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Demenzerkrankte mit Notrufuhr orten

Die Schweizer Firma Limmex bietet seit Mitte des letzten Jahres eine weiterentwickelte Notrufuhr für Menschen mit Demenz an. Damit können die Angehörigen die Betroffenen über eine Smartphone-App orten.

Dr. Johannes Lübbers (Titelbild) ist Head of Business Development und somit verantwortlich für die Planung und Umsetzung neuer Projekte bei Limmex. Um Menschen mit Demenz ein sicheres Leben zu ermöglich, hat das Unternehmen das Limmex Lab geschaffen. Dieses ist auf die Entwicklung von sogenannten digitalen Pflegeanwendungen spezialisiert. Jene für Demenzbetroffene war die erste. Mit der neuen Anwendung können Demenzerkrankte von den Angehörigen jederzeit geortet werden. Wir sprachen mit Johannes Lübbers über die Limmex-Notrufuhr und deren Weiterentwicklung:

Die Limmex-Notrufuhr gibt es seit zwölf Jahren. Welche Entwicklung hat sie durchgemacht?

Johannes Lübbers: Limmex hat die Notrufuhr selbst entwickelt und laufend weiterentwickelt. Sie ist schlicht und elegant im Design, hat nur einen Notrufknopf, mit dem ein Alarm ausgelöst werden kann. Damit ist sie für den Benutzer einfach bedienbar. Auch verfügt sie über eine Akku-Laufzeit von 48 Stunden, was im Vergleich zu anderen Notrufuhren sehr gut ist.

Wie hat sich der Verkauf der Limmex-Notrufuhr entwickelt? Und wie sieht die Kundenzufriedenheit aus?

Aktuell haben wir 4500 Kunden mit einem Abonnement in der Schweiz. Wir sind dabei, die Zahl der Kunden laufend zu steigern. Unsere neue Notrufuhr, die seit Mitte des letzten Jahres auf dem Markt ist, kommt gut an, die Kundenzufriedenheit ist hoch. Vorab die einfache Bedienung der Uhr und die lange Akku-Laufzeit werden positiv beurteilt.

Sie leiten das Demenzprojekt bei Limmex. Um was geht es bei diesem Projekt?

Im letzten Jahr haben wir eine monatelange Testphase mit zehn Demenzbetroffenen durchgeführt und die Tauglichkeit der neuen Ortungsfunktion über eine App auf dem Handy oder Smartphone geprüft. Diese erlaubt es den Angehörigen von Demenzbetroffenen, diese jederzeit mittels GPS-Tracking zu orten. Damit ermöglichen wir mehr Sicherheit vorab für Betroffene, bei denen die Demenz noch nicht weit fortgeschritten ist. Unsere Testphase hat gezeigt, dass unsere Uhr mit Ortungsfunktion sehr hilfreich sein kann. Kürzlich haben wir die entsprechende App auf unserer Website veröffentlicht, wo man sich beraten lassen und die neue Demenzuhr erwerben kann.

Wie aussagekräftig ist eine Testphase mit nur zehn Demenzbetroffenen?

Für unsere Testphase haben das Schweizerische Rote Kreuz des Kantons Schwyz und die Demenzberatungsstelle der Psychiatrischen Dienste Thurgau uns die zehn Testpersonen vermittelt. Im Verlauf der Testphase standen wir laufend in Kontakt mit diesen beiden Einrichtungen, auch kamen neue Kontakte hinzu, so dass mehr als diese zehn Personen an unserer Testphase beteiligt waren.

Sie haben die neue Anwendung monatelang getestet. Wie haben sie getestet und wie sehen die Ergebnisse aus?

Alle Beteiligten haben wir mit der Uhr und der App ausgestattet und über ein halbes Jahr begleitet und laufend Feedback über die Nutzung der Uhr und wie sie den Alltag erleichtert eingeholt. Die Ergebnisse waren vielversprechend und ermutigten uns, unsere Demenzlösung weiterzuentwickeln und marktreif zu machen.

Heute gibt es viele Anbieter, die Notrufuhren zum Verkauf anbieten. Ist Limmex der einzige Anbieter von Notrufuhren mit Demenz-Ortungsfunktion?

Soweit ich sehe, ist Limmex der einzige Anbieter, der eine selbstentwickelte Uhr mit einer Demenzlösung anbietet. Damit ermöglichen wir den Angehörigen eine sichere Ortung nur bei Bedarf und somit ein gutes Gefühl.

