StartseiteMagazinGesundheitFrüher zählte man Kalorien, heute Tage

Früher zählte man Kalorien, heute Tage

Intervallfasten. Für viele ist dieser neue Ernährungstrend einfach eine Variation mehr, mit der man sich das Essen und damit das schöne Leben vermiesen kann. Wer aber genauer hinschaut – oder sogar mal einen Versuch wagt – merkt bald, dass da biologische Gesetzmässigkeiten eine wichtige Rolle spielen.

Keine Kohlenhydrate, kein Fett, Basenfasten, drei Wochen lang nur gut gekaute Kleiebrötchen und etwas Kräutertee, Fleisch, so viel man will, oder nur Gemüse, am besten Rohkost – die Aufzählung vergangener Diättrends ist noch lange nicht vollständig. Dazu kommen all die Drinks und Pülverchen, die den Hunger stillen oder sogar satt machen sollen. Nicht zu vergessen der neuste Hype, die Abnehmspritze.

Komisch nur, dass trotz aller guter Ratschläge immer noch viele mit gesundheitlichen oder ästhetischen Problemen kämpfen. Alles ausprobiert und doch nicht zufrieden. Mit dem Körper, mit der Gesundheit, mit dem allgemeinen Wohlbefinden. Zudem lauert immer der Jo-Jo-Effekt im Hintergrund, diese fiese Reaktion des Körpers auf die Phasen, wo man sich doch wirklich so richtig kasteit und Verzicht geübt hat.

Zwei Tage oder 16 Stunden

Jetzt also das Intervallfasten. Müsste eigentlich im Plural stehen, denn es gibt zwei Varianten davon: Beim tageweisen Fasten verzichtet man an zwei nicht aufeinanderfolgenden Tagen pro Woche weitgehend aufs Essen. Nicht aber aufs Trinken: Wasser, Kräutertee, ja auch mal einen Kaffee müssen schon sein. Einfach gesagt: Man gönnt seinem Körper eine Pause, denn der ist gar nicht darauf eingestellt, ständig gefüttert zu werden.

Essen nach der Uhr ist gar nicht so schwer – und vor allem gesund.

Viel verbreiteter ist das 16:8-Fasten. Das heisst, jeden Tag wird während acht Stunden gegessen, dann ist 16 Stunden lang Pause. Ein fester Zeitplan ist dabei nicht vorgegeben. Allerdings ist es evolutionsbiologisch sinnvoll, tagsüber zu essen, richtet sich doch der Körper auch nach einer inneren Uhr. Das heisst, tagsüber funktionieren die Organe anders als nachts. Merken alle, wenn sie spät abends noch ein mehrgängiges Menü verdrückt haben: Man schläft schlecht, fühlt sich am Morgen nicht richtig erholt.

Nächtliche Reparaturwerkstatt

Denn in der Nacht wird vor allem regeneriert. Dafür braucht der Körper Ruhe. Die Leber, das wichtigste Entgiftungsorgan, wird aktiv, Blutdruck, Herzfrequenz und Temperatur dagegen gesenkt, der Stoffwechsel heruntergefahren.

Also ist es sinnvoller, morgens, vielleicht nicht allzu früh, ein gesundes, vollwertiges und sogar reichhaltiges Frühstück zu geniessen, später, je nach körperlicher Leistung oder Appetit ein Mittagessen und am späten Nachmittag oder frühen Abend «den Bettler zu Tisch zu bitten». Gemäss der uralten Theorie: Am Morgen essen wie ein Kaiser … . Kennen wir alle

Ein reichhaltiges Frühstück ist ein guter Start in den Tag.

Mit so einem Rhythmus wird die 16-stündige Essenspause auf die Zeitspanne gelegt, die nach Fachleuten wie dem Grazer Molekularbiologen Slaven Stekovic – 2018 erschien sein Buch «Der Jungzelleneffekt» – der Schlüssel für ein gesundes langes Leben ist. Und plötzlich wurde der Begriff «Autophagie» populär, dieser Prozess, der je nach Ansicht «Selbstverstümmelung» oder «Selbstverdauung» bedeutet. Er basiert auf der Annahme, dass der Körper Moleküle, Zellteile oder beschädigte Proteine abbauen und als Energie für neue Zellen verwenden kann.

Mit Nobelpreis ausgezeichnet

Der japanische Zellbiologe Yoshinori Ohsumi erhielt für die Entschlüsselung dieses Phänomens 2016 den Nobelpreis für Medizin. Und wir nutzen jetzt seine Forschung mittels Intervallfasten. Denn dieses zelluläre Recycling verlängert das Leben der Zellen und verhindert so Schäden am Organismus.

Die Autophagie kann Herz- und Gefässkrankheiten, aber auch Diabetes lindern oder ihnen vorbeugen und, so wird vermutet, auch bei Demenz, Tumoren und Multipler Sklerose Wirkung zeigen. Sicher ist, dass mit einer genügend grossen Essenspause das Immunsystem aktiviert und das allgemeine Wohlbefinden gefördert wird.

Tagsüber wird gegessen, aber nachts wird geschlafen. Dann läuft im Körper ein Regenerationsprogramm ab.

Nach dieser Aufzählung ist die Frage, ob mit der 16:8-Methode auch Übergewicht abgebaut werden kann, fast schon irrelevant. Wer acht Stunden lang Fast Food, Süssigkeiten und Frittiertes in sich hineinstopft, wird keine grosse Wirkung feststellen. Dann ist der Körper für den Rest des Tages damit beschäftigt, die schädlichen Substanzen ab- und umzubauen und das körpereigene «Abfuhrwesen» zu aktivieren. Aber mit einer einigermassen gesunden Ernährung wird man bald feststellen, dass man sich wohler fühlt, weniger anfällig auf Infektionskrankheiten ist und besser schläft.

Und, unter uns gesagt, an die 16-stündige Essenspause gewöhnt man sich schnell. Kaffee kann bei Hunger helfen und aktiviert sogar die Autophagie. Und wenn man zu einem Abendessen eingeladen wird? Ist doch kein Problem. Dann vergisst man halt mal die 16:8 Regel und geniesst den Abend.

Eine wichtige Schlussbemerkung: Für ältere Personen ist das 16:8-Stunden-Fasten empfehlenswerter als das Zwei-Tage-pro-Woche-Fasten. Ist einfach besser durchzuhalten und weniger belastend. Also eigentlich gar nicht. Nur Personen mit Essstörungen, mit Untergewicht, Leber- oder Niereninsuffizienz sollten in keiner Weise fasten, sondern regelmässig über den ganzen Tag verteilt essen.

 

 

 

 

 

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