«Das Beste aus Deinem Geld herausholen» lautet das Versprechen der Firma Selma Finance AG aus Zürich. Das Unternehmen unterscheidet sich in mehrerlei Beziehung von einer Bank. Alles läuft online – und damit nicht zuletzt kostengünstiger.
Der erste Eindruck fällt etwas zwiespältig aus. An der Hardturmstrasse 161 in Zürich, wo sich der Sitz der Selma Finance AG befindet, ist kein Klingelschild unter diesem Namen zu entdecken. Nur ein Logo unter vielen anderen an der Eingangswand lässt darauf schliessen, dass man sich nicht in der Adresse geirrt hat.
«Sie sind eine Ausnahme», sagt Patrik Schär zum Journalisten. «Wir empfangen in aller Regel keine Leute hier». Schär (41) amtiert als CEO und Gründungsvater dieser Firma, welche er 2016 zusammen mit drei Kollegen aus Finnland auf die Beine gestellt hat.
Die fehlende physische Präsenz von Mitarbeitenden am Sitz hat ihren einleuchtenden Grund: Bei der Selma Finance AG handelt es sich um eine reine online Geldanlageplattform. Das Unternehmen will neue Massstäbe in der Vermögensverwaltung setzen. Die rund 20 Beschäftigten arbeiten irgendwo, nicht nur am Sitz in Zürich.
Persönlicher Investmentmix
Wer dieser Firma sein Geld anvertraut – und das sind laut Schär inzwischen rund 16 000 Kundinnen und Kunden mit einem Volumen von rund 450 Millionen Franken – erhält einen persönlichen Investmentmix, der von Selma gemanagt wird. Einen Berater oder eine Beraterin trifft man zwar nicht persönlich. Aber die Investment Crew sei rund um die Uhr jederzeit via online Chat oder E-Mail zu erreichen.
Eine wichtige Rolle spielt die Künstliche Intelligenz (KI). KI analysiert die finanzielle Situation, die Risikobereitschaft sowie bestehende Anlagen von Kundinnen und Kunden, um dann massgeschneiderte Anlagestrategien und Tipps zur individuellen Optimierung des Vermögens zu generieren.
Nach individuellen Bedürfnissen
Selma Finance optimiert, kauft und verkauft Anlagen. Das Geld der Kundschaft wird gemäss Patrik Schär nach individuellen Bedürfnissen investiert; der eine möchte vielleicht möglichst lange und konstant von einer bestimmen Geldsumme leben. Jemand Anderes verfüge über ansehnliche Reserven und sei bereit, gewisse Risiken einzugehen. «Jeder braucht seine eigene Anlagestrategie. Wie man sein Geld anlegt, sollte nicht nur auf den Finanzmarkt abgestimmt sein, sondern auch zur momentanen Lebenssituation passen.»
Um herauszufinden, was für jemanden das Beste ist, kommt Selma zum Zug, die digitale Investmentassistentin. Sie stellt als erstes Fragen; Wieviel Geld man bereits auf der Seite hat, ob besondere Wünsche für die Zukunft vorliegen, wie die familiäre Situation aussieht, u.s.w. Darauf aufbauend wird die Risikoaffinität eruiert und der beste Mix an Anlageprodukten zusammengestellt.
Basierend auf diesen Angaben erhalten Anleger ein breit diversifiziertes, sogenanntes ETF-Portfolio (börsengehandelter Indexfonds, welcher der Risikostreuung dient), abgestimmt auf die individuellen Ziele und den Zeithorizont, der bei älteren Menschen naturgemäss oft kleiner ist.
Wenn sich jemand schon im Ruhestands oder kurz zuvor befindet, aktiviert Selma automatisch den Ruhestandsmodus. Die Folge; «Eine altersgerechte Strategie mit einem höheren Anteil an Schweizer Anlagen, weniger Risiken und auf Wunsch automatischen monatlichen Auszahlungen direkt auf das Konto.»
Wir sind keine Bank, aber…
«Aber wollen Kundinnen und Kunden wirklich nur digital über ihre Geldangelegenheiten verhandeln und entscheiden?», frage ich als Senior. Ältere Menschen tun sich mit dieser Vorstellung (noch) ein bisschen schwerer als jüngere und bevorzugen den persönlichen Kontakt, gerade wenn es um höhere Summen geht.
Patrik Schär versteht die (Sicherheits-)Bedenken, hält sie aber für ungerechtfertigt. «Wir sind zwar keine Bank. Allerdings erhalten Investoren einen sicheren Investment-Account bei unserer Partnerbank», stellt er klar. Anlagen und Cash vom Anlagekonto liegen bei der Saxo Bank (Schweiz) AG und die Investments sowie das Cash vom 3a Konto bei der VZ Depotbank AG. Diese beiden Schweizer Banken seien wie alle anderen Banken hierzulande reguliert und befänden sich genau wie Selma selber unter der Oberaufsicht der Finma (Finanzmarktbehörde).
Ein Insolvenzrisiko bestehe nicht. Kundengelder lägen nicht direkt beim Selma, sondern bei der Partnerbank. Vermögenswerte werden Im Weiteren bei der Finma-regulierten Saxo Bank (Schweiz) als Sondervermögen auf den eigenen Namen aufgeführt. Bei einem Konkurs von Selma bleibe das Geld geschützt.
Mehrere Vorteile
Via Video-Chats sehe man zudem durchaus, mit wem man es zu tun habe. Viele Menschen würden eine solche Form des digitalen Austausches gegenüber einer persönlichen Präsenz auf einer Bank heute vorziehen, gibt sich Patrik Schär überzeugt. Und er liefert auch gleich ein paar Argumente: Man spare sich den Weg den Weg zur Bank, könne ohne Zeitdruck und auch wiederholt jede erdenkliche Frage stellen und müsse nicht zu den Bürozeiten der Bankinstitute präsent sein. Ein Bankkonto lasse sich ganz einfach über ein Konto direkt in der APP ohne Papierkram in wenigen Minuten eröffnen.
Aber der letztlich wohl grösste Vorteil für Anleger: Weil bei Selma hohe Ausgaben wie etwa für eine Firmenrepräsentanz wegfallen, könne sie günstigere Konditionen als Banken bieten. Im Vergleichstest des Konsumentenmagazins K-Geld erzielte Selma unlängst die höchste Nettorendite nach Kosten bei gleichzeitig tiefsten Gebühren – und belegte damit den ersten Platz unter allen getesteten Anbietern.
Titelbild: Patrik Schär, CEO und Gründungsvater von Selma Finance AG
