FrontGesundheitDer Schweiz fehlen Ärzte

Der Schweiz fehlen Ärzte

Sie geben wirklich zu denken: Die neusten Zahlen zur Ärzte-Statistik in der Schweiz. Wie der Schweizerischen Ärztezeitung (Nr. 13/2020) entnommen werden kann, stammen 36.3 % der Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland, 34 % sind über 60 Jahre alt. Im Jahr 2019 waren danach in der Schweiz 37’882 Ärzte und Ärztinnen berufstätig, nur 1% mehr als im Vorjahr (davon 16’372 Frauen).

Die Ärztedichte betrug ungefähr 4,4 pro 1000 Einwohner, war also ungefähr gleich hoch wie in den unmittelbaren Nachbarländern, allerdings war sie in den Städten weit höher als in ländlichen oder gar Berg-Gebieten. Und das Verhältnis zwischen Spezialisten und Allgemeinpraktikern ist bekanntlich sehr ungünstig. Das Durchschnittsalter der Ärztinnen (46,3 Jahre) und der Ärzte (52,6 Jahre) liegt bei 49,8 Jahren, und es liegt zwangsläufig bei den ambulant tätigen Grundversorgern und Grundversorgerinnen mit 54,2 Jahren deutlich höher. 34 % der Ärztinnen und Ärzte in der Praxis sind über 60 Jahre alt. Das erklärt die grosse Schwierigkeit für manche Praktiker, für ihre Praxis eine Nachfolge zu finden. 

36,3 % der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte stammen aus dem Ausland, dieser Anteil ist weiterhin leicht ansteigend. 53,4 % der ausländischen Fachkräfte kommen aus  Deutschland, 21,8% aus den übrigen direkten Nachbarländern.

Wir sind auf diese Unterstützung aus dem Ausland angewiesen, das Gesundheitswesen käme ohne sie nicht über die Runde. Nicht nur wird die Bevölkerung immer älter, sondern es dürfte auch der rein medizinisch-fachliche Anteil an der ärztlichen Tätigkeit eher abnehmen wegen der immer schwierigeren Auflagen und der dadurch vermehrten administrativen Arbeiten. Als Folge davon wird die personelle Entwicklung immer problematischer.

Wir werden noch mehr Ärzte – vor allem Grundversorger, also „Generalisten“ – brauchen, und wir werden nicht ohne weitere Kollegen und Kolleginnen aus dem Ausland auskommen. Diese werden aber zwangsläufig in ihrem Heimatland, wo sie schliesslich ausgebildet worden sind, fehlen. Auch im Pflegesektor ist übrigens die Situation nicht anders, vor allem die Grenzkantone sind immer mehr auf Pflege-Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Gerade die gegenwärtige Corona-Krise hat es wieder gezeigt, wie rasch unser sonst vorzügliches Gesundheitswesen personell an seine Grenze kommen kann. Und die Armee kann nicht dauernd zu Hilfe gerufen werden.


Dr. med.Hans-Ulrich Kull ist Hausarzt, Präsident des Seniorenvereins Küsnacht und Vorstandmitglied des Zürcher Senioiren- und Rentnerverbandes ZRV

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