StartseiteMagazinGesellschaftEin Bauwerk für mehr als ein Jahrhundert

Ein Bauwerk für mehr als ein Jahrhundert

Nachhaltigkeit und Wiederverwendbarkeit der Baumaterialien sind zwei der Kriterien, nach denen das 69 Meter hohe Holzhochhaus in Ostermundigen BE errichtet werden soll. Gerade haben die Stimmberechtigten der Gemeinde dem Projekt mit deutlicher Mehrheit zugestimmt.

Die Bevölkerung von Ostermundigen, vor den Toren von Bern gelegen, ist zurückhaltend, was Hochhäuser betrifft. Mit dem bestehenden konventionell gebauten Hochhaus sind nicht alle glücklich. Deshalb erstaunt es nicht, dass gegen das geplante Hochhaus, das überwiegend aus Holz gebaut werden soll, zunächst einmal Einspruch erhoben wurde. Das Referendum von Ende September dieses Jahres brachte ein eindeutiges Ergebnis: Mehr als 71% der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger befürworten den geplanten Bau. – Kein Wunder, denn es soll ein luftiges, vielseitiges Gebäude mit viel Grün und Charme für alle Generationen entstehen.

Die Quadrat AG mit Dan Hodler als Eigentümer sieht in ihrem Projekt «Werkstadthaus» viele wegweisende Aspekte, die später in weitere Projekte einfliessen können: «Das Werkstadthaus verkörpert in seiner Vision eine Werkstatt in all ihren Facetten,» sagt Dan Hodler. « Es ist ein Ort des kreativen Schaffens, des Entstehens – ein Ort, wo in Zukunft experimentiert und ausprobiert wird.»

Werkstadthaus Modell © Filippo Bolognese Images, Mailand

Die Bauherrschaft hat sich das Ziel gesetzt, eine harmonische Umgebung zu schaffen, in der rund 20% der Fläche für Arbeit und 80% für Wohnen genutzt werden, so dass Wohn- und Arbeitsgemeinschaften entstehen, die sich gegenseitig ergänzen bzw. anregen können.

Der Kreislaufwirtschaft gehört die Zukunft

Das Werkstadthaus-Projekt wirkt mit den vielen Balkons und der vorgesehenen Begrünung einladend, nicht nur zum Wohnen. Geplant wurde es auf der Basis der Kreislaufwirtschaft, die international auch als Cradle-to-Cradle-Konzept (C2C) bezeichnet wird, mit dem Prinzip, dass alle Materialien später – seien es auch 150 Jahre -, wiederverwertet werden können oder zumindest keinen Abfall und keine Schadstoffe zurücklassen. Denn wir müssen uns bewusst sein, dass die Ressourcen auch im Bauwesen nicht unendlich vorhanden sind. Mit Holz, dazu noch mit einheimischem Holz aus dem Emmental zu bauen, verringert den ökologischen Fussabdruck.

Holzlager vor einer der grossen Holzverarbeitungsbetriebe im Emmental (Foto mp)

Auf einem verhältnismässig kleinen Grundstück an verkehrsgünstiger Lage, 1’000 Quadratmeter gross, wird ein Gebäude entstehen, dessen nutzbare Fläche insgesamt 10’800 Quadratmeter umfasst; auf 19 Etagen, nicht nur Wohnungen, sondern auch Arbeitsräume wie Ateliers oder Co-Working-Räume. Es entsteht ein «vertikales Dorf».

Gestapelte Lebenswelten

Für den notwendigen Beton im Untergeschoss, im Erdgeschoss und für die tragenden Strukturen wird zu 75 % rezykliertes Material aus Sekundärmaterial benutzt, das sich gut wiederverwenden lässt. Jeweils nach drei Holzgeschossen folgt eine Bodenplatte aus Beton, was den Brandschutz vereinfacht. Für den Kern mit Treppenhaus und Lift wird ebenfalls Beton benötigt. Der hauptsächliche Baustoff, rund 5’500 Kubikmeter Holz, kommt aus dem Emmental.

Nachdem die Stimmbürgerschaft Ostermundigen nun den Bau genehmigt hat, wird das eigentliche Baugesuch eingereicht. Mit dem Baustart kann ab 2028 gerechnet werden. Die Bauzeit ist auf rund zwei Jahre bemessen, 2030 sollte das Werkstadthaus bezugsbereit sein. Man baut übereinander, nicht nebeneinander, deshalb spricht Dan Hodler von einem «Konzept der gestapelten Lebenswelten».

Dan Hodler, Geschäftsinhaber der Quadrat AG, federführend im Projekt Werkstatthaus

Dan Hodler: «Das Werkstadthaus verkörpert in seiner Vision eine Werkstatt in all ihren Facetten. Es ist ein Ort des kreativen Schaffens, des Entstehens – ein Ort, wo in Zukunft experimentiert und ausprobiert wird. Die Idee des Werkstadthauses entspricht dem Gebot der haushälterischen Bodennutzung: Zusätzlicher Wohn- und Arbeitsraum entsteht nicht auf der grünen Wiese, sondern auf einem bereits genutzten Areal an gut erschlossener Lage.»

www.werkstadthaus.ch

Titelbild: Werkstadthaus (Ausschnitt) © Filippo Bolognese Images, Mailand

 

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