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Zecken sind eine Plage – und gefährlich

Ob späte Schneefälle, wie dieses Jahr im April, die Zeckenplage eindämmen? Wohl kaum. Denn die kleinen Spinnentiere sind zwar bei Temperaturen unter acht Grad weitgehend inaktiv, erwachen aber bei wärmerem Wetter sehr schnell aus ihrem «Winterschlaf».

Erinnern Sie sich noch an früher, als Sie ein Kind waren? Da brachte man doch ab und zu so einen Holzbock  – das ist die verbreitetste Zeckenart in Mitteleuropa – nach Hause. Meine Mutter tropfte dann jeweils etwas Nagellackentferner auf den blutsaugenden Parasiten und zog ihn mit einer Pinzette aus der Haut. Aus, fertig, Thema erledigt.

Andere Methoden waren das Einschmieren mit etwas Butter oder einem Tropfen Öl. Auch Haarspray war ein beliebtes Mittel oder Leim. Ein Freund, etwa so alt wie ich, erzählte von einer ziemlich rabiaten Methode: Sein Vater machte jeweils mit einem Eiswürfel die Haut rund um die Zecke etwas unempfindlich und «grillierte» dann mit der Flamme seines Feuerzeugs ganz kurz den Störefried. Ein Glück für alle, deren Vater Nichtraucher war!

Zecken können Überträger gefährlicher Krankheiten sein.

Tempi passati. Heute sind Zecken ein Problem, weil sie gefährliche Krankheitserreger übertragen können. Deshalb sollten sie möglichst schnell, ohne «Hausmittelchen» und ohne sie zu quetschen, entfernt werden. Mit einer Zeckenzange, einer Pinzette oder zum Beispiel einer alten Kreditkarte, in die man am Rand ein kleines V geschnitten hat. Jeder Zeckenbiss ist eine potenziell gefährliche Angelegenheit, sind doch rund die Hälfte der Tierchen Träger von Bakterien oder Viren, die krank machen können. Bei Älteren ist das Risiko, zu erkranken, deutlich erhöht.

Flächendeckende Risikoregionen

Das war vor rund 20 Jahren noch anders. Damals publizierte das Bundesamt für Gesundheit BAG jeweils eine Karte mit den Regionen, wo von Viren und Bakterien befallene Zecken auftraten. Im grossen Rest der Schweiz waren die Parasiten einfach lästig, aber harmlos. Heute aber sind die Tierchen «klimasensitiv» geworden, das heisst, dank milderer Winter und früherem Vegetationsbeginn breiten sich die Plagegeister allgemein stärker aus, auch die mit Krankheitserregern befallenen Exemplare.

Und krank machen können sie. Da sind einmal die Bakterien, die Borreliose auslösen können. Die Infektionskrankheit ist zwar schon lange bekannt, aber erst seit gut 40 Jahren ist erwiesen, dass sich die Borrelien im Darm der Zecken entwickeln und von dort auf Mensch und Tier übertragen werden.

Zeckenbisse in Agenda notieren

Die Infektion verläuft in drei Schüben: Zuerst einmal wird die Haut rund um die Bissstelle rot. Tritt diese «Wanderröte» auf, begleitet manchmal von grippeähnlichen Symptomen, ist ein Arztbesuch angesagt. Mit einer Antibiotika-Behandlung wird verhindert, dass die Infektion später ins zweite Stadium wechselt. Dann sind nämlich das Gehirn, das Herz, Nerven und auch Gelenke betroffen.

Oft werden diese Spätfolgen gar nicht mehr mit dem vielleicht Wochen oder Monate zurückliegenden Zeckenbiss in Verbindung gebracht und deshalb nicht adäquat behandelt. Zumal die «Wanderröte» in seltenen Fällen trotz Infektion ausbleibt. Es ist also ratsam, jeden Zeckenbiss, ob mit oder ohne Symptome, in der Agenda zu vermerken. So kann später, sollten diffuse Beschwerden auftreten, gezielt getestet und allenfalls therapiert werden. Denn kommt es zur Phase drei, wird die Sache richtig ernst. Dann kann die Borreliose im Körper irreparable Schäden an Nerven und Gelenken anrichten.

