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Flüchtlinge: das Wort des Jahres …

… und warum es uns nachdenklich stimmen sollte.

 

„Wir schaffen das“ schaffte es nicht. Der legendäre, wohl historische Satz der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, schaffte es bei der Deutschen Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. nicht auf den ersten Platz für das Wort des Jahres 2015.

Seit 40 Jahren nimmt die Gesellschaft für sich in Anspruch, jeweils das Wort des Jahres auszuwählen. Erst auf Platz 10 landete der Satz der Angela Merkel. Wohl zu recht. Denn eigentlich wäre es ja das Wort „das“, das so vieles umschreibt, das alles beinhaltet, was auf Deutschland zukommt und noch in den nächsten Jahren hinzukommen wird, das als Wort des Jahres hätte gekürt werden müssen. Nur, es ist zweifellos zu wenig aussagekräftig, wenn es nicht im Kontext zu „schaffen“ steht.

Dennoch: Hinter dem Wort versammeln sich eine Million Flüchtlinge, die 2015 über das Mittelmeer, über die sogenannte Balkan-Route, in Deutschland eingewandert sind. Sie müssen und mussten aufgenommen, registriert, untergebracht, verpflegt und wohl auf lange Sicht integriert werden.

Eine ungeheure Aufgabe, was das Wort „das“ alles hergibt, alles umschreibt. Das Wort spaltet Europa in die Willkommenswilligen und die Nichtwillkommenswilligen. In die Länder des Nordens und in die Länder des Ostens. Genauer: in die Länder Deutschland, Schweden, Norwegen und in die Länder des ehemaligen Warschauer-Paktes, beherrscht damals von der untergegangenen Sowjetunion.

In den letzten Jahren aufgepäppelt mit EUR-Milliarden der Willigen, verweigern sich die Unwilligen der geforderten Solidarität; sie wollen wohl erst selbst so weit kommen, wie die Länder im Norden Europas. Anschauungsunterricht haben sie jeden Tag. Nun wollen sie schlicht das gleiche. Da stören Flüchtlinge, die aufgenommen, untergebracht, versorgt, später gar integriert werden müssten. Wer kann es ihnen verdenken?

So wich die Gesellschaft für die deutsche Sprache wohl auf das Wort „Flüchtlinge“ aus. Es erhielt den ersten Platz. Die Gesellschaft schreibt, dass Worte mit der Endung „ing“ negativ besetzt seien. Sie erinnert an Schreiberling, an Häftling, an Eindringling, an Sonderling, das töne für sprachsensible Ohren negativ und sei deshalb besonders interessant. Dem entgegnen Sprachwissenschaftler mit den Worten Liebling und Frühling, die doch als andere als negativ besetzt seien.

Und in der Tat. Was und wer sind nun die Millionen Menschen, die kommen? Sind sie alle an Leib und Leben bedroht und somit echte Flüchtlinge nach der Genfer Konvention? Sind es Emigranten oder Immigranten, die entweder ein- oder ausreisen, von wo und nach wo auch immer, sind es Schutzsuchende, Vertriebene, Heimatvertriebene, sind es schlicht Wirtschaftsflüchtlinge, die für sich und ihre Kinder einfach ein besseres Leben suchen und zwar bei uns? Oder sind es Geflüchtete, wie sie nun neu auch genannt werden.

Eines ist sicher: Es sind zuerst und immer Menschen. Menschen wie Maria und Josef, die auf der Flucht waren, Aufnahme in einer Herberge suchten und dann doch in einem ärmlichen Stall landeten, wie uns die wohl bekannteste Weihnachtsgeschichte der vier Evangelisten, die die Geschichte, jeder anders als der Andere, aufgeschrieben haben, uns weismachen will.

Die Weihnachtsgeschichte wird letztlich wohl immer ein Geheimnis bleiben, obwohl wir sie mit allem Glanz der Lichter übernommen haben und Tage der Versöhnung und des Friedens feiern, im Familienkreis unbesehen um die historische Gewissheit. Weihnachten ist mit allen Facetten, mit dem sie umgebenden Kommerz schlicht einfach bei uns angekommen. Sie ist nicht mehr wegzudenken.

Dieses Jahr hat sie aber eine neue Dimension erfahren. Die Menschen aus dem Morgenland sind diesmal bei uns angekommen, sie klopfen an unsere Tür. Angela Merkel hat die Tür aufgestossen. Dafür wird sie geschmäht wie gelobt. Der Ausgang dieser aktuellen Geschichte ist ungewiss, genauso ungewiss wie sich die Weihnachtsgeschichte tatsächlich zugetragen hat. Gewiss ist aber, dass auf dem Sohn in der Krippe das Christentum, unsere abendländische Kultur, basiert. Angela Merkel hat eigentlich nur fortgeschrieben, was im C ihrer Partei, der CDU, ausgedrückt werden soll: christlich.

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