StartseiteMagazinGesellschaftStoppsignal für grüne Werbe-Schwurbler

Stoppsignal für grüne Werbe-Schwurbler

Die Europäische Union beabsichtigt, mit neuen Gesetzen gegen Greenwashing und irreführende grüne Werbeversprechen zu kämpfen. Die EU bestätigt damit einen Artikel auf Seniorweb.

Die Europäische Kommission will, dass grüne Verheissungen wissenschaftlich überprüft werden. Wenn die Bezeichnungen durchfallen, dürfen sie nicht mehr verwendet werden. Seniorweb hat anfangs Mai das gleiche Thema behandelt. Unter dem Titel «Öko-Werbung übertreibt, beschönigt, vertuscht» haben wir darüber berichtet, dass hierzulande viele Unternehmen und Händler mit schönfärberischen Begriffen werben.

Bisher konnten Firmen im In- und Ausland freizügig mit grünen Versprechen umgehen. Die Absichten der EU bringen Schweizer Unternehmen in Bedrängnis. Wenn sie sowohl den heimischen Markt bedienen, wie auch in die EU liefern, haben sie zwei Möglichkeiten: Sie können künftig ihre Werbung und ihr Marketing splitten oder die EU-Bestimmungen übernehmen. Wie die Sonntagszeitung kürzlich berichtete begrüssen manche Firmen die angekündigten Gesetzte, Nestlé etwa oder Ikea.

Intransparente Verheissungen

Anders die Migros. Obwohl der Konzern mit seinen Industriebetrieben viel ins Ausland liefert, will er sich nicht zu den Neuerungen äussern, sondern betont bloss, dass er kein Greenwashing betreibe. Vollmundig hat der Grossverteiler verkündet, dass er bald klimaneutral sei. Seniorweb hat vor kurzem berichtet, dass diese Neutralität ein schönfärberischer Begriff sei. Die meisten Unternehmen seien weit davon entfernt. Coop will gemäss der Sonntagszeitung die beabsichtigten EU-Vorschriften prüfen, «sobald die Diskussion fortgeschritten ist.»

Grüne Versprechungen, grüne Schwindeleien?

Der Reinigungsmittelhersteller Werner & Mertz beliefert hiesige Grossverteiler mit dem Putzmittel der Marke Frosch. Das österreichische Unternehmen möchte, dass die Schweiz die geplanten EU-Vorschriften übernimmt. «Gesetze gegen Greenwashing sind überfällig. Es gibt eine Flut von intransparenten grünen Versprechungen», zitiert die Sonntagszeitung einen Sprecher des Unternehmens.

Tatsächlich wird auch in der Schweiz die Politik aktiv. Nationalrätin Sophie Michaud Gigon (Grüne) hat im März zwei Vorstösse eingereicht. Sie will klare Regeln gegen Greenwashing und gegen übertriebene Angaben in der Werbung. Das Bundesgesetz gegen unlautere Werbung reiche nicht aus, so die Waadtländer Politikerin. Sogar Marketingfachleute kritisieren die Unternehmen. Viele würden bei der «Nachhaltigkeits-Kommunikation» scheitern, sagte jüngst Jan Pechmann von der deutschen Marketingberatung Bam.

Seniorweb-Artikel «Öko-Werbung übertreibt, beschönigt, vertuscht»

Bilder: Screenshot, Freepik, pst

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3 Kommentare

  1. Es wird interessant sein, wie diese Gesetze formuliert sein werden. Denn machen wir uns nichts vor: kaum eine menschliche Tätigkeit ist zu 100 Prozent klimaneutral.
    Wahrscheinlich wäre es am zielführendsten, bei den Produktionsprozessen anzusetzen und dort jeweils die best practice zu zertifizieren. Das würde z.B. bedeuten, dass Bergwerke, die Lthium, Kobalt, etc. für unsere Autobatterien oder Solarpanels abbauen nur zertifiziert würden, wenn sie das auf die umweltschonendste Weise tun würden. Nur so hätte der Käufer der genannten Produkte die Gewissheit, dass er tatsächlich etwas füsr Klima tut. Heute ist es alles andere als klar, ob der Schuss hier nicht oft hinten hinaus geht.

  2. Wir sollten doch bei aller «grüner» Werbung das Ziel immer im Auge behalten: Die Natur von allem entlasten, das die aktuellen Defizite verursachte. Es führen so viele Wege dieses Ziel zu erreichen, wie es schädliche Folgen in allen Bereichen unseres Handelns gibt. Das Dringlichste zuerst: Vermeidung von allem was die Luft, den Boden und das Wasser vergiftet. Hier sollte m.E. nun alles eingesetzt werden, was wir schon kennen, wie die alternative Energiegewinnung aus Sonne, Luft- und Wasserkraft und diese massiv ausbauen. Die Landwirtschaft ganzheitlich nach natürlichen und ökologischen Massstäben betreiben und vom Bund (anstelle der bisherigen Subventionen) unterstützen; diese Waren müssen billiger zu kaufen sein, als die schädlichen Angebote, Importe eingeschlossen.
    In der Forschung und der Anwendung neuer Methoden müssen Versuch und Irrtum Platz und Akzeptanz in der Öffentlichkeit haben und sollten nicht von den Medien sofort verschrien werden. Angesichts der möglichen Katastrophen, die auf uns zukommen könnten, muss die Gesetzgebung zweitrangig sein. Wir müssen «klotzen» nicht «brösmele» und das mit grösst möglicher Geschwindigkeit. Ein mutiger und eloquenter Bundesrat und ein geeintes Parlament, wäre die Voraussetzung für ein zeitnahes Gelingen. Für das unproduktive und hinderliche Parteiengeplänkel haben wir wirklich keine Zeit mehr.
    Alle, die auch in Zukunft saubere Luft atmen, schadstofffreie gesunde Lebensmittel essen und nicht auf Kosten der Umwelt in warmen Wohnungen sitzen und in der Welt herum reisen wollen, müssen sich angesprochen fühlen und handeln.
    Kurt Marti verfasste diesen passenden Satz: «Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen?»

  3. hm – die Politik korrigiert, was die Politik angerichtet hat. Ob das gut kommt? Und bis diese Korrekturen greifen …

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