StartseiteMagazinKulturEine magisch verspielte «Zauberflöte»

Eine magisch verspielte «Zauberflöte»

Die Opernsaison 2026/27 ist eröffnet. Die Neuproduktion von Mozarts «Zauberflöte» am Zürcher Opernhaus wird von der Kritik hoch gelobt– fast alle Vorstellungen sind bereits ausverkauft. Einmal mehr zeigt Intendant Matthias Schulz ein feines Gespür für unorthodoxe Besetzungen und originelle Inszenierungen. Das Resultat ist erfrischend.

Künstlerisch geleitet wird diese Neuproduktion von zwei interessanten und in Zürich kaum bekannten Persönlichkeiten. Regie führt der Tessiner Theatermann Daniele Finzi Pasca, der von der Clownerie herkommt. Seine ersten Erfahrungen hat er als akrobatischer Clown im Zirkus Nock gesammelt. Seither hat er mehrere eigene Kompanien gegründet, konzipierte mehr als 40 Shows – darunter drei olympische Zeremonien – und in neun Opern hat er Regie geführt.

26-jähriger Dirigent

Am Dirigentenpult steht Tarmo Peltokoski. Der Finne ist erst 26 Jahre alt. Als Ausnahmetalent wurde er vom legendären finnischen Dirigentenmacher Jorma Panula unterrichtet, später von Esa-Pekka Salonen. Peltokoski hat bereits namhaft Orchester dirigiert und einige Chefposten innegehabt. Seine besondere Leidenschaft gilt Mozart und Wagner. Mit 22 Jahren dirigierte er seinen ersten «Ring»-Zyklus, im nächsten Sommer debütiert er in Bayreuth.

Peltokoskis‘ Dirigat zielt auf hohe Präzision, ein schnelles, leichtfüssiges Tempo, und auf die einfühlsame Begleitung der Sängerinnen und Sänger. Seine dramaturgische Gestaltung zeugt von grosser Übersicht, die dynamische Bandbreite der Musik wird vielschichtig ausgelotet. Ab und zu klingt sein Mozart noch etwas sec und streng.

Tamino (Magnus Fietrich), als einziger im Frack, umgeben von geflügelten Akrobatinnen.

Dagegen ist die Inszenierung von Daniele Finzi Pasca sehr verspielt. Die Figuren sind alle als Vögel kostümiert, die Weisen rund um Sarastro tragen beige Kleider und grosse Turbane, und die Königin der Nacht funkelt und glänzt. Ihr rotes Glitzerkleid wird von zwei Flügeln magisch überhöht.

Die Kostüme von Giovanna Buzzi sind keck und farbenfroh. Nur Tamino – von Magnus Dietrich feinfühlig und etwas gar brav gegeben – tritt ständig im Frack auf. In dieser Inszenierung ist er ein Orchestergeiger, der durch den Vorhang stolpert, weil er für die Ouvertüre zu spät kommt. Seine Violine wird, als er zu Sarastro aufbricht, durch die Zauberflöte ersetzt. Es ist also ein «Musiker», der die Rolle des furchtlosen Retters von Pamina spielt.

Szene (Bühnenbild Hugo Gargiulo) mit Tamino und Pamina (Regula Mühlemann) links am Bildrand.

Die Pamina singt die Luzernerin Regula Mühlemann, die eine internationale Karriere als Opern- und Liedsängerin hingelegt hat. Bis vor Kurzem sang sie noch die Papagena, nun wagt sie sich an die anspruchsvolle Partie der Pamina. Mühlemann singt sie mit Hingabe und weicher, klar geführter Stimme. Dabei gibt ihr Peltokoski mit dem Orchester viel Raum zur Entfaltung. Dass sie eine fabelhafte Liedinterpretin ist, hört man ihrer subtil ausgeloteten Pamina an.

Die Rachearie der Königin der Nacht

Und wie immer in der «Zauberflöte» wartet man auf die wahnwitzige Rachearie der Königin der Nacht. Jasmin Delfs trifft das hohe F lupenrein und singt diese gefürchtete Koloraturarie nicht nur technisch makellos, sondern auch bewegend. Die tiefe Basspartie des Sarastro liegt bei Tobias Kehrer in guten Händen, auch er weiss die tiefsten Töne gut zu stützen. Fehlt noch der quirlige Vogelfänger Papageno, den Yannick Debus mit komödiantischer Lockerheit spielt und singt.

Tamino mit der Königin der Nacht (Jasmin Delfs) als ganz grosser Vogel.

Das Magische dieser Inszenierung ist auch der prächtigen Lichtregie zu verdanken. Sie stammt ebenfalls von Finzi Pasca und dem Videokünstler Roberto Vitalini. Da ist zum Beispiel der geheimnisvolle, goldene Käfig-Palast des Sarastro. Oder dann das Video der bewegten Wolken am Himmel. Überwältigend ist die Lichtregie bei der Prüfung des Liebespaares durch das Feuer. Tamino und Pamina stehen an der Seite der Szenerie. Auf der grossen transparenten Leinwand dreht sich das feurige tiefrote Licht wie Lava. Mittendrin erkennt man ein Paar mit ausdrucksstarker Akrobatik. Ein Bild, welches haften bleibt.

Herzergreifend süsse «Knaben»

Akrobatische Einlagen bieten auch die Vögel, die Papageno auf seiner Reise begleiten. Sie zeigen ihre Künste an Trapezen, und sie trippeln auch sonst wie Vögel umher und recken ihre Hälse – einfach köstlich. Eindrücklich besetzt sind die drei weisen Knaben, die dem geprüften Tamino beistehen. Es sind Mitglieder des Tölzer Knabenchors, die wunderbar klar intonieren. In ihren lustigen Vogelkostümen, den Zipfelkappen und den trippelnden Bewegungen sind sie herzergreifend süss.

Die drei Knaben, Helfer des Tamino, mit Papageno (Yannick Debus) Pamina im Hintergrund. (Bilder Opernhaus Zürich/ Herwig Prammer) 

Die Begeisterung des Publikums war in der zweiten Vorstellung, die ich besucht habe, enthusiastisch. Es ist zu empfehlen, bei der Wiederaufnahme dieser «Zauberflöte» schnell die gewünschten Tickets zu reservieren.

Weitere Vorstellungen: 6./8./21./24. Okt / April 27

www.opernhaus.ch

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