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Die Sache mit dem Knie

Ein künstliches Kniegelenk? Horror, denken da viele. Kniegelenke sind komplexe Konstrukte mit Bändern und Sehnen als Stossdämpfer und Stabilisatoren. Und beweglich soll so ein Knie auch noch sein. Kein Wunder, klagen denn auch viele nach einer Operation über Schmerzen, Einschränkungen und andere Beschwerden. Geht auch anders. Besser.

Seit die Generation 65+ sich mehrheitlich nicht mehr damit begnügt, ihre Pensionierung gemütlich im Lehnstuhl zu verbringen oder etwas im Garten zu werkeln, sondern aktiv ihren letzten Lebensabschnitt gestalten möchte, sind Knieprothesen weit verbreitet. Merkt man erst als Direktbetroffene. Da ich beim Golfspielen im Sommer meist moderat kurze Röcke trage – sind einfach luftiger als enge Shorts – werde ich regelmässig auf die wirklich feine Narbe am rechten Knie angesprochen: Du auch? Ich auch!

Klagen über Schmerzen und  Einschränkungen

Und dann kommen Geschichten, die mir nachträglich einen Riesenschrecken einjagen. Von Schmerzen, jeden Tag und auch in der Nacht, von Schmerzmitteln ohne Ende und massiven Einschränkungen in Bezug auf Beweglichkeit und Ausdauer. Es sind Klagen von sportlichen älteren Personen, die sich immer gerne bewegt haben und eigentlich überhaupt keine «Jammeri» sind.

Wenn ein Knie so schmerzt, dass die Lebensqualität massiv eingeschränkt ist, dann ist es Zeit, sich mit dem Gedanken an eine Knieprothese vertraut zu machen. (alle Bilder pixabay)

Der Ersatz eines Kniegelenks durch eine Prothese ist kein kleiner Eingriff. Bereits nach der Operation können Komplikationen auftreten: Infektionen können, nebst anderen schweren Nebenwirkungen, die Knochensubstanz rund um das Gelenk angreifen, sodass sich die Prothese lockert. Dazu kommt die Gefahr einer Thrombose, denn durch Entzündungen können Blutgerinnsel auftreten. Beim Eingriff können Nerven geschädigt werden, Taubheit und Schmerzen wären die Folgen. Allerdings geschieht das gemäss Statistiken nur sehr selten, bei weniger als einem Prozent aller Operationen.

Aber trotzdem: Vielleicht doch lieber weiterhin durch die Gegend humpeln, Schmerzmittel schlucken und sich auf ein eher inaktives Leben einstellen? Da kann ich aus eigener Erfahrung widersprechen: Nein, auf keinen Fall! Leichtfertig wird sich niemand für einen Kniegelenksersatz entscheiden – und auch kaum einen Chirurgen finden, der wegen ein bisschen Schmerzen und einem etwas steifen Gelenk zur Operation rät. Aber wenn der Alltag massiv eingeschränkt wird und schmerzloses Gehen kaum mehr möglich ist, von Sport ganz zu schweigen, dann sollte ein solcher Eingriff ernsthaft in Erwägung gezogen werden.

Stellen Sie auch kritische Fragen!

Am besten bei einem Chirurgen, der darauf spezialisiert ist. Genauer: Der mindestens 50 bis 60 Knieprothesen pro Jahr einsetzt. Darf man fragen! Mein Arzt, Felix Rapp, hat auf meine Fragen offen Auskunft gegeben und mir das «neue» Gelenk genau erklärt – und mich kurze Zeit später so operiert, dass ich am nächsten Tag bereits wieder erste Schritte wagen konnte. Noch etwas unsicher zwar und mit Schmerzen. Aber die liessen sich aushalten. Natürlich auch dank der schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamente.

Nein, Blumensträusse verteilte mein Arzt keine. Aber er hätte einen verdient!

Mein Arzt verteilte keine verbalen Streicheleinheiten so im Sinne von «Jetzt schonen Sie sich erst mal und erholen sich von der Operation», nein, er forderte von Beginn weg eine gewisse Mitarbeit des Patienten. Die Übungen auf der motorisierten Bewegungsschiene, die mehrmals pro Tag zu absolvieren waren, kommentierte er mit einem Blick auf die Mobilisierungsskala kritisch mit «Da geht aber noch etwas mehr!». Und das, nachdem die Pflegenden voll des Lobes waren, weil ich das Knie bereits 90 Grad beugen konnte!

