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Bilder hinter Glas gemalt

Die Technik klingt spektakulär. Da werden Glasplatten von hinten auf der Rückseite bemalt, damit sie von vorne betrachtet werden können. Hinterglasmalerei heisst das und ist eine Jahrhunderte alte Technik mit langer Tradition. Nun rückt eine Ausstellung im NidaldnerMuseum Winkelriedhaus in Stans die Kunstgattung in ein neues Licht.

Übernatürliches Licht, Spiegelungen, leuchtende Farben, Nachtlandschaften und Heilige: Die aktuelle Ausstellung zeigt – ausgehend von der Blütezeit der Hinterglasmalerei in der Zentralschweiz im 18. Jahrhundert – Werke aus fünf Jahrhunderten.


Esther Wicki-Schallberger, Glasglocken, Farbe hinter Glas

Die Ausstellung vereint aktuelle und historische Hinterglasgemälde. Werke von Romuald Etter, Silvia Gertsch, Flavio Micheli und Esther Wicki-Schallberger begegnen Werken von Robert Zünd, Franz Amstad und kostbaren Gemälden der Künstlerfamilien Abesch und Meyer.


Romuald Etter, Heidiland, 2023, Öl und Stoff auf Glas; Öl und Acryl und Stoff hinter Glas

Esther Wicki-Schallbergers Objekte und Gemälde stehen wie die Hinterglasmalereien von Franz Amstad (1892 – 1961) in der Tradition der religiösen Volkskunst. Flavio Micheli ist mit grossformatigen abstrakten Malereien hinter Opalglas vertreten. Eine Auswahl von kostbaren Hinterglasgemälden der Künstlerfamilien Abesch aus Sursee und Meyer aus Grosswangen repräsentiert die Blütezeit dieser Kunst in der Zentralschweiz im 18. Jahrhundert.


Romuald Etter, B’halt’s für dich, 2022, Öl auf Glas: Öl und Acryl hinter Glas

Hinterglasmalerei – historische und aktuelle – zeichnet sich aus durch eine intensive, emailartige Farbigkeit, durch eindrückliche Lichtwirkungen und durch ausgeprägte Spiegelungen, die Umgebung und Betrachtende einbeziehen.


Franziska Zülly (1832-1892) Salome mit de Haupt Johannes des Täufers

Im späten 17. und 18. Jahrhundert kommt es mit dem Schaffen der Künstlerfamilien Abesch aus Sursee und Meyer aus Grosswangen zu einer Blütezeit der Hinterglasmalerei in der Zentralschweiz. Als bedeutendste Vertreterin gilt Anna Barbara Abesch (1706 – 1773). Als Tochter von Johann Peter Abesch (1666–1731) erhielt Anna Barbara ihre künstlerische Ausbildung sehr wahrscheinlich im väterlichen Atelier.


Robert Zünd (1827-1909), Die Rückkehr des verlorenen Sohnes um 1870

Ihr erstaunlich grosses Oeuvre – es haben sich rund 300 Werke erhalten – legt den Schluss nahe, dass sie eine Werkstatt mit mehreren Angestellten führte und eine erfolgreiche Geschäftsfrau war, die über ein weitverzweigtes Beziehungsnetz verfügte. Zu ihren Auftraggebern gehörten bedeutende Klöster, Kirchen, Geistliche und Adelsfamilien in der Region, aber auch im nahen Ausland.


Anna Barbara Abesch (1706-1773) Madonna mit der Weintraube,1754

Die Hinterglasgemälde der Brüder Leodegar (1718 –1792) und Johann Crescenz Meyer (1735 – 1824) aus Grosswangen sind in Maltechnik und Stil den Werken von Anna Barbara Abesch sehr ähnlich. Silvia Gertschs Serie Handy Girls zeigt Porträts junger Frauen, die hochkonzentriert auf ihre Smartphones blicken. Der Widerschein der Bildschirme legt sich auf die Gesichter und taucht sie in geheimnisvolles Licht. Handy und junge Frau verschmelzen zu einer Einheit, die ein Mysterium zu bergen scheint.


Nikolaus-Franz Amstad (1892-1961), Bruder Klaus, Farben, Silberfolie und Papier hinter Glas

Auch die Heiligen in den historischen Hinterglasgemälden sind in übernatürliches Licht getaucht. Sie bilden mit der Lichtquelle, die anders als das Handy ausserhalb der menschlichen Sphäre liegt, eine mystische Einheit. Romuald Etters Petits Cauchemars sind mit gestischem Pinselstrich gemalte innere Nachtlandschaften. Bilder aus Albträumen verbinden sich mit nahen und fernen Räumen, die im Dunkel der Nacht liegen, zu einem Zustand zwischen Traum und Realität.


v.l. Peter Anton Abesch, Anna Barbara Abesch, Johann Crescenz Meyer

Auch Silvia Gertschs Night Walks, die wie Filmstills wirken, lassen augenblicklich das Untergründige und Mysteriöse anklingen. Die Hinterglasgemälde von Silvia Gertsch und Romuald Etter treffen in der Ausstellung auf kleinformatige, expressive Ölskizzen des Luzerner Landschaftsmalers Robert Zünd (1827 – 1909) und auf barocke Darstellungen der Kreuzigung und des toten Christus im Grab. Esther Wicki-Schallbergers Objekte und Gemälde nehmen wie die Hinterglasmalereien von Franz Amstad (1892 – 1961) Bezug auf die Tradition der religiösen Volkskunst. Esther Wicki-Schallberger ist eine passionierte Sammlerin. Mittels Assemblage und Collage kombiniert sie Fundobjekte, Naturmaterialien und Erinnerungsstücke und legt in überraschenden neuen Kombinationen poetische und surrealistische Bedeutungsebenen frei.
Die Ausstellung dauert bis 7. Juni 2026
Fotos: Josef Ritler

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