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Pirouetten im Kopf

«Mir ist immer so schwindlig!» Diese Klage hört jeder Hausarzt regelmässig. Besonders von älteren Patienten. Ist Schwindel gefährlich?

Es ist unheimlich. Da ist man froh, sich nach einem stressigen Tag ins Bett zu legen und dann fängts an: Kaum liegt der Kopf auf dem Kopfkissen, beginnt sich die Welt zu drehen. Wie im Karussell, nur ohne Musik. Langsam steigt die Übelkeit aus dem Magen hoch. Nur: Aufstehen geht nicht, wenn sich alles dreht.

Schwindel ist ein verbreitetes Übel und ein Symptom, hinter dem vielfältige Ursachen stecken können. Stress kann eine davon sein, aber auch Erkrankungen der Augen, des Innenohrs, Durchblutungsstörungen im Gehirn, niedriger Blutdruck, Migräne oder ein Infekt – oder Kombinationen dieser und noch mehr Leiden. Nicht zuletzt kann auch ein unkontrollierter Medikamentenmix zu Schwindelattacken führen.

Kommunikationsprobleme

Beim Schwindel treffen im Gehirn Informationen aus Innenohr, Gleichgewichtsorgan und Augen aufeinander, die nicht kongruent sind und dem Gehirn melden, dass sie so nicht stimmen können. Zum Beispiel: Das Auge sieht eine Landschaft vorbeifliegen, der Gleichgewichtssinn aber signalisiert «Ruhe», weil man auf einem Karussellpferdchen sitzt. Wenn man dann aufsteht, kann einem schwindlig werden.

Bei rund 40 Prozent aller Schwindelbeschwerden, und damit weitaus am Häufigsten, sind Störungen im Innenohr, im vestibulären Apparat, an den Anfällen schuld. Oft sind es, altersbedingt, kleine Ablagerungen im Innenohr, die sich durch einen Sturz oder einen Schlag ablösen und frei durch das Innenohr schweben. Bei einer Lageänderung des Kopfes oder Körpers können diese Otolithen einen Schwindelanfall auslösen.

Schwindel, Ohrensausen und Schwerhörigkeit

Seltener, aber auch bedrohlicher ist der Morbus Menière, eine Erkrankung des Innenohrs, verursacht durch eine übermässige Wasseransammlung im Innern des Gleichgewichtsorgan. Plötzlicher Drehschwindel mit Übelkeit und Erbrechen, oft verbunden mit einseitigem Ohrensausen (Tinnitus) oder sogar Schwerhörigkeit machen nicht nur Angst, es können auch bleibende Schäden zurückbleiben. Über die Auslöser dieser Schwindelattacken sind sich die Fachleute noch nicht einig. Es gibt verschiedene wie Stress, virale Infektionen oder Nerven- oder Durchblutungsstörungen.

Schwindel kann viele Ursachen haben und muss sorgfältig abgeklärt werden. Sonst leidet die Lebensqualität. (Bilder Bernadette Reichlin)

Wer beim Arzt über Schwindel klagt, sollte die Symptome möglichst präzise beschreiben: Wann treten die Anfälle auf? Sind sie mit anderen Unpässlichkeiten – Kopfschmerzen, Übelkeit, Hörverlust, aber auch Sprachschwierigkeiten oder Sehstörungen – verbunden? Wie lange dauern die Attacken? Tritt der Schwindel im Stehen oder Gehen oder im Liegen auf?

Wann wird einem schwindlig?

Der Arzt wird dann einige körperliche Abklärungen vornehmen, die man allein zu Hause besser nicht versuchen soll: Ruhig stehen mit den Füssen nebeneinander, treten an Ort, vielleicht noch mit lautem Zählen oder im Liegen versuchen, mit einem Zeigefinger die Nasenspitze zu treffen, alles immer mit geschlossenen Augen. Dazu kommen nach Bedarf neurologische Untersuchungen und Tests zur Beweglichekit der Halswirbelsäule.

Schwindel ist ein äusserst unangenehmes Leiden und kann das Leben erheblich einschränken. Dann, wenn man sich nicht mehr allein auf die Strasse traut, keine Verkehrsmittel mehr benutzt und merkt, dass man nicht mehr selber Auto fahren sollte. Deshalb ist es wichtig, das Leiden schnell abzuklären. Oft helfen bereits einfache Übungen oder Physiotherapie. Ein Herz-Kreislauftraining kann die Durchblutung des Körpers so fördern, dass oft nicht mal entsprechende Medikamente nötig sind.

Schwindlig vor Glück

Aber gemütlich Spazierengehen – das sollte man nicht. Viel besser ist ein zügiger Marsch, der einem so richtig ausser Atem kommen lässt. Denn dann meldet sich der Schwindel in den meisten Fällen ab – wenigstens solange, bis man wieder zur Ruhe kommt. Von vielen Therapeuten wird auch Tanzen empfohlen. Wenn man sich dann zu einer Walzermelodie wiegt und in die schönen Augen des Gegenübers schaut, dann wird einem vielleicht auch manchmal schwindlig. Aber gegen diesen Schwindel muss gar nichts unternommen werden

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