Und so ging es weiter. Er kontrollierte den Gang, die Fortschritte bei der Beweglichkeit und erteilte Ratschläge – freundlich, aber bestimmt. Verstehen wir uns recht: Dr. Rapp war empathisch, nahm sich Zeit, kontrollierte jeden Tag sehr sorgfältig die Wunde und die Fortschritte. Aber er erwartete ganz klar von seiner Patientin, dass sie auch ihren Teil zur Genesung beiträgt. Er erklärte das auch: Was in den ersten Wochen nach einer Operation an Beweglichkeit und Dehnbarkeit erreicht werden kann, ist ein Gewinn. Denn dann ist das Gewebe noch nicht vernarbt und lässt sich viel leichter, wenn auch manchmal etwas schmerzhaft, aktivieren.

Der Trick mit dem Esstisch

So sass ich dann nach einer Woche Klinikaufenthalt – eine Reha wurde mir von der Krankenkasse verweigert – jeden Tag mehrmals auf meinem Esstisch und versuchte, das Knie nach hinten, Richtung Unterseite der Tischplatte zu beugen und zu dehnen. Ich bekam auch eine Mietmaschine geliefert, auf der ich sitzend eine Art Radfahren konnte.

Wunderbar. Golfspielen ist wieder möglich, ganz ohne Einschränkungen.

Da ich ansonsten keine Termine hatte – abgesehen vom täglichen «Marsch» zum Spitexzentrum, um mir eine Thrombosespritze verpassen zu lassen – bewegte und dehnte ich mein armes Knie so oft es ging. Mit dem Erfolg, dass ich bei der ersten Kontrolle nach vier Wochen ein fast schon voll bewegliches Gelenk präsentieren konnte. Ohne Schmerzen, ohne Schwellungen, fast ohne Einschränkungen.

Heute ein Jahr später, blicke ich auf einen Sommer mit unzähligen Golfrunden zurück, auf lange Spaziergänge, auf gemütliche Stunden lange sitzend im Familien- und Freundeskreis – und das alles ohne die geringsten Schmerzen. Mein Rezept: Ein guter, routinierter und fachkundiger Chirurg und ein recht grosser eigener Einsatz. Ergibt ein Leben ohne Einschränkungen. Was will man mehr!

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3 Kommentare

  1. Schön für Sie, dass Sie so gute Erfahrungen mit dem neuen Kniegelenk und mit ihrem Arzt machen durften. Er dürfe sich bei Ihrer
    Werbung wohl kaum vor neuen Patienten retten können.
    Bei mir sind es fünf Jahre seit meiner Knieoperation und ich habe täglich Schmerzen. Auch bei mir liefs anfangs sehr gut. Mein Physiotherapeut meinte mein Knie sei so beweglich wie vor der OP. Auch meine Krankenkasse zahlte keine Reha und so machte ich brav über Wochen die entsprechenden Übungen, doch die Schmerzen verschwanden nicht.
    Ich bin ein Bewegungsmensch und nahm Schmerzmittel um wenigestens 2-3 Mal pro Woche ausgehen zu können, bis mein Magen nicht mehr mitmachte. Da auch das andere Knie immer schmerzt und längst operiert werden sollte, habe ich noch vor Ider Pandemie einen anderen Arzt aufgesucht. Die neuen Bilder meiner Knies und die Diagnose des Arztes waren ernüchternd. Das bereits implantierte Kniegelenk muss wahrscheinlich ersetzt werden und das andere Knie sollte ebenfalls dringend operiert werden. Wegen Covid wollte ich nicht ins Spital und mein Vertrauen in die Ärzte ist leider nicht mehr wie früher. Um jedoch endlich wieder meinen Bewegungsdrang ohne Schmerzen ausleben zu können, muss ich wohl in den sauren Apfel beissen.
    Apropos Golfsport, ich bevorzuge lieber Wälder und Magerwiesen für meine Spaziergänge. An präparierten englischen Rasen haben Tiere und Pflanzen und auch ich keine Freude. Sorry.

  2. Ich wünsche Ihnen mehr Glück bei der zweiten OP. Übrigens Ihr Seitenhieb Richtung Golfsport wäre nicht nötig gewesen. Tausende Seniorinnen und Senioren bewegen sich auf Golfplätzen und wohl auch in den Wäldern. Leben und leben lassen.

    • Danke für den Glückwunsch, Herr Gutknecht. Das war nicht als Seitenhieb gedacht und ich lasse leben, auch den Golfsport. Ganz nach dem Motto: Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Der Golfsport ist es halt für mich aus verschiedenen Gründen nicht. Thats all!

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