Simon Starling, Künstler der Nachhaltigkeit, kommuniziert mit Werken von Adolph Menzel und Caspar Wolf im Kunstmuseum Winterthur.
Die Schau mit Werken von Simon Starling im Kunst Museum Winterthur I Am Stadtgarten wurde vom Museumsdirektor Konrad Bitterli und Andrea Lutz kuratiert. Der englische Künstler Simon Starling (*1967) widmet sein Schaffen der Nachhaltigkeit, Ökologie und Ökonomie. Wiederholt wendet er sich auch Meisterwerken der Kunst- und Kulturgeschichte zu. Kunstwerke aus der Vergangenheit inspirieren ihn genauso wie Fiat und Piaggio zu seinen Installationen.
Simon Starling, Mind MapPin Board / The Pencil of Menzel and The Path on the Wolf, 2021
Besonders fasziniert ist Starling vom Maler Adolph Menzel (1815-1905), der als Ambidexter mit beiden Händen gleich geschickt arbeiten konnte. Darauf bezieht sich die Skulptur beim Museumseingang mit dem langen Ausstellungstitel: The Artist, Wearing a Mask of Adolph Menzel, Holds Plaster Casts of the Ambidextrous German Painter’s Left and Right Hands (Der Künstler, eine Maske von Adolph Menzel tragend, hält Gipsabdrücke der linken und rechten Hand des beidhändigen deutschen Malers).
Simon Starling (links) und Konrad Bitterli (rechts) vor der Skulptur «The Artist, Wearing a Mask of Adolph Menzel, Holds Plaster Casts of the Ambidextrous German Painter’s Left and Right Hands», 2025-2026.
Die abstrakte Stahlfigur in Simon Starlings Grösse trägt eine Maske des längst verstorbenen Menzels auf Brusthöhe und weist so auf dessen kleine Köpergrösse von 137 Zentimetern. Die aus Leder geformten Hände von Starling umfassen Gipsabgüsse von Menzels Händen, die noch zu dessen Lebzeiten entstanden waren. In der Rechten hält er den Pinsel, in der Linken den Zimmermannsbleistift.
Simon Starling, «Ritterstrasse 43», 2021. Das Foto im Hintergrund zeigt den Ausblick aus Menzels Atelierfenster heute, davor das Faksimile von Menzels gleichnamigen Bild mit demselben Ausblick von Mitte des 19. Jahrhunderts.
Das Kunst Museum Winterthur besitzt mehrere Bilder von Adolph Menzel, so auch Berliner Hinterhäuser im Schnee (1847/1848). Die Ölskizze Rittergasse 43, der Ausblick aus Menzels Atelierfenster in Berlin, liess Simon Starling hochauflösend in 3D einscannen, inklusive Rahmen mit Wurmlöchern. Das monumentale dreidimensionale Faksimile von 229 x 330 x 37 Zentimetern steht eingespannt zwischen Decke und Boden frei im Ausstellungsraum. Ein kleineres Faksimile erscheint kombiniert mit einer Fotografie des heutigen Ausblicks von Menzels Atelierfenster aus.
Simon Starling, One Ton III (A Restoration Project / after Jules Beck), Installation
Starling ist ein leidenschaftlicher Fahrradfahrer, daher sind seine Werke oft mit dem Zurücklegen von Distanzen verbunden. Sein selbstkonstruierter Veloanhänger spielt in der Installation One Ton III (A Restoration Project / after Jules Beck) eine besondere Rolle. Mit diesem hatte er mehrere Abzüge historischer Gletscheraufnahmen des Schweizer Fotografen Jules Beck (1825-1904) aus dem Jahr 1879 vom ALPS Alpines Museum der Schweiz in Bern ins Engadin gefahren. Hier war das Werk im Rahmen der an mehreren Orten der Schweiz in unterschiedlichen Versionen gezeigten Ausstellung Schau, wie der Gletscher schwindet 2024 zu sehen. Für die Winterthurer Ausstellung transformierte Starling den multifunktionalen Anhänger im Sinne der Kreislaufwirtschaft in einen Präsentationsständer für die ausgestellten Prints, der Rest ist samt Fahrrad Teil der Installation.
Johann Heinrich Wüest (1741-1821), Rhonegletscher, 1772
Die historischen Gletscherfotografien von 1879 setzt Starling in einen Dialog mit den ältesten Gletscherdarstellungen der Schweizer Maler Felix Meyer (1653-1713), Caspar Wolf (1735-1783) und Johann Heinrich Wüest (1741-1821). Diese erscheinen hier nicht allein als Kunstwerke, sondern fokussieren im Zusammenhang mit der Installation auf die Klimaveränderung und des damit einhergehenden Gletscherschwundes seit über dreihundert Jahren.
Fotos: rv
Bis 5. Juli 2026
Simon Starling, The Artist Wearing a Mask of Adolph Menzel, Holds Plaster Casts of the Ambidextrous German Painters’s Left and Right Hands (and Other Interventions), im Kunst Museum Winterthur I Reinhart am Stadtgarten
Broschüre zur Ausstellung, Winterthur 2026
