Kürzlich stand ein Bekannter vor unserer Wohnungstür und bemerkte ziemlich überrascht zu meinem Mann: «Ach, Du bist wohl doch nicht beschäftigt?» Auf unsere Bitte, uns dies zu erklären, erzählte er uns eine fast unglaubliche, sich aber leider immer öfter wiederholende Geschichte.
Auf seinem Handy hatte er eine (vermeintliche) Text-Nachricht von mir erhalten, ich bräuchte Hilfe, es gehe um rund 3000 Franken, teilte ich angeblich mit. Er schrieb zurück, so schnell sei ihm das nicht möglich, mein Mann könne doch sicher aushelfen. Dieser sei grad beschäftigt, soll ich geantwortet haben. Weshalb sich mein Bekannter gleich persönlich zu uns aufmachte, um diese doch langsam verdächtige Aussage zu prüfen.
Es stellte sich heraus, dass mein Name benutzt worden war (allerdings mit einer anderen Telefonnummer als meine), um schnell zu Geld zu kommen. Interessant dabei war wohl, dass ich die Nummer des Bekannten zwar auf meinem Pult liegen hatte, nicht aber im Telefon gespeichert. Wie also entstand die Verbindung von mir zu ihm durch eine Drittperson?
So oder anders: Ich ärgere mich über solche Aktionen masslos. Denn wem darf man noch trauen, mit wem soll und darf man risikolos kommunizieren? Und ich weiss, mit zunehmendem Alter kann es immer schwieriger werden. Zu schnell, zu raffiniert gehen Betrüger vor. Auch wenn ich bislang einigermassen verschont blieb, respektive schnell genug richtig reagieren konnte – wer garantiert mir, dass ich es auch die nächsten Male tun werde?
Es handelt sich bei solchen Anrufen meistens um Kriminelle, die einen in der Regel um eigenes Geld bringen wollen. Und häufig täuschen die Betrügerinnen und Betrüger Schweizer Nummern vor, rufen aber tatsächlich aus dem Ausland an. Spoofing nennt man das, wenn Kriminelle ihre eigene Telefonnummer verschleiern und stattdessen eine andere Nummer – eben beispielsweise eine private oder eine Bank-Telefonnummer – anzeigen. Hier wurde mit einer fremden Nummer, dafür aber mit meinem Namen operiert. Mein Bekannter hat insofern richtig gehandelt, als er sich bei mir persönlich erkundigte, ob ich tatsächlich Hilfe nötig hätte. Leider ist eine solche Prüfung nicht immer möglich. Auflegen, blockieren und nicht mehr antworten wäre dann eine weitere – häufig nützliche – Möglichkeit.
Im Zeitalter der vielen online-Zugänge auf zahlreichen Kanälen wird es immer schwieriger, sich gegen solche Angriffe zu schützen. Von Schock-Anrufen, respektive Enkeltrick-Anrufen ganz zu schweigen. Unsicherheit wird schnell kriminell ausgenützt. Wie also schützt man sich? Immer wieder wird empfohlen, schnellstmöglich alle Passwörter zu ändern. Nun ja, auch mir fällt es sehr schwer, diesen Aufwand zu tätigen. Besonders, wenn die Angriffe halt doch alle paar Wochen passieren. Und für Menschen, die nicht mehr ganz so internet-affin sind, wird es wohl noch schwerer sein.
Sich an den Telefon-, oder Netzbetreiber zu wenden hat in aller Regel keinen grossen Sinn. Die sind nämlich genauso hilflos und raten im Fall von Spoofing, man solle eine Studie abwarten, dann sei der «Spuk» vorbei. Stimmt zwar, löst aber das Problem nicht wirklich. Mich ärgert es sehr, dass man allein gelassen wird in solchen Situationen, dass man unsicher wird, dass der tägliche Verkehr mit gewissen Stellen schwierig wird. Seien Sie trotzdem vorsichtig und misstrauisch, das allein kann sich auszahlen. Übrigens gibt auch die Schweizer Kriminalprävention nützliche Tipps: https://www.skppsc.ch/de/themen/betrug/legen-sie-einfach-auf/
