FrontGesellschaftJäger, Tiere und Wilderer in Stans

Jäger, Tiere und Wilderer in Stans

Jagen und Wildern gehören zu den ältesten Tätigkeiten der Menschen. Das Nidwaldner Museum Salzmagazin in Stans präsentiert, wie gejagt und gewildert wurde.

Wir jagen seit Jahrtausenden und tun es immer noch. Oder ist es ein Zufall, dass wir im Alltag immer wieder «Schnäppchenjägern», «Headhuntern» oder Sammlern auf ihrer «Pirsch» begegnen? Gleichzeitig sind Jagen und Wildern, diese ungleichen Geschwister, im Kanton Nidwalden präsent wie in kaum einem anderen Schweizer Kanton. Wilderergeschichten und -legenden gehören zu seinem kulturellen Erbe, seit jeher werden sie aufgeschrieben und veröffentlicht, in Volkstheatern aufgeführt und von Generationen zu Generationen mündlich weitererzählt.

Der Jäger transportiert die Beute ab

Bild: Staatsarchiv Nidwalden Jan Prochazka

Die neuste Ausstellung im Nidwaldner Museum Salzmagazin in Stans blickt auf das Jagen aus drei Richtungen: Sie fragt nach der Geschichte und Gegenwart des Jagdhandwerks, nach der Rolle der Jägerinnen und Jäger, nach Tötung und Verzehr des erlegten Wildes, aber auch nach der Rolle des Gesetzes und der Gesetzübertretungen.

Zweitens zeigt die Ausstellung, wie allgegenwärtig Jagen und Wildern in unserem täglichen Leben ist, wo Spuren des Jagens in unserem Alltag sichtbar werden. Drittens schliesslich geht es um die Bedeutung des Jagens und Wilderns in der Kunst, insbesondere der Volkskunst, in den Jagdlegenden des Kantons Nidwalden und in ihren zahlreichen Bearbeitungen für die Bühne, das Radio und im Film.

 

Denn im Jagen und Wildern wird die Frage nach dem, was den Menschen ausmacht, was ihn von der Natur trennt und mit ihr verbindet, immer wieder neu gestellt und beantwortet.

 

Neben erlegten und ausgestopften Tieren wecken Spuren auf dem Boden die Neugier der Besucher. Welchem Tier sind die Spuren zuzuordnen?

 

Als eines der Höhepunkte steht in einer Ecke einer der letzten Bären, die 1904 im Kanton Graubünden getötet wurden. Man erfährt, dass hundert Jahre später die Bären aus dem benachbarten Trentino in die Schweiz zurückgewandert sind und dass wir das Zusammenleben mit dem grössten Raubtier der Schweiz neu lernen müssen.

 

 

 

 

 

 

Die Geschichte des Wolfs zeigt, wie er Ende des 19. Jahrhunderts in der Schweiz ausgerottet wurde. Vereinzelt tauchten Wölfe im Jahre 1991 in Hägendorf SO auf. Seit 1976 steht er unter Schutz und seit 1995 wurden ca. 100 wiedereingewanderte Wölfe gezählt. Heute leben 40 Wölfe in der Schweiz.

 

 

 

 

 

Der Künstler Nic Hess bezieht sich mit seiner Arbeit «Swiss Reh» (2012) auf den Schrecken, der sich oft in der Idylle verbirgt – ein Motiv, das den Künstler immer wieder umtreibt. Das unschuldige Bambi, das gemeuchelt wird, öffnet Abgründe. Es dreht sich in seinem Werk um die Geichzeitigkeit von Schönheit und Schrecken, um die dunkle und verborgene Seite des vermeintlich Romantischen oder Schönen beim Jagen.

 

 

 

Die «Gämse» wurden nicht ausgerottet, waren für die Wilderer aber ein beliebtes Ziel. Heute sind die Bestände stabil, pro Jahr werden ca 150 Gämsen geschossen.

 

 

 

 

 

 

Die Murmeltiere (Mungg) sind die drittgrössten Nagetiere Europas. Sie leben in Verbänden, bewohnen Erdhöhlen und werden in der Schweiz nach wie vor gejagt. Neben dem Fleisch ist vor allem das Fett als Nahrungsmittel bekannt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Steinbock war eines der seltensten Säugetiere der Welt. Als eines der ersten Tiere überhaupt wurde er unter Schutz gestellt und in der Schweiz im Jahre 1911 wieder angesiedelt.

 

 

 

 

 

 

Man erfährt in der Ausstellung, dass nicht alle Abschüsse gelingen. Auch tödlich getroffene Tiere sind in der Lage, noch beachtliche Strecken zurückzulegen, bis sie zusammenbrechen. Für den Jäger gilt, sobald ein Tier geortet ist, muss als erstes geklärt werden, ob es noch lebt oder nicht und ob es noch fliehen kann oder nicht. Das Tier von seinem Leide zu erlösen wird meistens dem Wildhüter überlassen.

Wichtig für die Besucher, vor allem für Kinder, ist die Warnung, die ausgestopften Tierpräparate nicht anzufassen, denn sie sind aus konservatorischen Gründen mit gifthaltigen Chemikalien behandelt.

An der Vernissage am 5. April hielt Regierungsrat Res Schmid fest: «Wer sich in das Thema vertieft, dem wird sehr schnell klar, dass Jäger sein viel mehr bedeutet, als wilde Tiere zu erlegen; dass den Jäger ein Mythos umweht, der Geschichten von Freiheit und Unabhängigkeit erzählt und von der direkten Berührung mit der Natur. handelt. Und dieser Mythos ist alt und eng verbunden mit der Idee des Wilderers.»

Die Ausstellung dauert bis 27. Oktober 2019

Fotos: Josef Ritler

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