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Aus der Not ein Hobby machen

Der Sommer ist so richtig angekommen, nicht selten erinnert das Klima – Sonne, Wolken, warmer Wind – an die Toscana vor dreissig Jahren. In die Ferien fahren wie sonst ist eher nicht empfehlenswert. Die Seniorweb-Redaktion berichtet in ihrer Sommer-Serie, wie erholsam und anregend zuhause bleiben sein kann.

Wenn die Sonne lacht, heisst es draussen lesen oder den Himmel mit den leider wieder häufigeren Kondensstreifen beobachten, und da es keine Vernissagen, keine Apéros an öffentlichen Orten gibt und unsereiner aus Risikogründen volle Liegewiesen oder Planken wie den Letten meiden, die guten Freunde in den Garten einladen. Natürlich nicht ohne zuvor dort auch etwas Arbeit zu leisten, nämlich Beeren fürs Dessert pflücken, Kräuter für den Salat und den Hauptgang schneiden und vom Gewürzlorbeerstrauch, der seit kurzem im Schnellwachstum fast der Forsythia nacheifert, einen hübschen Strauss als Bhaltis für die Gäste binden.

Und gern führen wir unsere urbanen Gäste beim Eindunkeln zum Blumenbeet mit den Nachtkerzen. Wer noch nie erlebt hat, wie sich die nur eine Nacht lebenden Blüten öffnen, ist von diesem Wunder der Natur überrascht und verzückt, wer es kennt, weiss auch, dass der Duft mit dem besten Parfum mithalten kann.

Wenn das Wetter Tränen hat, heisst es noch mehr lesen, mehr alte Filme suchen und schauen, mehr Musik hören von Grisey über Messiaen bis Coltrane. Ausserdem erinnere ich mich einer alten Lieblingstätigkeit, dem Schneidern.

Nicht dass ich je eine begabte Schneiderin war, im Gegenteil, die Nähschule – fünf Stunden die Woche – war mir das schlimmste Fach. Während andere Mädchen frei Pullover oder wenigstens Bärchen stricken oder noch einen Rock nähen durften, mühte ich mich ungeschickt und mit blutenden Fingern, Spuren auf weisser Baumwolle hinterlassend, mit dem Staffierstich am Saum eines Nachthemds ab (das ich übrigens immer noch besitze und ab und zu sogar trage, weil der Stoff so angenehm kühl ist). Aber während des Gymnasiums, als die Klassenfeste regelmässiger wurden, wollten wir nicht immer im gleichen Fähnchen auftauchen. Kleider kaufen – ausser das Nötige wie Wintermantel oder Skihose – lag nicht drin. Ein Laden mit für uns erschwinglichen Stoffen fanden wir, dann hiess es weite Röcke und schmale Oberteile zuschneiden und irgendwie mit der Elna oder Bernina zusammennähen. Meist war das Kleid erst kurz vor dem Ausgehen fertig, die Innenseite noch weitgehend im Rohbau.

Später nähte ich Fasnachtskostüme, aber die edlen Gewebestücke für Blusen oder Kleider blieben unberührt im Schrank. Dann gab es irgendwann nur noch das oder jenes zu flicken, eine Hose zu kürzen, den Kragen vom Lieblingshemd meines Mannes umzudrehen (ja, sogar das hab ich mal der Mama abgeschaut).

Und nun nähe ich wieder: Stoffmasken nach meinem Gusto. Geeignete Stoffe sind vorhanden, die Vorbilder lernte ich kennen, als ich die ersten Masken kaufte, die Schnittmuster gibt es zum Herunterladen von diversen Homepages. Die Arbeit macht mir Spass, weil sie für aus der Übung gekommene Amateur-Schneiderinnen gerade recht ist.

Ein Selfie mit Maske während einer Bahnreise. Mein bestes Stück: leicht und sehr dicht gewebt.

Und unterwegs gibt es erst noch Komplimente für die bunten Masken. Mittlerweile habe ich zu fast jedem Outfit – Jeans, kleines Schwarzes, Hosenanzug das passende Accessoire, das mir Mund und Nase bedeckt. Was einst die Krawatte bei den Männern, oder der Seidenschal bei den Frauen war, könnte nun aus der Maske werden: ein Modeartikel, der einem trotz Verhüllung etwas persönliches Flair gibt.

Gewiss, die professionellen Modemacherinnen und Schneiderwerkstätten haben den Trend längst erspürt und bieten statt des bläulich-weisslichen Standardstücks zum Wegwerfen besondere Teile für besondere Leute an. Aber Selbermachen macht Freude.

Für alle, die es auch probieren möchten, hier ein paar Links zu Schnittmustern, wobei das Internet eine Fülle von Anleitungen und Anregungen zum Thema Mundschutz selber machen bereit halten:
Mundschutz mit Bindeband
Schutzmaske 2
Mundschutz einfach

2 Kommentare

  1. Geschätzte. Frau Caflisch
    Der eingangs geschriebene Satz „ oder den Himmel mit den leider wieder häufigeren Kondensstreifen beobachten“ ist daneben. Die seltenen Kondensstreifen lassen uns auf wieder bessere Zeiten hoffen.
    Mit hoffnungsvollem Gruss
    Peter Thut

  2. Danke für die Nähanleitungen – wollte ich schon lange machen, nun probier ich’s!!
    Herzlich
    Laura Weidacher

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