FrontKulturRettet den Pfauensaal!

Rettet den Pfauensaal!

Der Pfauensaal des Zürcher Schauspielhauses soll abgerissen werden. So will es der Stadtrat. Nein, sagen die Gegner! Das Haus am Pfauen ist ein Teil unserer Kultur und Geschichte. Es darf nicht zerstört werden. Jetzt formiert sich Opposition. Einer der Initianten, Matthias Ackeret (Bild), setzt sich im Gespräch mit Seniorweb für die Rettung des Pfauensaals ein.

Das Zürcher Schauspielhaus ist mehr als ein normales Theater. In ein gepflegtes Wohn- und Praxishaus eingebettet, beherbergt es ein Stück Zürcher Identität. Diese entstand in dunkler Zeit, als die Pfauenbühne als einzige deutschsprachige Kultur garantierte. Später wurden Stücke von Dürrenmatt, Frisch und anderen Autoren uraufgeführt. Bis heute ist der Besuch ein kulturelles und ästhetisches Erlebnis. Das soll verschwinden? Einem blutleeren Saal Platz machen? Oder verhindern Ewiggestrige wieder Fortschritt?

Seniorweb: Wer schon drinnen war, weiss, der Saal ist alt, plüschig und mit sichtbarer Technik vollgepfropft. Was ist da schützenswert?

Matthias Ackeret: Gerade das. Es gibt im deutschsprachigen Raum nur noch wenige Theater, die dieses Ambiente ausstrahlen. Es käme auch niemanden in den Sinn die Münchner Kammerspiele oder die Scala in Mailand abzureissen. Auch das alte Kunsthaus in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schauspielhaus existiert trotz des neuen Chipperfield-Baus weiter. Dazu kommt, dass der Pfauensaal ein geschichtsträchtiger Ort ist, dessen Ausstrahlung weit über Zürich hinausreicht.

Die Befürworter von Abriss und Neubau befürchten, dass Zürich zeitgenössisches Schauspiel verlöre, weil sich der alte Pfauensaal dafür nicht mehr eigne. Soll jetzt Zürich ein Stück grosse Vergangenheit aufgeben oder den Anschluss an die Zukunft verpassen?

Ich kann den Zürcher Stadtrat mit bestem Willen nicht verstehen, dass er diesen Saal auf dem Altar des momentanen Zeitgeists opfern will, zumal man mit dem Schiffbau bereits eine absolut moderne Bühne hat. Es ist doch irrig zu glauben, dass das Theater in einem anderen Saal besser würde. Die Stücke von Brecht, Dürrenmatt, Frisch aber auch Hürlimann und Marthaler konnten hier problemlos mit grosser Beachtung gespielt werden. Von den Kosten – 115 Millionen Franken – möchte ich in diesen schwierigen Zeiten gar nicht sprechen. Nein, dieses Projekt ist dekadent und zeugt von einer grossen Geschichtsignoranz der Zürcher Stadtexekutive. Der frühere Stadtpräsident Elmar Ledergeber, auch ein Sozialdemokrat übrigens, brachte es in Radio 1 auf den Punkt: «Macht etwas Gescheiteres!»

Der Pfauensaal heute. Foto: Schauspielhaus Zürich

In einem Kommentar gegen den Abriss der Pfauenbühne schreibt Frank A. Meyer: «Der Pfauensaal gehört nicht Zürich.» Er bezieht sich auf die Zeit, als das Zürcher Schauspielhaus während der Nazizeit freie deutschsprachige Kultur garantierte. Wem gehört der Pfauensaal?

Der Pfauensaal gehört juristisch der Schauspielhaus AG, ideell ist er aber Teil der DNA von Zürich, ja der ganzen Schweiz. Deswegen ist es verantwortungslos, ihn einfach abzureissen. Gerade solche Aktionen bereut man in zehn oder zwanzig Jahren.

Zusammen mit Peter Lesch, Martin Fueter und Bruno Kammerer habt Ihr die Aktion «Rettet den Pfauen» lanciert. Was hat Euch dazu bewegt?

Ich bekam auf einen Kommentar auf Radio 1 und auf persoenlich.com über den geplanten Abriss ungewöhnlich viele Reaktionen auch aus Kreisen, die nicht unbedingt kulturaffin sind. Damals realisierte ich erstmals, wieviel Leute für das Vorhaben des Zürcher Stadtrates überhaupt kein Verständnis haben. Werber Peter Lesch, der langjährige Condorchef Martin Fueter und der ehemalige SP-Gemeinderat Bruno Kammerer haben alle eine sehr emotionale Beziehung zum Pfauensaal und haben sofort zugesagt, bei einem solchen Komitee mitzumachen. Die Mutter von Martin Fueter war die berühmte Schauspielerin Anne-Marie Blanc, er selbst hatte auf der Pfauenbühne als kleiner Bub in Schillers Tell den Walter gespielt. Der Vater von Peter Lesch schrieb «Die kleine Niederdorfoper», die im Schauspielhaus vor genau siebzig Jahren uraufgeführt wurde. Das prägt.

Das Geschäft ist derzeit in der vorberatenden Kommission des Zürich Gemeinderates und muss nachher etwa im Sommer 2021 in den Gesamtrat. Wird Eure Aktion politisches Lobbying betreiben? Oder bereitet Ihr schon den Boden vor für die Volksabstimmung?

Wir wollen mit unserer Aktion die Bevölkerung, aber auch die Politiker für dieses Geschäft sensibilisieren. Es ist interessant, dass uns nicht nur bekannte Kulturexponenten wie der Schriftsteller Martin Walser, der Doyen der Literaturkritik, Peter von Matt, oder Bernhard-Theater-Chefin Hanna Scheuring unterstützen, sondern auch linke Politiker wie der ehemalige SP-Nationalrat und Architekt Andreas Herczog. Dafür, dass wir die Aktion noch nicht besonders bekannt und öffentlich gemacht haben, ist dies ein ermutigendes Signal.

Wie kann sich jemand für den Erhalt des Pfauensaales einsetzen?

Indem er auch seinen Unwillen mit seiner Unterschrift kundtut: unterschrift@rettetdenpfauen.ch. Mehr Informationen finden sich auf unserer Homepage www.rettetdenpfauen.ch.

Titelbild: Matthias Ackeret (Foto Alberto Venzago)


Matthias Ackeret ist Verleger und Chefredaktor des Branchenmagazins «Persönlich» in Zürich.

1 Kommentar

  1. Für die Erhaltung des Schauspielhauses und des Saales.

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