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Entschlacken, entgiften, entlasten

Zu viel. Zu fett. Zu süss. Das ist wohl bei vielen die Bilanz der vergangenen Festtage in Bezug auf die Ernährung. Was gar nicht so schlimm ist. Feste sind da, um gefeiert zu werden. Und dazu gehört auch das Essen. Vernünftig sein, das ist Alltag. Also jetzt.

Leider reicht ein bisschen Masshalten beim Essen nicht aus, um all die ungesunden Reste unserer Schlemmerei wieder loszuwerden. Da muss viel mehr entgiftet und entlastet werden. Das steht in allen einschlägigen Publikationen. Detox heisst das Zauberwort.

Eigentlich ist es ja einfach. Wir alle wissen, was gesundes Essen ist: Viel Gemüse und Obst, Proteine und Kohlenhydrate in vernünftigen Mengen. Industriell verarbeitete Lebensmittel ebenso einschränken wie den Konsum von geräuchertem und gepökeltem Fleisch. Und Zucker so verwenden, wie ganz früher, als er noch ein Luxusgut war. Also sehr, sehr sparsam.

Nach den kulinarisch üppigen Festtagen sollte der Körper entlastet werden. Deshalb bitte Rollschinken und Co. nur noch so, als Illustration, geniessen.

Aber so einfach macht es uns die Gesundheitsindustrie nicht! Da werden Horrorszenarien herauf beschworen von Schwermetallen in den Organen, einer Fettleber, die bald ihren Geist aufgibt, von Blut, das von giftigen Substanzen geflutet wird und von Darm und Nieren, die hoffnungslos überlastet sind. Und alles wegen des Rollschinkli, des Fondue Chinoise, der Weihnachtsguetzli und der Schokolade, die in Form von Truffes und Pralinés genossen wurden. Vom Alkohol gar nicht zu reden. Aber dazu kommen wir am Freitag.

«Wellnessen» und «detoxen»

Was also tun mit unserem geschundenen Organismus? Entschlacken und entgiften wird empfohlen. Vor allem auch von dafür spezialisierten Hotels und Kliniken. Dort gibt es für viel Geld wenig zu essen und dafür «Anwendungen», die uns fast wieder wie neu machen. Ich habe vieles davon auch schon genossen: die Massagen, die «Detox- Bäder», die sich vom Wasser in der heimischen Badewanne im Wesentlich durch die schwimmenden Rosenblätter unterscheiden, die frühmorgendlichen warmen Leberwickeln. Alles sehr angenehm.

Ein duftendes «Detox»-Bad wäre auch im heimischen Badezimmer möglich. Nur die frischen Rosenblätter, die würden wahrscheinlich fehlen. 

Nur auf die «Darmsanierung» mittels Einlauf, auf die habe ich jeweils verzichtet. Erstens, weil das eine unangenehme Prozedur ist und zweitens, weil ich mir nicht vorstellen kann, weshalb das letzte Stück des doch etwa eineinhalb Meter langen Dickdarms mit seinem gut funktionierenden Mikrobiom, seiner ganz individuellen Zusammensetzung der Darmbakterien, gereinigt werden sollte. Aber sonst: Alles gut. Sogar die Klangschalen auf dem Bauch waren angenehm.

Horrorszenarien

Wenn da nur der pseudowissenschaftliche Überbau nicht wäre! Dass wir durch die Nahrung und die ganze Umweltbelastung Schadstoffe aufnehmen, ist unbestritten. Dass es zu Ablagerungen in Gewebe und Gelenken kommen kann, auch. Man denke nur an Gicht, Kalk, Cholesterin, das zu Arteriosklerose führt oder Hyperglykämie, also zu hohe Blutzuckerwerte. Aber wie eine «Entschlackung» dieser Stoffe mittels Tees, Pülverchen, Pillen oder Pilzen funktionieren soll, dafür gibt es keine randomisierten, wissenschaftlichen Untersuchungen.

