ängste aus. Serie in 9 Teilen, Folge 6

Unsere Reiseführer behaupteten wiederholt, die chinesische Regierung bekämpfe Fälschungen von Markenprodukten. Davon kann keine Rede sein! Es ist durchaus nicht so, dass einem nur auf der Strasse Händler hinter vorgehaltener Hand gefälschte Uhren („Lolex?… Lolex?“) anböten.

Vielmehr liegen die für rund zehn Franken erhältlichen Uhren renommierter Schweizer Marken wie Rolex, Omega, IWC, Certina und andere, auf den Märkten zu Tausenden offen auf den Theken der Verkaufsstände. Das Gleiche gilt für Markenschuhe, Gucci-Taschen oder T-Shirts mit dem Krokodil.

Spionieren, Imitieren, Produzieren

Die Regierung unternimmt nicht nur nichts gegen die Fälschungen aus ihrem Land, die weltweit millionenfach auf die Märkte gebracht werden, vielmehr fördert sie die aktive Industriespionage, mit der Produktionsprozesse amerikanischer und europäischer Firmen ausspioniert und dann in China kopiert werden. Eine deutsche Autorin hat zudem starke Indizien dafür gefunden, dass eine ganze Abteilung der Volksbefreiungsarmee für das Hacken von Webseiten und Firmengeheimnissen tätig ist. Die Chinesen machen nichts anderes als die Regierung der USA, die im grossen Stil Internetspionage betreiben lässt.

Lernen ist das A und O für den Wirtschaftsboom

Der während dreissig Jahren im Fernen Osten domizilierte ehemalige Asien-Korrespondent der NZZ, Urs Schöttli, berichtete kürzlich in einem Radiointerview von diversen Betrügereien. Dank seiner Sprachkenntnisse vermittelte er für Schweizer Firmen in China und erlebte dabei, wie hiesige Unternehmen von den Chinesen zugrunde gerichtet wurden.

Ausländer ausbeuten

Die mit Schweizer Knowhow in China hergestellten Produkte wurden nach kurzer Zeit kopiert und unter dem Label „Swiss Made“ billiger auf den Weltmarkt geworfen, als das die Schweizer Firma, die in Forschung und Entwicklung des Produkts investiert hatte, hätte tun können. Inzwischen ist China wirtschaftlich so stark, dass es die Bedingungen diktiert, wenn westliche Unternehmen dort produzieren wollen. Das können sie nur noch, wenn sie den Technologietransfer garantieren.

Lastentransport wie seit Jahrzehnten

Es ist noch keine drei Jahre her, dass der Atomausstieg unter anderem mit dem Argument begründet wurde, die Produktion alternativer Energien würde in unserem Land Tausende von hochqualifizierten Arbeitsplätzen schaffen. Und jetzt? Die grössten Windkraft- und Solarpanelhersteller in Europa kämpfen ums Überleben, wenn sie noch nicht stark redimensioniert oder die Segel ganz gestrichen haben; die kleinen Firmen sind weggefegt worden. China hat anscheinend die Absicht, mittels nach WTO-Regeln unzulässigen Subventionen im Solarbereich ein Produktionsmonopol zu erreichen.

Ping Pong in der Weltwirtschaft

Die EU hat im Mai dieses Jahres entschieden, für Produkte der chinesischen Solarindustrie Strafzölle einzuführen. Die politisch äusserst clevere Retorsionsmassnahme der Chinesen folgte auf dem Fuss: Der importierte europäische Wein, der zu drei Vierteln aus Frankreich stammt, wird mit Einfuhrzöllen belegt. Da die Franzosen keine nennenswerte Solarindustrie haben, gibt das Zwist zwischen Deutschland und Frankreich. Gleichzeitig sollen die Winzer im Bordelais wirtschaftlich in Schwierigkeiten gebracht werden, damit die Chinesen ihre aggressive Expansionspolitik im Kauf von Weingütern günstiger fortsetzen können.

Mit der Metro von Hongkong zur Arbeit

Dass chinesische Firmen nicht nur im Bergbau- und Agrarsektor die Wirtschaftsproduktion in anderen Ländern zu übernehmen im Begriff sind, ist keineswegs eine schwarzmalerische Zukunftsvision. Das ist an einem aktuellen Vorfall ersichtlich: Am Nachmittag des 24. Aprils 2013 hat die Zürcher Kantonspolizei bei der in Dübendorf angesiedelten chinesischen Firma Huawei eine Razzia durchgeführt und dabei neun Chinesen verhaftet, die dort illegal gearbeitet hatten: Huawei ist verantwortlich für den „gesamten Bau, Betrieb und Unterhalt“ (TA 26.04.13) des Mobilfunknetzes des Unternehmens Sunrise, das diese Aufgaben vollständig an die chinesische Firma mit ihren 450 Angestellten in der Schweiz ausgelagert hat. Auch die Swisscom und Orange arbeiten mit Huawei zusammen.

Illegale bringen mehr Effizienz

Die Arbeitsbedingungen bei dieser Firma seien „prekär“, stellen die Zürcher Untersuchungsorgane fest. Welche Rekognoszierungsaufträge die Chinesen bei Huawei in der Schweiz ausserdem für ihr Land wahrnehmen sollen, ist nicht bekannt.

Früher abgeschottet hinter der Grossen Mauer, heute Expansion jeder Art

Der neuste Trick ist im Juni 2013 aufgeflogen: Schlepperbanden rüsten Chinesen mit perfekt gefälschten EU-Pässen aus, was ihnen im Rahmen der Personenfreizügigkeit auch den schweizerischen Arbeitsmarkt öffnet.

Alle Fotos © Arnold Fröhlich

Folge 7 (23.8.2013) handelt von der Konsumwelt in Chinas Grossstädten und von der mühsamen Suche nach Briefmarken

Vorheriger ArtikelVon Hühnereiern und Haifischflossen
Nächster ArtikelSpiel mit!

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

spot_img

Beliebte Artikel