Eine Zeckenimpfung hilft nur bei einer FSME-Infektion – und sollte vor der Zeckensaison gemacht werdfen.

Wer jetzt einwendet, dass mit einer Zeckenimpfung all diesen Symptomen und Komplikationen vorgebeugt werden kann, liegt falsch. Gegen die Borreliose, deren Erreger heute in rund der Hälfte aller Zecken nachgewiesen werden können, gibt es keine Impfung!

Geimpft werden kann nur gegen die Viren, die die Frühsommer-Meningoenzephalitis, FSME verursachen. Das ist eine zweite, fiese Krankheit, die eine Zecke mit ihrem Biss übertragen kann. Während die Borreliose-Bakterien im Darm des Tieres gebildet werden und einige Zeit brauchen, bis sie in den «Gastwirt» gelangen, werden die für die FSME verantwortlichen Viren praktisch sofort via Speichel in die Haut des Opfers abgegeben.

FSME-Infektionen können sehr gefährlich sein

Bei einer Erkrankung an FSME ähneln die Symptome der ersten Phase denen einer beginnenden Borreliose. Dann aber, nach einigen Tagen der Besserung, wird das zentrale Nervensystem angegriffen. Es kann zu einer Meningitis kommen, einer Entzündung der Hirnhaut, die das Rückenmark und das Gehirn umgibt. Oder zu einer Enzephalitis, einer eigentlichen Gehirnentzündung. Oder beidem zugleich. Dass dieser Krankheitsverlauf sehr gefährlich ist, muss nicht näher erklärt werden. Zumal es keine direkte Therapie gibt, behandelt werden können nur die Symptome. Deshalb ist eine Impfung so wichtig.

Nach einem Spaziergang im Wald sollte der Körper nach allfälligen Zecken abgesucht werden, je schneller, desto besser. (Bilder pixabay)

Und eine gewisse Vorbeugung. Geschlossene Schuhe und lange Hosen sind quasi mechanische Barrieren. Dazu gibt es Abwehr- Sprays. Und ganz wichtig: Nach einem Aufenthalt im Wald, im Garten oder im hohen Gras sollte der Körper, besonders in den Hautfalten und hinter den Ohren, wo die Haut weich und eher feucht ist, gründlich abgesucht werden. Ein Tipp: Auch wenn weisse Socken so was von out sind, auf ihnen sind Zecken besonders gut sichtbar.

 

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1 Kommentar

  1. Zecken sind gefährlich. Und unappetitlich. Als Triggerwarnung sei dies vorangestellt. Denn Seniorweb, bekannt für seine schonungslosen Beiträge, verletzt hier für einmal sogar die Grenzen des guten Geschmacks.

    In Finnland joggte ich durch den Wald. Läuferinnen und Läufer wissens: Jogging fördert ganz ungemein die Darmtätigkeit. In der Schlussphase kämpft der Darm mit dem Schliessmuskel. Der Ausgang ist klar. Irgendwann bläst der Schliessmuskel bildlich und physiologisch zum Rückzug. Um diesen Rückzug geordnet zu gestalten, gibts im einsamen finnischen Wald nur eines: sich im kärglichen Sichtschutz einer Birke zu erleichtern.

    Soweit so befreiend. Erst ein paar Tage später entfernte ich von den Hoden ein dunkelgraues Ding, etwas grösser als ein Stecknadelkopf. Zwei Wochen später bemerkte ich hier eine Rötung. Der Arzt diagnostizierte eine Borreliose, ausgelöst durch eine Zecke ♂ oder Zicke ♀. Eine Antibiotika-Schwemme verhinderte Schlimmes.

    Da gabs einen Jogger in Finnland,
    der kämpfte im Norden am Waldrand
    mit seiner Verdauung, der Sauhung,
    der Darm, ein Berserker, war stärker.

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