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Gesundheitsdaten übermitteln?

Für 50 Franken wären Schweizerinnen und Schweizer bereit, ihre Gesundheitsdaten an Versicherer zu geben

Smartphones tracken standardmässig die Bewegungen der Nutzer. Per Default werden die Gesundheitsdaten lokal auf dem Gerät gespeichert. Viele Schweizerinnen und Schweizer haben keine Bedenken, diese Daten auch zur geschäftlichen Nutzung an Versicherer zu übermitteln. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Marketagent im Auftrag des Online-Vergleichsdienstes comparis.ch.

Die über ihre mobilen Geräte aufgezeichneten Daten über Bewegung, Ernährung, Sport, Schlaf etc. liefern nach eigenen Angaben bereits 9 Prozent der Befragten an ihre Versicherung weiter. Grundsätzlich steht gut ein Drittel der Befragten einer Nutzung der Gesundheitsdaten durch die Versicherungen offen gegenüber, solange die Datenlieferung freiwillig ist. Das gilt vor allem für die jüngeren Generationen mit einer Befürwortung von 42 Prozent der unter 30-Jährigen (36 Prozent der 30- bis 49-Jährigen und 27 Prozent der 50- bis 65-Jährigen). Ein Viertel der Befragten findet zudem eine Datennutzung durch die Versicherung in Ordnung, wenn die Datenbesitzer belohnt werden. Hier fällt ebenfalls bei den Jungen mit einer Nennung von 32 Prozent die Zustimmung am grössten aus (gegenüber 28 Prozent der bis 49-Jährigen und 16 Prozent der Generation 50+).

50 Franken als grosser Anreiz für Datenpreisgabe

Hierbei zeigt sich allerdings eine Diskrepanz. Total 46 Prozent der Befragten finden zwar grundsätzlich, Versicherer sollten keine aufgezeichneten Gesundheitsdaten ihrer Kunden nutzen dürfen. Doch bei der Aussicht auf eine genügend hohe Belohnung erodiert die Ablehnung. 70 Prozent der Befragten sind bereit, gegen Geld Gesundheitsdaten mit Versicherern zu teilen.

 

5 Prozent der Befragten würde bereits eine monatliche Belohnung von 5 Franken genügen. Weitere 12 Prozent würden mindestens 10 Franken für die Datenlieferung haben wollen. 19 Prozent würden ab 20 Franken ihre Daten preisgeben. Bei einer monatlichen Belohnung ab 50 Franken wären weitere 34 Prozent bereit, ihre Daten nutzbar zu machen.

Am konsequentesten hart zeigen sich die 50- bis 65-Jährigen: In dieser Gruppe verweigern 46 Prozent eine Datenweitergabe. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es nur mehr 25 Prozent und bei den unter 30-Jährigen 17 Prozent. 

Zwei Drittel tracken bewusst ihre Bewegungsdaten

Fast zwei Drittel der Befragten stören sich grundsätzlich nicht an der automatischen Aufzeichnung ihrer Bewegungsdaten und tracken sie bewusst. 13 Prozent davon haben sich noch weitere Apps für das Messen von Gesundheits- und Fitnessdaten auf dem Smartphone heruntergeladen. Und 15 Prozent davon geben an, zusätzlich zum Smartphone auch einen Fitness-Tracker oder eine Smartwatch mit den entsprechenden Funktionen zu besitzen.

«Wir dürfen die Gefahren nicht aus den Augen verlieren»

«Das Tracking von Gesundheitsdaten kann zwar gesundes Verhalten unterstützen. Aber wir dürfen die Gefahren nicht aus den Augen verlieren», warnt Comparis-Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly. So müsse die Datenpreisgabe auf jeden Fall freiwillig erfolgen. Zudem dürfe es keine Sanktionen für «unerwünschtes» Verhalten geben, sondern nur eine zusätzliche Belohnung für «erwünschtes». «Finanzielle Belohnungen können gesundes Verhalten zwar fördern. Aber die Solidarität in der Grundversicherung darf nicht untergraben werden», warnt er.

Bei Unfällen gebe es stets einen Kausalzusammenhang zwischen Verhaltensfehlern und Schäden. Bei Krankheiten existierten diese Zusammenhänge nur statistisch. «Wer Sport treibt und sich gesund ernährt, kann trotzdem an Krebs erkranken. Wer raucht, kann trotzdem von Lungenkrebs verschont bleiben», so Schneuwly.

Von den Versicherten fordert der Comparis-Experte ein grösseres Bewusstsein über die Sensitivität der eigenen Daten. Tatsächlich ist es um dieses nicht zum Besten bestellt. So wissen laut der Bonitäts-Analyse von comparis.ch 88 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer nicht, dass alle Unternehmen – auch Krankenkassen – mit gültigem Interessennachweis Zugriff auf ihre Daten zur Zahlungswürdigkeit haben. Und jeder Zweite vernachlässigt gemäss der Datenvertrauensstudie von comparis.ch auf den sozialen Netzwerken seine Privacy-Einstellungen.