FrontGesellschaftEinblick in vergangene Mobilität

Einblick in vergangene Mobilität

Am 24. September besuchte die Regionalgruppe Rüeblistamm das Kutschenmuseum von Toni Meier in Oberrohrdorf. Es war ein denkwürdiger Besuch, wie Peter Strub im nachfolgenden Bericht schreibt.

Den Wegweiser an der Hauptstrasse zum Kutschenmuseum hatte ich zwar schon oft bemerkt. Ich stellte mir ein kleines lokales Dorfmuseum vor. Was ich aber am 24. September beim Rüeblistamm-Besuch erlebte, sprengte alle Vorstellungen. Zuerst begrüsste uns Toni Meier, der Inhaber des Kutschenmuseums, auf freundschaftliche, unkomplizierte Art zur geplanten Führung. So eine Nähe zum Besucher habe ich noch nirgends erlebt. Auch die Begeisterung für seine Objekte und die fundierten Hintergrundinfos haben uns Rüeblistämmler berührt.

20 Kutschen in zwei Hallen

Die Kutschensammlung besteht aus Ausstellungsobjekten der Jahrhundertwende (ca. 1870 bis 1910), welche Toni Meier und sein Team in über vierzigjähriger Arbeit mit grösster Sorgfalt und Perfektion gesammelt und restauriert haben. Ausgestellt sind rund 20 Kutschen (Landauer, Spider, Dogcarts, Break de chasse etc.), die in zwei Hallen besichtigt werden können. Alle Exemplare stammen aus der Schweiz – mit Ausnahme der «Viktoria», ein Kutschengespann mit vier Pferden und zwei Reitern. Dieses hat Toni Meier vor 25 Jahren beim mittlerweile verstorbenen Fürsten Carl zu Wied in der Nähe von Koblenz erworben, ein Glanzstück in der Ausstellung.

Glanzstück in der Ausstellung: das königliche Kutschengespann «Viktoria»

Der Wagenpark zeigt nicht nur Jagd- und Herrschaftsfahrzeuge, sondern orientiert auch über den Zweck verschiedener Achsentypen. Hunderte von Objekten, wie Kutschenlaternen (die nicht nur als Positionslichter, sondern auch als Scheinwerfer benutzt wurden), Räder, Achsen, Zäume, Sättel, Beschläge hat Toni Meier gesammelt und restauriert. Diese zeugen von der Vielzahl der damals erhältlichen Modelle und vom handwerklichen Geschick jener Zeitepoche. Eigene Werkstätten wie Wagnerei, Hufschmiede, Laternenbau, Glaserei, Metalldrückerei, Giesserei, Sattlerei geben Einblick in die fachmännische Betreuung, die erforderlich ist, um die Ausstellung à jour und die Kosten im Griff zu halten.

Kutscher auf schrägen Kissen

In der Fragerunde blieb keine Frage unbeantwortet. Kompetent beantwortete Toni Meier Fragen wie «Wer durfte Kutschen besitzen oder benützen (bis 1850 nur Adelige)?», «Wer sass auf dem Kutschbock?», «Warum müssen die Kutscher auf schrägen Kissen sitzen?», «Wie war den Fahrgästen auf den holprigen Wegen zu Mute?». Mit seinen Ausführungen gewährte uns der umtriebige Toni Meier einen lebendigen Einblick in die Mobilität vergangener Jahrhunderte, die vor allem der feinen Gesellschaft vorbehalten war, und in die handwerkliche Kunstfertigkeit jener Epoche.

Gut erhalten und vorbildlich restauriert: ein Dogcart. (Fotos: Peter Strub)

Im Anschluss an die Führung traf sich die Besucherschar im Restaurant des Museums zu einem Drink und tauschte das Erlebte aus.

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