StartseiteMagazinKulturUnvergessliche Reise im Glacier-Express

Unvergessliche Reise im Glacier-Express

Wer eine Reise im Glacier-Express bucht, will etwas Unvergessliches erleben. Und siehe da, von der über achtstündigen Reise von St. Moritz nach Zermatt oder umgekehrt bleibt irgendwas in der Erinnerung hängen.

Da Reisen im Glacier-Express in jeder Jahreszeit bei jedem Wetter stark nachgefragt werden, ist eine Sitzplatzreservation obligatorisch. Mit einem Generalabonnement, einem Swiss Travel Pass oder einer Tageskarte zahlt man nur noch 49 Franken für die Sitzplatzreservation. Zur Feier des Tages ist es aber auch möglich, gegen einen Aufpreis in der Excellence Class zu reisen mit einem Fünf-Gänge-Menu incl. Wein und Fenstersitzplatzgarantie.

Auf der Albula-Linie, die im Jahre 2008 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde.

Je nach Interessen, Motivationen oder Zusammensetzung der Reisegruppe wird die Reise unterschiedlich erlebt und gespeichert. Da gibt es rezeptiv Einsame, die für den Fall, dass sie sich langweilen könnten, einen Gedichtband oder ein anderes Buch mitnehmen, um den vorüberfliessenden Text mit der vorüberfliessenden Landschaft zu kombinieren oder gegeneinander abzugrenzen. Da gibt es kreativ Einsame, die immer was zu schreiben dabeihaben, da Geistesblitze festzuhalten und weiterzuentwickeln sind. Das Alpenpanorama bietet dabei eine alp- oder albtraumhafte Kulisse.

Das berühmte Landwasserviadukt

Andere wollen auf ihrer Reise die Geschichte des Glacier Express erkunden von der Eröffnung der ersten Linie der Rhätischen Bahn von Landquart bis Klosters im Jahre 1889 bis zum neuen Design der Panoramawagen ab 2019 und der Ausstattung mit einem modernen Infotainmentsystem mit Musikkanälen und Reiseinformationen in sechs Sprachen. Wieder andere interessieren sich für die 91 Tunnels oder die 291 Brücken, für bröckelnde Felswände, schwindende Gletscher oder Biodiverses.

Für die Seniorweb-Leserschaft machte ich die Erkundungsfahrt auf dem Glacier-Express Ende Juli bei bewölktem bis bedecktem Wetter, hie und da mal Regen. Es fühlte sich heimelig an, im Zug zu sein, wenn es draussen regnete und die wechselnden Landschaften sind bei jedem Wetter sehr eindrücklich, auch wenn einige Gipfel im Nebel eingehüllt waren.

Der höchste Punkt der Reise: Oberalpass 2033 m.ü.M

In jeder Jahreszeit wird die Landschaft verwandelt. Auf dem Oberalppass im Frühling. 

Bei mehreren Spaziergängen durch die Bahnwagen vernahm ich viele Sprachen vor allem aus dem asiatischen Raum, aber auch aus europäischen Nachbarstaaten, wenig Schweizerdialekt. Ein etwa einjähriges Kind eines niederländischen jungen Paares quengelte immer mal wieder und wollte lieber auf dem Boden rumkrabbeln oder von der Mütter gehätschelt werden als aus dem Fenster schauen. Ein chinesischer Manager machte seine Tagesgeschäfte digital und telefonierte öfters wohl eher geschäftlich. Seine etwa achtjährige Tochter neben ihm versank meistens am Tablet und stupste dem Vater in die linke Bauchseite, wenn sie mal wollte, dass er in die Naturabgründe hinabschaute. Seine älteste Tochter war bereits liiert mit einem Landsmann, der sich stundenlang mit Filmserien vergnügte, aber immer höflich bereit war, aus dem Fenster zu schauen, wenn seine Angetraute ihm was besonders Schroffes aus den Alpen zeigen wollte. Sonst war sie mit der Produktion von Fotos und Filmchen von ihrem Fensterplatz aus beschäftigt, zum Privatvergnügen oder als Andenken für die Lieben zuhause oder auch für den wohl 14-jährigen Bruder, der meinte, auf dem Glacier-Express Englisch-Wörter in alphabetischer Reihenfolge büffeln zu müssen.

Auch für Speis und Trank ist im Glacier Express gesorgt.

In der Excellence Class vermutete ich ein verliebtes Paar, das sich vielleicht zum 50. Hochzeitstag was Besonderes schenken wollte. Ein mittelalterliches Quartett war munter beim Essen und regen Austausch von Geschichten und Anekdoten. Andere Kleingruppen schienen andächtig und dankbar unterwegs, wohlwissend, dass sie zuhause noch lange von diesem erlebnisreichen Tag im Glacier Express werden berichten können.

Das Ende der über achtstündigen Reise naht. Der Glacier-Express vor Zermatt.

Als wir nach gut acht Stunden aus dem Zug ausstiegen, schienen einige abgekämpft und müde, denn wer zu viel und zu lange aus dem Fenster schaut, kann sich dabei überfordern.

Selbstverständlich kann man die Strecke des Glacier-Express auch in Teilstücken befahren in einem gewöhnlichen Zug. Dann braucht es keine Sitzplatzreservation, man kann sich aus dem Rucksack verpflegen und die Fahrt unterbrechen für eine erholsame Wanderung in der wunderbaren Alpenlandschaft.

Titelbild: Kurz vor der Ankunft in Zermatt. Alle Fotos von Stefan Schlumpf von der Website des Glacier-Express 

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