FrontKulturBenno K. Zehnder – Bildlust

Benno K. Zehnder – Bildlust

Die Kunstplattform akku in Emmen stellt bis 20. März 2022 eine Auswahl der vielseitigen und künstlerischen Werke von Benno K. Zehnder aus.
Die Ausstellung zeigt das künstlerische Schaffen des 80jährigen, in Gelfingen wohnhaften und im Atelier in Hochdorf täglich arbeitenden Künstlers. Als Direktor der Schule für Gestaltung Luzern (1981-1997) führte er das Institut in die Hochschule Luzern – Design & Kunst über und war bis 2006 als Dozent tätig. Für das Spital Schwyz, das Beinhaus in Steinhausen, die Mittelpunktschule in Schwyz und die Schule im Park Steinen hat er künstlerische Auftragsarbeiten realisiert.


Strandgut 2011-19, Öl auf Leinwand

Jeden Tag, wenn Benno Zehnder in sein Atelier kommt, beginnt er mit einem neuen Bild. Er bezeichnet diese Werke als Tagesbilder und nutzt sie als Einstieg in seinen Malprozess. Die Bilder entstehen sehr spontan, scheinbar ohne Absicht. Es sind gemalte Skizzen: Manche sind flüchtig, fliessend, nur schemenhaft, andere sind hoch verdichtet. Der Künstler hat mittlerweile einen Fundus von mehreren hundert Tagesbilder. In der Ausstellung sind in einem Panorama 118 Bilder zu sehen.


Schläfer, Wollteppich, Leihgabe des Kantons Luzern

Er skizziert zu jeder Tages- und Nachtzeit, zuhause, unterwegs, im Atelier und auf Reisen. Diese Skizzen entstehen nicht nur auf Papier, sondern auch auf dem iPad. Es sind meist schnelle Skizzen, die zum Teil ausgefeilte Verdichtungen enthalten.

Im Atelieralltag widmet sich Benno Zehnder nach dem geschaffenen Tagesbild seinen Bildern auf Leinwand. Es sind meist Ölmalereien, die über Monate, manchmal Jahre bearbeitet werden. Die Werke enthalten Themen, die sich im Malprozess herauskristallisieren, entwickeln und verdichten.


Mütter-Madonnen, Acryl auf Leinwand, 1996-2015

Er stellt in dieser Ausstellung Tätigkeiten der letzten Jahre vor: Tagesbilder in Acryl auf Papier als expressive Notierungen oder intensive Malereien von einem Tag. Digitale Zeichnungen, welche Gesehenes, Gedachtes oder Unbekanntes spontan auf Handy und iPad sichtbar und lebendig machen.


Emausland, Öl auf Leinwand, 2016

Benno Zehnder über die Entstehung eines Bildes: «Es braucht einen Antrieb, um ein Bild malen zu wollen. Es braucht Lust, diesem Antrieb stattzugeben und malen zu wollen. Es braucht Verwegenheit, ein Bild zu beginnen und Verstand und Kraft, es auch zu beenden. Es braucht Durchlässigkeit, um malend ein Bild in die Wirklichkeit zu bringen. Ein Bild will entstehen, will wachsen aus der Lust am Malen. Meine Bilder entstehen, während ich sie male. Es braucht Aufmerksamkeit, um beim Malen das Bild zu finden, oder es nicht zu übersehen.»


Keramikwand im Therapiebad Spital Schwyz, Hanbemalte Keramikplatten 2018

Und weiter: «Sobald ein Bild begonnen ist, ist nicht mehr alles möglich. Die Sehnsucht bewegt sich nicht mehr im überall, sie wird geführt und gezähmt, von dem, was schon auf der Leinwand sichtbar ist.

Ich kann Bilder denken und in gedachten Bildern malen, intensiv in ihnen mich mit ihnen beschäftigen, aber sobald ich sie zu malen beginne, zerplatzen sie wie eine Seifenblase. Gedanken haben eine andere Realität als die Farbe, oder die Form. Das Sichtbare ist kein Gedanke und doch beginnt mit dem ersten Farbtupfer auf der Leinwand das Denken. Die Linien, Flächen, Farben wollen auch im Verstehen einen Platz finden.»
Titelbild: Benno K. Zehnder
Fotos: Josef Ritler

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