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Heiss, heisser, Supersommer

Der Garten im August. Man kann über die Hitze klagen oder sich arrangieren. Sich fühlen wie in den Ferien im Süden: Siesta über Mittag, lange Abende im Freien und alles entspannter als im Alltag.

Ist das noch Wetter oder schon Klima? Diese Frage stellen sich in diesem Sommer viele. Abschliessend kann das wohl nicht beurteilt werden – zumal von einem ähnlich heissen oder noch schlimmeren Hitzesommer 1540 berichtet wird. Von Februar bis September soll es da nie geregnet haben.

Geniessen statt schimpfen

Wie auch immer, Wetter lässt sich nicht ändern – also wenigstens nicht so auf die Schnelle. Deshalb ist es doch einfach besser und lustvoller, statt über die Hitze zu stöhnen, mal die Sonnenseiten eines Hitzesommers zu geniessen. Wer jetzt an die Landwirtschaft denkt, wo das Gras knapp wird und Tiere geschlachtet werden müssen, hat natürlich recht.

Aber dass die Obstbauern ein traumhaftes Kirschenjahr hatten, praktisch ohne einen Regentropfen, die Obstbäume voll behangen sind und die Reben, als Beispiel, viel weniger gegen Pilzbefall gespritzt werden mussten, das bleibt meist ungesagt.

Flops und Tops im Hitzesommer

Natürlich musste im Hausgarten gewässert werden. Aber mit etwas Fatalismus liess sich der Aufwand in Grenzen halten. Mein Phlox lässt zwar alle Blätter hängen und die Montbretien sind verdorrt, aber sie werden sich wieder erholen. Im Herbst oder nächstes Jahr. Minze, Thymian, Salbei und vor allem der Lavendel aber wachsen unbeeindruckt weiter, obwohl auch sie nie gegossen wurden.

Die Strelizie ist eine kapriziöse Pflanze. Aber im Hitzesommer 2018 treibt sie Blüte um Blüte.

Dafür blühen die Südländer, Oleander und Plumbago in einer Fülle, die staunen lässt. Gut, sie stehen in Töpfen und die bekommen jeden Tag Wasser. Was dazu führt, dass die Zitronen schon zum zweiten Mal blühen und Früchte von zwei Generationen tragen. Am schönsten ist das Kumquatsbäumchen, das sich quasi über Nacht in einen weissen Blütenschleier gehüllt hat. Es duftet wunderbar und ist bei Bienen und Hummeln heiss begehrt.

Feigen und brauner Rasen

Dem Feigenbaum im Garten ging es bis vor zwei Tagen weniger gut. Er hängt zwar voller Früchte. Die sind aber seit Juni kaum mehr gewachsen und ich fragte mich bereits, ob ich dieses Jahr nur kleine Feigen ernten kann oder ob er in den kommenden herbstlicheren Tagen vielleicht doch noch einen Wachstumsschub hinlegt. Heute aber konnte ich, nach den paar wenigen Regenfällen, die ersten reifen Feigen ernten. Sie haben so schnell reagiert, sind um das Dopelte gewachsen und zuckersüss.

Leider kann Duft nicht fotografiert werden. Das Kumquatsbäumchen wird momentan heftig umschwärmt von Bienen und Hummeln.

Der Rasen hingegen ist jetzt einfach braun und wir sind alle gespannt auf die Regenierfähigkeit dieses optischen Grüns. Dafür hatten wir lange nicht mehr so schöne, gesunde Rosen. Und das ganz ohne Wassergaben.

Geniessen, was noch wächst

Im Gemüsebeet sind es die Kürbisse und Gurken, die regelmässig begossen wurden. Was sie mit einem fast unanständigen Wachstum verdanken. Während Blattsalate schon des Längeren aufgegeben haben, wuchert der Rucola, als ob er keine Trockenheit kennen würde. Den letzten Fenchel liess ich in die Höhe schiessen und freue mich jeden Tag an den vielen Insekten und Schmetterlingen, die von seinem Duft angelockt werden.

Ferienfeeling im eigenen Heim

Fazit dieser ganzen Aufzählung: Ja, etliches wächst nicht wie gewollt, anderes dagegen dafür ungewohnt üppig. Vielleicht sollte man lernen, das Schöne anzunehmen und zu geniessen, auch wenn es nicht «wie immer» ist. Das heisst auch, morgens früh aufstehen, alle Fenster zu öffnen und dafür am Mittag eine lange Siesta mit Lesen und einem erfrischenden Nickerchen zu halten.

Wer nicht mehr arbeitet, kann sich den Tagesablauf leicht so gestalten. Am Abend dann wird ein Tomatensalat mit sonnenwarmen Früchten aufgetischt, garniert mit Basilikum, das für einmal nicht frierend dahinvegetiert, sondern dick und üppig wächst.

Dem Basilikum gefällt das heisse Wetter.Und wir können grosszügig ernten.

Dazu Spaghetti mit Salbei und Butter – und plötzlich ist es Sommer. So, wie in den Ferien und ganz weit weg vom Alltag. Und keine Angst, wir werden uns nicht dran gewöhnen, an dieses entspannte dolce far niente.

Denn spätestens in ein paar Wochen hat uns der alte Trott wieder, mit Nebel am Morgen und der Jacke um die Schultern. Und nur der immer noch ziemlich braune Rasen wird daran erinnern, was mal war: ein heisser, wunderbarer Sommer. Der in die Klimageschichte eingehen wird. Oder wenigstens in die Wetterprotokolle.

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