Sie sagen, dass sich die neue digitale Pflegeanwendung nicht für alle Menschen mit Demenz eignet. Für welche Demenzkranke kann die neue Anwendung empfohlen werden, für welche nicht?

Unsere Demenzlösung eignet sich vorab für Menschen mit einer beginnenden Demenzerkrankung, die ihren Alltag noch alleine meistern können. Diese können die Uhr noch als gut und nützlich erkennen. Nicht geeignet ist die Uhr für Demenzerkrankte, die rundum betreut werden müssen. Jedes Jahr kommen in der Schweiz über 30 000 Neuerkrankungen hinzu. Für diese Demenzbetroffenen ist unsere Uhr geeignet.

Die digitale Pflegeanwendung soll weiterentwickelt werden. So soll sie mit einer Erinnerungsfunktion ausgestattet werden. Wie soll eine solche Funktion aussehen und was versprechen Sie sich davon?

Es kommt darauf an, welche Funktionen und Anwendungen gewünscht und hilfreich sind.  Bei der Erinnerungsfunktion gibt es beispielweise die Möglichkeit, an die Einnahme von Medikamenten zu erinnern oder welche Taten ausgeführt werden müssen. Diese Möglichkeit ist nicht nur relevant für Menschen mit Demenzerkrankung, sondern auch für andere Menschen im Alltag. Hier bestünde die Möglichkeit, die digitale Pflegeanwendung weiterzuentwickeln. Gegenwärtig sind wir dabei, den Nutzen dieser Erweiterung zu evaluieren. Weitere mögliche Anwendungen sind in Planung, aber noch nicht in Entwicklung.

«Schlechter Kundendienst bei der Limmex-Notfalluhr», titelte Radio SRF einen Espresso-Beitrag im August 2023. Besserung wurde versprochen. Wie sieht es damit heute aus?

Wir haben die Kritiken ernst genommen und stark daran gearbeitet. Intern haben wir den Kundendienst ausgebaut. Heute können wir die Kunden zeitnah bedienen. Auch die Schwierigkeiten bei der Lieferung der Uhren haben wir beseitigt. Heute verfügen wir über genügend Uhren, um diese zeitnah zu liefern.

Die Limmex-Notrufuhr figuriert im Vergleich zu anderen Notrufuhren im oberen Preissegment. Vorab die hohen Abo-Kosten wurden vielfach kritisiert. Wie begründen Sie die relativ hohen Kosten?

Wie eingangs erwähnt, handelt es sich bei unserer Notrufuhr um eine Eigenentwicklung. Das ist vorab bei der Software der Fall, die nötig ist, damit sie auf der Hardware gut funktioniert. Dank der Eigenentwicklung ist unsere Uhr einfach bedienbar und verfügt im Vergleich zu anderen Notrufuhren über eine lange Akku-Laufzeit von 48 Stunden. Diese Vorteile gilt es beim Preisvergleich zu beachten. In Bezug auf die Abo-Kosten können unsere Kunden zwischen drei unterschiedlichen Abovarianten wählen. Die Wahl des richtigen Abo-Modells ist dabei abhängig davon, ob im Notfall nur private Kontakte alarmiert werden sollen oder auch die Notrufzentrale des Schweizerisches Rotes Kreuz.

Weitere Informationen zur neuen Limmex Demenz-Lösung finden Sie hier: Demenz-App jetzt verfügbar

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1 Kommentar

  1. Der Artikel ist meines Erachtens zu positiv formuliert. Es stimmt, die Grundidee der Limmex-Uhr überzeugt, namentlich die Ortung der Person. Allerdings hapert es sehr bei der Umsetzung. Und leider funktioniert die Uhr nur unzuverlässig, d. h. die Alarmierung klappt nicht immer wie vorgesehen. Hinzu kommt die grosse Hürde beim Kundendienst. Nur eine zentrale Nummer, über welche aber man bei Problemen nicht direkt mit der zuständigen Fachperson verbunden wird, auch in dringenden Fällen nicht. Ich habe mich da schon grün und blau geärgert. Ist man allerdings mal an einem der nächsten Tage mit der zuständigen Fachperson in Kontakt, wird man kompetent und zuvorkommend bedient. Alles in allem besteht aber noch einige Luft nach oben im Service und in der Qualität des Produktes.

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