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Tertianum kann Senevita vorläufig nicht kaufen

Die Altersheimkette Tertianum möchte Senevita übernehmen. Doch nun will die Besitzergruppe von Senevita vom Kaufvertrag zurücktreten. Über den Rückzug entscheidet die Justiz.

Ende Dezember kündigte die Altersheimkette Tertianum an, dass sie Senevita übernehmen werde. Die Rede war von einem Preis von 270 Millionen Franken. Die Medien und auch Seniorweb orientierten, dass dies für die Altersheimbranche ein grosser Schritt sei. Durch den Zusammenschluss würde Tertianum eine marktbeherrschende Stellung erreichen.

Aus dieser Verbindung wird nun wenigstens vorläufig nichts. In einer Medienmitteilung schrieb Tertianum, dass die Eigentümerin der Senevita-Gruppe den Vertrag nicht ratifizieren wolle. Tertianum will den Rückzug nicht akzeptieren und hat beim Handelsgericht Zürich eine Klage eingereicht.

Die Besitzerin von Senevita ist die in Paris residierende Emeis SA. Gemäss Tamedia begründete die Gesellschaft den Rückzug mit einem Strategiewechsel. Sie habe festgestellt, dass der Verkauf von Senevita nicht mehr den Interessen des Unternehmens entspreche.

Der Besitzer von Emeis und damit von Senevita hiess bis 2024 Orpea. Der international tätige Pflegekonzern stand 2022 unter massiver Kritik. Dem Unternehmen wurde vorgeworfen, Bewohner und Personal schlecht zu behandeln und Hygienestandards zu missachten. Orpea bestritt die Anschuldigungen. Auch um das schlechte Image loszuwerden, bekam Orpea 2024 mit Emeis einen neuen Namen. Seither sind keine neuen Probleme aufgetaucht.

Die aktuellen Standorte von Tertianum. Mit der Übernahme würde das Netz wesentlich dichter.

Tertianum beschäftigt etwa 6000 Arbeitnehmende. Diese betreuen 10`000 Personen. Die Gruppe hat 140 Heimstandorte. Mit der Übernahme von Senevita würde die Tertianum-Gruppe massiv grösser. Bei Senevita sind rund 3000 Personen beschäftigt.

Die nun vorläufig gescheiterte Übernahme reiht sich ein in die Wachstumsstrategie von Tertianum. 2024 erzielte das Unternehmen 750 Millionen Franken Umsatz. Senevita erreichte etwa 350 Millionen. Das Immobilienunternehmen Swiss Prime Site verkaufte Tertianum 2019 an Capvis, eine Private- Equity-Gesellschaft. Solche Investorengruppen mit privatem Beteiligungskapital bezwecken langfristige Wertsteigerungen. Sie erreichen dies durch gute Abschlüsse und Renditen. Wenn dies gelingt, ist anzunehmen dass Capvis die Tertianum-Kette in einigen Jahren weiterverkauft.


Kommentar

Es geht um viele Millionen. Aber eigentlich gehts um Menschen.
Zu sagen haben diese allerdings rein gar nichfs. 

Weil sich die Senevita-Besitzer sträuben, kann Tertianum die kleinere Senevita-Gruppe mindestens vorläufgig nicht übernehmen.

Was meinen eigentlich die Heimbewohner und das Personal? Niemand befragt sie. Niemand wird sie befragen. Das ist auch in verwandten Bereichen so. Als der internationale Spitalkonzern Mediclinic 2007 die Hirslanden-Gruppe übernommen hat, war die Meinung der Beschäftigten ebenfalls kein Thema. Das ist zwar bedauerlich, aber bei unserem Gesundheitssystem halt üblich.

Gäng wie gäng ist noch kein gutes Argument. Dazu kommt, dass die Gewerkschaften das Altersheimpersonal nicht vertreten. Nicht vertreten können. Von den rund 9000 Beschäftigten sind bloss ein paar hundert organisiert. Die beiden Verbände Unia und VPOD haben so wenige Mitglieder, weil in der Langzeitpflege viele Frauen und Ausländerinnen arbeiten und weil der Personalwechsel gross ist.

Bei einem Fussballklub können die Spieler nicht entscheiden, wem sie gehören. Das ist auch in der Heimbranche so. Ein Teil unserer horrenden Gesundheitskosten entsteht, weil vor allem die Kapitalgeber ihre finanziellen Interessen vertreten können.

Investoren wollen Renditen erwirtschaften. Gute Altersheime wollen, dass es ihren Bewohnenden gut geht, und dem Personal die Arbeit erleichtern. Schöne Gewinne interessierenn weder das Personal noch die Bewohnenden.

Link: Seniorweb informierte über den beabsichtigten Verkauf ausführlich

Bilder: zvg

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