13.04.2017 - Joseph Auchter

Die musikalische Neugier wecken

„Tonhalle Maag“ heisst es ab der Saison 2017/18 für drei Jahre, während das Kongresshaus und der weltberühmte Konzertsaal saniert werden. „Gemeinsam weiter“ lautet die Devise.

Ein paar Zahlen mögen die gewaltige Herausforderung belegen, vor der sich die Tonhalle-Gesellschaft mit dem Interregnung in der umgebauten Eventhalle Maag gestellt sieht. 10 Millionen kostet allein die Umgestaltung in einen Konzertsaal, der den Ansprüchen eines international renommierten Klangkörpers wie dem des Tonhalle-Orchesters genügen soll. 94 t oder 184 m3 nordisches Fichtenholz und Dreischichtplatten müssen verlegt werden. Hinzu kommen akustische Lamellen mit einer Gesamtlänge von 2,5 km, die einer der besten Experten, welcher auch den Tonhallesaal gut kennt, angeordnet hat. Die Zuluft zum Konzertsaal erfolgt über 2,5 Mio. (!) Löcher à 4 mm Durchmesser, die in den Parkettboden gebohrt werden. Und zur Befeuchtung des Saals werden 412 Liter Wasser pro Stunde der Luft beigemischt. Es gilt ja nicht einfach nur, eine dreijährige Durststrecke einigermassen unbeschadet zu überstehen, nein, man möchte auch die Chance nutzen, in Zürich-West neue, auch jüngere Publikumssegmente zu gewinnen. Und da es auch noch gilt, 2018 das Jubiläum „150 Jahre Tonhalle-Gesellschaft Zürich“ zu begehen, wird nichts dem Zufall überlassen, damit auch gefragte Orchester mit illustren Dirigenten und Solisten in die Maag-Halle kommen.

Die Eventhalle Maag ab September 2017 in akustisch neuem Konzertgewand 

Herausragende Angebote und klingende Namen im Überblick

Der Auszug aus der erlauchten Tonhalle bedeutet aber auch, dass zusätzliche Spielstätten bewusst und experimentierfreudig genutzt werden. So findet eine Reihe Kammermusik in der dafür geeigneten Johanneskirche beim Limmatplatz und Lunchkonzerte im Kaufleuten statt, und auch das Moods steuert einen Brückenschlag zu Zürich-West bei.  Aus der Taufe gehoben wird auch ein „Publikumsorchester“, bestehend aus Tonhalle-Profis und Laien, und ein Gratis-Open-Air-Konzert auf dem Münsterhof. 201 Veranstaltungen mit 98 Programmen werden in teils neuen Formaten aufgelegt. Angebote für Schüler, Lehrer und junge Erwachsene waren zudem noch nie so zahlreich. 

Mit dem Chefdirigenten Lionel Bringuier findet eine grössere Europatournee mit insgesamt fünf Gastspielen in die Nachbarländer bis hinauf in die Elbphilharmonie Hamburg statt. Zum Jubiläum gastieren dann sogar Simon Rattle (mit dem London Smphonie Orchestra), John Eliot Gardiner (mit dem Monteverdi Choir), Ehrendirigent David Zinman (Dirigierkurs und Konzertprogramm), aber auch Haitink, Welser-Möst, Koopman, Pappano, Dutoit, Blomstedt und die Solisten Yuja Wang, Julia Fischer, Maxim Vengerov, Maurizio Pollini etc. etc.

Die Tonhalle-Gesellschaft mit ihrer beflügelten und enthusiasmierten Intendantin Ilona Schmiel und dem umtriebigen Präsidenten Martin Vollenwyder  versprühen nach der überaus erfolgreichen Volksabstimmung ansteckenden Elan, und es scheint so, dass auch die Musiker und die ganze Belegschaft am gleichen Strick ziehen, damit der Aufbruch gelingen möge. Die Anzeichen sind ermutigend.

   

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