Gesellschaft

Alte Hunde

Menschen altern. Hunde auch. Elli H. Radinger hat darüber ein Buch geschrieben. Nicht über die Probleme, die sich mit alten Hunden ergeben können. Über die Erfahrungen, die der Mensch im Umgang mit dem Tier sammeln kann. „Die Weisheit alter Hunde“ ist eine vergnügliche Art von Lebenshilfe – für Menschen.

Unter dem Titel „Die Weisheit alter Hunde“ hat die Autorin Elli H. Radinger ein Buch geschrieben, das mit seinen anrührenden Bildern niemanden kalt lässt. Ich habe es gelesen in der Erwartung, von unseren Tiergefährten auch für mich etwas lernen zu können.

Und siehe da, die Autorin hat aus ihren Erfahrungen mit Hunden einige Kernsätze herauskristallisiert, die da lauten: Nimm jeden Tag als Geschenk; bereue nichts; kümmere dich um dein Rudel; erkenne, was wirklich zählt; nimm hin, was nicht zu ändern ist; vergib, solange du lebst; du bist nie zu alt für neue Tricks!

„Der tut nichts!“

Zuerst will ich noch offen legen, dass mein eigener Erfahrungsschatz mit Hunden gering, aber ohne belastende Erinnerungen ist! Als junge Polizeibeamtin begegnete ich bei Abklärungen auf Bauernhöfen etwa frei herumlaufenden, grossen, massigen Hunden. „Kommen Sie nur, er tut Ihnen nichts“, wurde mir jeweils gesagt. Wobei ich das amüsierte Funkeln in den Augen der sprechenden Personen nicht übersah. Sie hatten das leise Zögern des „Fräuleins aus der Stadt“ wohl bemerkt. Aber tapfer überlegte ich mir dann, wenn sich der Hund frei bewegen dürfe, sei er für mich ungefährlich. So war es denn auch jedes Mal.

Das Buch über die Weisheit alter Hunde von Elli H. Radinger möchte ich als Lebenshilfebuch bezeichnen. Das ist auch dem Inhaltsverzeichnis zu entnehmen. Die Kapitel sind mit den oben genannten Kernsätzen als Titel versehen, unterschiedlich lang, unterhaltsam geschrieben. Sie können gut einzeln gelesen werden. Wer wäre nicht interessiert an Ausführungen über „Gib mir Geduld, aber bitte schnell“ oder dann, als Gegenstück dazu über: „Alles hat seine Zeit“. Das Bestechende an diesen Betrachtungen ist, dass die Autorin ihre „Theorien“ mit den Erfahrungen untermauert, die sie mit ihrem alternden Hund Shira gemacht hat.

Von Hunden und Wölfen

Wir vernehmen in den einzelnen Kapiteln auch einiges über das wechselvolle Leben der Autorin. Sie wurde 1951 in Wetzlar, im Bundesland Hessen, geboren. Dann war sie nach dem Abitur Flugbegleiterin, studierte Jura, arbeitete als Anwältin und widmete sich später mit Aufenthalten im Yellowstone-Nationalpark in den USA den Wölfen. Von ihr sind mehrere Bücher über Wölfe und Hunde erschienen.

Die Autorin Elli H. Radinger mit ihrem Hund. (Copyright Sabrina Schäfer@eye-lens.de)

Sehr berührend beschreibt sie im Kapitel „Erkenne, was wirklich zählt“, wie sie sich plötzlich entschloss, ihre Wolfsforschungen in den USA bis auf weiteres einzustellen. Sie hatte erkannt, dass ihr nicht mehr viel Zeit mit Shira bleiben würde. Denn 2016 war Shira elf Jahre alt. „Meine Prioritäten hatten sich geändert“, schreibt Radinger. „Ich wollte die letzten Jahre mit Shira verbringen, für sie da sein, so wie sie immer für mich da gewesen war. Amerika und die Wölfe würden auch in fünf Jahren noch da sein, aber Shira nicht mehr“.

Wem empfehle ich dieses Buch? Hundebesitzerinnen und Hundebesitzern, denen beim Lesen Erinnerungen an Erlebnisse mit ihren eigenen Hunden aufsteigen werden.

Allen anderen, die sich mit steigernder Spannung durch das Buch durcharbeiten und sich immer wieder fragen werden, ob eine so bedingungslose, innige Beziehung zwischen Mensch und Tier möglich sei. Sie ist es offensichtlich!

Elli H. Radinger: „Die Weisheit alter Hunde“. 2018 Ludwig Verlag, München. ISBN: 978-3-453-28108-8