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Russland: tiefste Barbarei und höchste Zivilisation

Putin gibt nicht nach. Im Gegenteil: Er geht immer brutaler gegen die ukrainische Zivilbevölkerung vor. Er legt das Land, das er zu erobern versucht, systematisch in Schutt und Asche. Selbst die Kälte hat er militarisiert, um die Menschen zu zermürben und Präsident Selenskyj (48) in die Knie zu zwingen. Am 24. Februar 2026 jährt sich seine zynisch «militärische Spezialoperation» genannte Invasion zum vierten Mal. Ein Jahrestag, den wir bewusst begehen sollten.

Wann begreifen die Mächtigen dieser Welt endlich, dass Krieg nicht länger als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln taugt, wenn am Ende Atomwaffen im Spiel sind? Im Sommer 1989 proklamierte der amerikanische Politologe Francis Fukuyama (73) in einem vielbeachteten Essay den Sieg des Liberalismus. Kurz darauf fiel die Berliner Mauer. Sein 1992 erschienenes Buch «Das Ende der Geschichte» wurde zum Weltbestseller. Doch die Annahme, der Liberalismus werde sich global durchsetzen, erwies sich als Trugschluss. Die Ernüchterung ist greifbar. Nicht nur der Liberalismus, auch die Demokratien stehen unter Druck. Ja, die gesamte regelbasierte Weltordnung ist in Gefahr.

Am 24. Februar 2022 war es so kalt wie heute. Putins (73) Ziel schien klar: Innerhalb von 48 Stunden sollte alles entschieden sein. Wolodymyr Selenskyj sollte vertrieben oder getötet, die Ukraine von angeblichen «Nazis» befreit, eine moskautreue Regierung installiert werden.

Man erinnert sich an den russischen Helikopterschwarm, der am ersten Kriegstag Richtung Flughafen Kiew-Hostomel vorstiess. Und von der vorbereiteten ukrainischen Verteidigung überraschend abgefangen wurde. An die 60 Kilometer lange Kolonne russischer Militärfahrzeuge vor Kiew, ein leichtes Ziel, das durch Drohnenangriffe und logistische Fehlplanung zum Symbol des Scheiterns wurde. Und an Selenskyjs Antwort auf das amerikanische Angebot zur Evakuierung: «Ich brauche keine Mitfahrgelegenheit. Ich brauche Waffen.»

Seit 2019 ist Selenskyj im Amt. Seit diesem Bekenntnis zu seinem Land hat er Anfeindungen, Korruptionsvorwürfe und politischen Druck überstanden. Weder von Trump noch von Putin liess er sich in die Knie zwingen.

Seit vier Jahren stemmt sich die ukrainische Armee gegen Putins Übermacht. Mit aller Gewalt versucht dieser, nach Westen vorzurücken, sein Imperium auszudehnen und die Ukraine dem «dekadenten Westen» zu entreissen. Doch trotz massiver Zerstörung kommt er nicht entscheidend voran. Selbst die gezielte Zerstörung der Energieinfrastruktur – die Militarisierung des Winters – hat den Widerstand nicht gebrochen. Der Schriftsteller Sergei Gerassimow berichtet in der NZZ aus Charkiw vom Alltag unter Beschuss und formuliert bitteren Sarkasmus: Es sei wahrscheinlicher, dass Epstein heiliggesprochen werde, als dass Putin jemals sein Wort halte.

Trotz unermesslicher Belastungen bleibt der Widerstandswille der Bevölkerung bemerkenswert. Die Armee ist erschöpft, aber nicht gebrochen. Zeitweise verschaffte westliche Technologie der Ukraine entscheidende Vorteile. Etwa durch Satellitenaufklärung, die russische Bewegungen transparent machte und Gegenoffensiven ermöglichte.

Die Verluste sind auf beiden Seiten verheerend. Offizielle Zahlen fehlen. Geheimdienste schätzen, dass Hunderttausende russische Soldaten und Söldner gefallen sind. Auch die Ukraine beklagt enorme Opferzahlen. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch.

Donald Trump (80) fordert wiederholt «Frieden – jetzt». Doch Frieden um welchen Preis? Sollte Selenskyj den Donbass preisgeben? Ein «grosser Deal» zwischen Washington und Moskau – etwa über seltene Erden – würde die territoriale Integrität der Ukraine untergraben und ein fatales Signal senden.

Europa steht deshalb vor einer historischen Bewährungsprobe. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (70) findet deutliche Worte: «Wir erleben Russland in einem Zustand tiefster Barbarei.» Er erinnert an den französischen Historiker Astolphe de Custine, der im 19. Jahrhundert schrieb: «Russland ist für den Beobachter das merkwürdigste Land, weil man in ihm die tiefste Barbarei neben der höchsten Zivilisation findet.» Treffender lässt sich der Widerspruch kaum beschreiben.

Ein geeintes Europa muss der Ukraine beistehen, politisch, wirtschaftlich, militärisch. Auch die Schweiz kann sich dieser Verantwortung nicht entziehen. Ein zivilisiertes Russland ist in Europa jederzeit willkommen. Doch dafür müsste Putin der Barbarei abschwören, den Krieg beenden, seine Truppen aus der Ukraine zurückziehen.

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2 Kommentare

  1. Unsere Friedensgebete jede Woche an einem anderen Ort in unserem Pastoralraum, möge trotz allem, wirken, wie ein Tropfen auf einen heissen Stein. Viele Tropfen ergibt einen Wasserstrahl. Alle Anwesenden haben sich speziell heute Abend, innig mit den je eigenen Worten – im Friedensgebet vereinigt. Meine Ukrainischen Nachbarn habe ich so unterstützt, Mit Ihnen Bewerbung geschrieben, was sie bisher arbeiteten. ich haben Ihnen in der Umgebung die Orte gezeigt, Adressen. Seither arbeitet Mann in Verzinkerei, Frau in Wäscherei, die andere Frau im Gastrobetrieb. Leider sind in diesen Produktionsbetrieben alle Sprachen vertreten; nur keine deutschsprachige. Die Zeit reicht maximum für 2 deutsch Lektionen. Ich spiele mit ihnen UNO oder SKIPO (ohne Handy Übersetzung! – wichtig!) Ich kann kein Ukrainisch, kein Polnisch, kein Arabisch. Zahlen sind auf der ganzen zivilisierten Erde gleich. Ich lade Sie ebenfalls ein zu spielen.

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