Kolumnen

Fasnacht und Fussball

Ich war selbst erstaunt, als mir meine Fantasie die beiden Begriffe nebeneinander präsentierte. Und doch, überraschend viele Gemeinsamkeiten purzelten mir nur so entgegen. 

Fasnacht und Fussball  haben beide eine lange Geschichte. Die Fasnacht

orientierte sich hierzulande seit eh und je am Kirchenjahr der katholischen Kirche.

Vor dem Anbruch der Fastenzeit noch einmal voll und ganz Mensch sein, heisst die Devise. Am besten unter einer geliehenen Identität, farbenprächtig gekleidet, mit Respekt gebietender Maske, von kakophonischen Tönen begleitet. Man kann diese Gruppen, die durch die Strassen paradieren, nur als Gesamtkunstwerke bezeichnen.

Auch vom Fussball heisst es, dass es schon im 13. Jahrhundert in England einen wilden Volksfussball gegeben habe. Da seien sich gelegentlich ganze Dörfer gegenüber gestanden.
Fasnacht und Fussball ziehen gleichermassen grosse Volksmengen an, gelten als eindrückliche Spektakel, werden am Fernsehen übertragen, lösen Begeisterung aus.

Erstaunlich finde ich, dass beide Ereignisse wenige Menschen kalt lassen. Man liebt sie oder man flieht sie! Sowohl mit der Fasnacht als auch mit dem Fussball haben viele Zeitgenossinnen und Zeitgenossen „nichts am Hut“, wie sie auf entsprechende Fragen gelegentlich etwas pikiert antworten.
Und um auch gleich noch den feministischen Gesichtspunkt zu berücksichtigen: der Frauenfussball ist im Kommen. Und die Fasnacht in Luzern wird von einem Paar angeführt. Es gibt nicht nur einen Fritschivater, es gibt auch eine Fritschimutter. Damit ist dieser Aspekt für dermalen abgehandelt!

 

Als der Fussball im 19. Jahrhundert von England nach Deutschland überschwappte, stiess er zuerst auf Widerstand. Die Bestrebungen von Turnvater Jahn dominierten das Land. Mit dieser „Fusslümmelei“ wollte man nichts zu tun haben!
Ja, warum wird denn Fussball nur mit den Füssen gespielt? Die Antwort gibt eine hübsche Geschichte: Es war einmal ein Königssohn. Der war ohne Arme zur Welt gekommen. Weil er nicht mit den anderen Kindern spielen konnte, war er immer traurig. Da erfanden die Kinder ein Ballspiel, das nur mit den Füssen zu spielen war, und luden den Königssohn ein, mitzumachen. Er war so geschickt mit seinen Füssen, dass sie ihn bald zum Captain wählten. Jeden Tag spielten sie zusammen Fussball und alle waren glücklich und zufrieden. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch.
Hierzulande läuft die Fasnacht meist laut, bunt, prächtig und friedlich ab. Was vom Fussball und seinen Begleiterscheinungen rund um die Stadien nicht immer behauptet werden kann. In anderen Regionen der Welt ist auch das Fasnachtsgeschehen, dortzulande eher Karnevalsgeschehen genannt, nicht immer nur harmlos. Vermisste Personen müssen während der entsprechenden Zeit manchmal  in den Leichenhallen gesucht werden. Und der Anblick verrät, dass diese Menschen nicht immer natürlich zu Tode gekommen sind. Allerdings basieren meine Kenntnisse auf opulent ausgestatteten Spielfilmen und nicht auf persönlichen Erfahrungen. Sie sind also mit Vorsicht zu geniessen.
Auch in der Schweiz gibt es Orte, die sich ganz besonders dem Fasnachtstreiben hingeben und dafür berühmt sind. Ich nenne Luzern, ich nenne Solothurn, ich nenne Basel, dessen Fasnacht ein besonderes Datum und eine besondere Erscheinungsform hat.
Was aber ist mit Zürich los, welches ja durch englische Bezeichnungen auf ein höheres Niveau gehoben wurde? Mittelpunkt der Greater Zurich Area, Big Little City, Downtown Switzerland? Die Erklärung findet sich in der  Strophe eines Dialektgedichtes, die in der Übersetzung so lautet:

In Zürich sind im allgemeinen,

Zur Fasnacht alle auf den Beinen,

Sie schauen ernst und geben acht,

Ob jemand kommt und Fasnacht macht!

In Luzern fasnächtlet es noch in diesen Tagen, aber der Aschermittwoch naht. Dann wird das Motto lauten: „Asche auf die noch etwas benommenen Häupter!“ Folglich ist Askese angesagt!
Der Fussball richtet sich nicht nach dem Kirchenjahr. Es gibt sogar Beobachter, die den Fussball als „Ersatzreligion“ bezeichnen und auf die verschiedenen „Fussballgötter“ hinweisen. Damit wären wir wieder auf der Ebene der griechischen Mythologie gelandet, die auch einen ganzen Himmel voll Götter kannte.
In meinen Unterlagen ist mir ein Artikel aus „20 Minuten“ aus dem Jahr 2014 in die Hand gefallen. Der Titel lautet: „2050 gewinnen Roboter die Fussball-WM“. Am Schluss wird in einem Abschnitt mit dem Titel: „Update vom 17. Juni“ festgehalten: „Auch die Schweiz ist am Robocup in der Junior League seit zwei Jahren mit dem Team Helveticrobot vertreten  und hat bereits einen Vizeweltmeistertitel und ein Best Robot Award abgeräumt. Auch in diesem Jahr (2014) werden die Schweizer wieder am Turnier teilnehmen. Ebenso ein Team der Höheren Fachschule für Technik Mittelland (HFT), das in der Logistik League antritt. Ein Team in der Humanoid-Liga ist zudem an der ETH Zürich im Aufbau.“
„Schöne Aussichten“ kann ich da nur stottern und mich fragen, ob das Ganze auch auf die Fasnacht zu übertragen sei? Werden in ferner Zukunft Maschinen als Roboguugger und Technoschränzer, laut, bunt, prächtig, durch unsere Strassen ziehen?
Bleibt noch zu erraten, ob zuerst Roboter die Fussball-WM gewinnen oder die Luzerner Fasnacht samt Urknall von einem Robo-Fritschi eröffnet werden wird?
Muss mal den zehnjährigen Enkel  meiner Nachbarin fragen, was er meint. Er kennt sich aus mit Fasnacht, mit Fussball und mit Robotern!