Ob damit Schlacken aus dem Körper entfernt, das Blut gereinigt oder Zivilisationsschäden eliminiert werden können?

Unsere Körper sind keine Stahlwerke, aus denen Schlacken, also bei der Verbrennung anfallende Rückstände, entfernt werden müssen. Und auch keine Waschmaschinen, die mit Pillen oder Tee als «Waschpulver» Giftstoffe aus Gewebe oder Blut herausspülen. Wenn versprochen wird, dass mit einem Medikament zum Beispiel eine Fettleber, eine über Jahre sich verschlimmernde Zivilisationskrankheit, die gravierende Folgen haben kann, «entleert» und damit entlastet werden kann, dann ist das einfach, sorry, Humbug.

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Eine Fettleber entsteht langsam. Alkohol, eine falsche Ernährung – zu viele Kohlenhydrate, vor allem Zucker – natürlich auch übermassiger Fettkonsum, Übergewicht und zu wenig Bewegung machen krank. Mit einer Ernährungsumstellung und Verzicht auf Alkohol können sich die Leberwerte langsam wieder verbessern. Empfohlen werden auch tagsüber Essenspausen von etwa vier Stunden, damit sich die Leber erholen kann. So kann auch einer Diabetes Typ 2 vorgebeugt werden, einer Folge des nicht mehr leistungsfähigen, verfetteten Organs. Eine Fettleber zu kurieren, braucht also Zeit, Verzicht und Disziplin. Da hilft kein «Wundermittel».

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Aber, und das ist beruhigend, ein gesunder Organismus kann in einem gewissen Rahmen auch eine nicht optimalen Ernährung verkraften. Mit etwas Unterstützung natürlich. Das heisst Bewegung, Sport und frische Luft – und eine grosse Portion Lebensfreude. Und da kommen die Wellnessklinken durchaus wieder ins Spiel: Wer sich eine oder zwei Wochen lang verwöhnen lässt, sich mit allerlei duftenden Ingredienzien massieren oder darin einwickeln lässt, frische Säfte und leichtes Essen vorgesetzt bekommt, der entlastet Körper und Seele und dem geht es nachher ganz sicher besser.

Sich von kundigen Händen massieren zu lassen, das ist Erholung pur. (Alle Bilder pixabay)

Dazu kommt: Wir alle, die Seniorweb gestalten oder konsumieren, sind nicht mehr ganz jung. Dass unsere Umwelt, die Luft- und Wasserqualität, der Anbau der pflanzlichen, aber auch die Produktion der tierischen Lebensmittel rationell nur noch mit chemischer Unterstützung möglich ist, das macht uns nicht gesünder. Dass im Gegenzug die Medizin und Forschung nur schon in den letzten 50, 60 Jahren so grosse Fortschritte wie noch nie gemacht haben – Stichwort gestiegene Lebenserwartung – lässt sich allerdings auch nicht wegdiskutieren. Deshalb: Tragen wir uns Sorge, leben wir trotz kleiner «Sünden» vernünftig, wenigstens die meiste Zeit des Jahres – und geniessen wir das Leben.

 

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1 Kommentar

  1. Schade, Frau Reichlin, dass Sie den Einlauf, die Darmspühlung schlecht reden. Anscheinend ist Ihnen deren Handhabung unklar und die wohltuende Bedeutung nicht bewusst. Mit einer Darmspühlung, bei der man bis zu 2 l Wasser einfliessen lassen kann, die dann bis weit in den Darm einlaufen wird der Dickdarm weitgehend gereinigt. Die alte Darmflora mit schädlichen Mikroben wird ausgespült und für eine neue, saubere Darmflora bereit. Eine Darmspühlung kann eine anziehende Erkältung vorbei ziehen lassen, kann Kopfschmerzen heilen und wieder zu einem normalen Stuhlgang führen. Wenn sie richtig gemacht wird, ist sie angenehm und führt zu einen allgemeinen Wohlbefinden.

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