FrontGesundheitSoweit die Füsse tragen

Soweit die Füsse tragen

Da ist man sein halbes Leben munter herumgestöckelt und plötzlich schmerzt der Grosszehenballen. Und die schönsten Schuhe machen keine Freude mehr – wegen eines Hallux Valgus.

Füsse sind nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sie sind auch ein enorm kompliziertes und komplexes Gebilde. Füsse nehmen so schnell nichts übel, können aber ganz plötzlich «Nun ist genug» signalisieren. Mit Blasen zum Beispiel, scheuernden Druckstellen, «Hühneraugen» oder, bei längerfristigen Belastungen, mit einem Hallux Valgus.

Statik des Fusses ist gestört

Hallux ist lateinisch und benennt die grossen Zehen, Valgus bedeutet in derselben Sprache «nach aussen gerichtet». Und damit ist das Problem lokalisiert: Arthrose, falsche Gewichtsverteilung und Übergewicht oder eine sonstige gestörte Biomechanik des Fusses können zu einer Fehlstellung, einem Spreizfuss führen. Die Mittelfussknochen werden dabei auseinandergespreizt, die Zehen hingegen vorne zusammengepresst. Das kann so weit gehen, dass die zweiten und dritten übereinander oder unter den Grosszeh zu liegen kommen. Das ist dann ein Hallux Valgus in Reinkultur: Ein X-Schiefstand der Grosszehe mit ausgeprägter Ballenbildung.

Elegante Schuhe zu tragen ist bei einem so ausgesprägten Hallux Valgus eine Illusion.

Dass damit ein schmerzfreies Gehen nicht mehr möglich ist, liegt auf der Hand. Da hilft meist nur noch der Gang zum Chirurgen. In der «Gesundheit heute»-Sendung im Fernsehen SRF vom nächsten Samstag werden sowohl die konservativen wie auch die chirurgischen Möglichkeiten zur Behebung dieses Zehenschiefstandes aufgezeigt.

Nicht operative Therapien

Wer – im Kopf oder am Fuss – noch nicht so weit ist, sich einer Operation zu unterziehen, kann selber und mit Hilfe von Physiotherapie versuchen, Beschwerden zu lindern. Zwar sind die Erfolgserlebnisse eher klein, das heisst, ein ausgeprägter Hallux Valgus kann mit Dehn- und Kräftigungsübungen oder korrigierenden Einlagen nicht signifikant gebessert oder sogar behoben werden. Aber präventiv lässt sich doch Einiges machen.

Die Ursachen des Hallux Valgus sind ziemlich banal – Spreizfuss durch den Verlust von Elastizität und Muskelkraft des Fussgewölbes, degenerative Fehlbelastungen, zum Beispiel durch das Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen – aber die Folgen sind gravierend: Schmerzen, Schleimbeutelentzündungen an den vorstehenden Ballen und ganz allgemein eine ungünstige Druckverteilung auf dem ganzen Fuss, was sich auf die Statik des ganzen Körpers auswirkt. Wer also plötzlich Hornhaut an den Füssen hat, wo vorher nie welche «gewachsen» ist, sollte unverzüglich mit geeigneten Übungen und Manipulationen beginnen.

Die Gummiband-Methode

Dass Frauen mehr als Männer zu Hallux Valgus neigen, hat mit dem bevorzugten Tragen von schmalen, engen Schuhen oder von Highheels zu tun, bei denen ein Grossteil des Körpergewichts auf dem Ballen- und Zehenbereich lastet. Also wann immer möglich raus aus den Stöckelschuhen und am besten barfuss durch die Wohnung, den Garten oder die Wiese gehen. Dazu kommt eine leichte Fussgymnastik, die sich durchaus auch vor dem Fernseher duchführen lässt. Anleitungen sind zum Beispiel in der Broschüre «Auf gesunden Füssen» der Rheumaliga Schweiz enthalten.

Mit Dehnübungen und Fussgymnastik kann eine Operation durchaus hinausgezögert werden. (Bilder Josef Ritler)

Eine Freundin bindet jeweils die beiden grossen Zehen mit einem breiten Gummiband zusammen – wer im Frühling Spargeln kauft, kennt diese Dinger – und wackelt dann beim TV-schauen gemütlich mit den Zehen auf und ab. Mit einem Theraband lässt sich die Übung auch durchführen.

Spiraldynamische Kräftigung

In einem späteren Stadium verspricht die Spiraldynamik durchaus noch Erfolge, die von dazu autorisierten Physiotherapeuten gelehrt wird und die das muskuläre Quergewölbe des Fusses gezielt kräftigt, und die Fussstellung optimiert.

Aber es gibt auch ganz einfache Übungen: Eine kleine, gefüllte Petflasche mit den Fuss rollen, im Sitzen natürlich, einen Ball unter der Fusssohle kreisen lassen, mit den Zehen ein Taschentuch aufheben, in die Füsse klatschen oder abwechseln auf Zehenspitzen und Fersen schaukeln.

Sanft, aber energisch dehnen

Wer dann beim Eincremen der Füsse diese vom Fussgewölbe her sanft, aber nachdrücklich dehnt, vor allem auch den schiefen Grosszeh, der hat schon viel getan für seine Füsse. Dabei sollte auf die richtige Fussstellung geachtet werden. Die wird einem am Besten von einem spezialisierten Physiotherapeuten gezeigt.

Über Einlagen in den Schuhen sind die Meinungen geteilt. Sie helfen zwar, den Fuss in der richtigen Position zu stabilisieren und das Fussgewölbe zu stützen, nehmen aber gleichzeitig den Muskeln ein Stück Arbeit ab. Wichtig sind natürlich bequeme Schuhen mit nur kleinen Absätzen. Schuhe kauft man übrigens am besten nachmittags, weil dann die Füsse etwas breiter sind als am Morgen. Und wer seinen geliebten Highheels nachtrauert, dem sei zu bedenken gegeben, dass mit einem ausgewachsenen Hallux Valgus das Tragen schöner, auch flacher Schuhe illusorisch ist. Dann lieber etwas früher vorbeugen, und die hohen Stöckel für besondere Gelegenheiten aufheben.

Auf SRF 1 wird am kommenden Samstag, den 17.Oktober um 18.10 Uhr zum Thema Hallux Valgus informiert.

Infos «Auf gesunden Füssen» der Rheumaliga Schweiz unter www.rheumaliga.ch

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