Gesellschaft

Die Marke „Greta“

Für den Friedensnobelpreis ist sie schon nominiert, den Dr.h.c. erhält Greta Thunberg im Herbst von einer belgischen Universität, Schweden hat sie zur „Frau des Jahres“ bestimmt und für Amnesty International ist die Umweltaktivistin „Botschafterin des Gewissens“. Wenn das nur gut geht. 

Die Vereinnahmung ist kolossal. Greta hier, Greta dort, Greta überall. Eben war die schwedische Galionsfigur des Klimaschutzes in Lausanne, um mit 450 Jugendlichen  aus 37 Ländern unter dem Motto „Smile for future“ den Schulterschluss zu praktizieren. Doch auch graue Häupter wie Nobelpreisträger Jacques Dubochet und der Umweltwissenschaftler und Ehrenpräsident des Club of Rome, Ernst Ulrich von Weizsäcker, bekannten sich mit den Anliegen der Bewegung solidarisch. Sie bestätigten, was die Wissenschaft seit 30 Jahren fordert und Greta Thunberg nun auch kompromisslos vorantreiben will, nämlich aus den fossilen Treib- und Brennstoffen auszusteigen und den CO2-Ausstoss zu minimieren.

Als die Teilnehmenden dann eine Rede von Greta erwarten, dauert diese gerade mal 20 Sekunden: «Ich danke allen, die diesen Gipfel und die Klimastreiks weltweit organisiert haben.» Sie habe zuvor schon genug geredet, «ich habe nicht mehr zu sagen.» Von den einen in den Kultstatus erhoben oder als junge Mutter Theresa schon fast heiligmässig verehrt, von andern misstrauisch verdächtigt, sich vor einen Revoluzzer-Karren spannen zu lassen, zieht sich das zierliche Mädchen, der Vereinnahmung von allen Seiten bewusst, aus dem Scheinwerferlicht zurück, um die Daten der Klimaforschung für sich sprechen zu lassen. Und die sind denn auch nachhaltig genug.

Das Phänomen und die Marke Greta Thunberg: gefeiert, gefordert und gefährdet

 Dass sich die Erde in den letzten 2000 Jahren noch nie so rasant erwärmt hat, zeigen auch jüngste Berner Forschungsergebnisse. Neue Erhebungen des Weltklimarats propagieren nichts weniger als einen Kurswechsel in der globalen Land- und Forstwirtschaft:  statt der Abholzung und  Zerstörung grosser Landflächen und der Verwüstung aufgrund zu intensiver Landwirtschaft hin zu einer nachhaltigeren Nahrungsmittelproduktion mit kürzeren Transportwegen. Also weniger Fleisch, kein Wein mehr aus Chile und keine Erdbeeren aus Südafrika.

Die Folgen der Treibhausgasemissionen sind unübersehbar. Edouard Davin von der ETH Zürich dazu: „Der Klimawandel führt zu grossem Landverlust, sei es in Form von Wüstenbildung, Bodenerosion, Verlust von Vegetation und dem Auftauen des Permafrosts.“ Ungefähr ein Viertel der eisfreien Landoberfläche läuft akute Gefahr zu verwüsten oder ist teilweise schon zerstört durch die intensiv betriebene Landwirtschaft. Verheerende Dürren und drohende Wassermassen werden sich mit der globalen Erwärmung häufen, die Waldbrände bis nach Sibirien sind Alarmzeichen genug.

 Der Hype um die Greta-Zöpfe hat mittlerweile auch die VBZ erreicht 

Derweil bricht Greta nun demnächst nach New York auf, aber nicht mit dem Flieger, sondern mit einer Hochseeyacht, um vorbildlich, emissionsfrei und ausgeruht ihre nächsten grossen Auftritte  im Dienste ihrer Mission zu erfüllen. An ihrer Seite wie stets ihr Vater Svante, der sehr wohl um die Gefährdungen der 16-jährigen Tochter weiss. Ihre Mutter, die virtuose Opernsängerin Malina Ernman, verdient währenddessen die Brötchen für die Familie singenderweise, leider mit eingeschränktem Wirkungskreis, da sie auch aufs Flugzeug verzichtet.

Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass sich die berechtigten Sorgen um die Folgen der Klimaerwärmung mehr und mehr auf die Fakten berufen, globale Lösungen angestrebt werden und der Hype um Greta, der beunruhigende Ausmasse angenommen hat, einer nüchternen und verantwortungsvollen Analyse weltweiter Bedrohungen weicht. Sie darf nicht auch noch zum tragischen Opfer unserer gefährdeten Umwelt werden.