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19.03.2017 - Brigitte Poltera

Jung sein braucht Mut

Im Buch „Das halbe Leben“ von Susanne Schwager berichten acht junge Frauen über ihr Leben. Die Ergänzung zum Bestseller "Das volle Leben - Frauen über achtzig erzählen".

„Wir sind Papierschiffli im begradigten Fluss, suchen Probleme, die keine sind und tiggen aus, um endlich zu spüren, dass wir da sind, aber wehe, unser Schiffchen kommt wirklich ins Ruche, dann saufen wir ab“ prophezeit Rapperin Steff la Cheffe. Alle befragten Frauen geraten ins Philosophieren, wenn sie über ihr Leben nachdenken. Und nicht alle sehen das so makaber wie Steff la Cheffe.

Über ihre unterschiedlichen Lebenserfahrungen berichten eine Buchhändlerin, eine Boxweltmeisterin, eine Weltmeisterin im Orientierungslauf, eine Pflegefachfrau, eine Moderatorin und zwei Lernende im kaufmännischen Bereich. Einige haben bereits grosse Erfolge erzielt. Alle haben sich eigenständig und erfolgreich durch die ersten Jahrzehnte ihres Lebens gearbeitet. Sie sind ihren Familien, den Eltern und insbesondere den alleinerziehenden Müttern sehr dankbar für Rückhalt und Verständnis.

Einzelne kämpften mit Depressionen, Essbrechsucht und Selbstverletzungen. Die Boxweltmeisterin überwindet ihre Ängstlichkeit mit dem Sport. Eine junge Pflegefachfrau erklärt, dass die „Kinder ihre Eltern ausbaden müssen“ und dass es darum gehe, die Eltern zu verstehen. Sie hat schwierige Familienverhältnisse ausgehalten und ist dankbar für die liebevolle Anteilnahme des Mannes, den sie lange Jahre für ihren leiblichen Vater hielt. Eindrücklich berichtet Tusha, die jüngste der Frauen, tamilischer Abstammung und Buddhistin, über ihre moralischen Verpflichtungen gegenüber ihrer Familie, über die wichtige Unterstützung durch die Schule und über ihr Leben im Kreise ihrer Kolleginnen und Kollegen in der Schweiz. Ob es ihr gelingen wird, in der Schweiz einen Lebenspartner zu finden, der sie versteht?, sorgt sie sich.

Drei Frauen leben in einer Familie mit Partnern und Kindern und hoffen, dass das so bleiben wird. Alle alleinstehenden Frauen sehnen sich nach einem verständnisvollen Partner, nach einer längerfristigen Beziehung. Mona Vetsch, die Radio-Moderatorin, arbeitet sozusagen an der Front und vermutet, es folge jetzt eine bindungsfreudigere Generation.

Freimütig haben sich die Frauen auf das Gespräch mit Susanne Schwager eingelassen. Die Autorin hat die Berichte in eine lebendige Sprache übertragen, die sich stark anlehnt an den Dialekt. Einige sind dann doch erschrocken über den schriftlichen Lebensbericht, der veröffentlich werden sollte. Drei bekannte Persönlichkeiten haben den Text zurückgezogen. Weitere baten Sätze wegzulassen - eine neue Situation für die Autorin. In ihrem ersten Buch, vor zehn Jahren, haben sich die hochaltrigen Frauen gefreut, ihre Lebensgeschichten zu publizieren. Die jungen Frauen aber befürchten heute Unverständnis oder Missbrauch. Verständlich, weil vor ihnen noch viele Lebensjahre liegen. Man könnte sie später auf Aussagen behaften, die sich überholt haben.

Das Buch mit den Berichten der jungen Frauen bildet das Gegenstück zum Bestseller „Das volle Leben“, in welchem Frauen über achtzig erzählen. Wir wünschen den jungen Frauen mehr als eine Verdoppelung ihres heutigen Lebens, ein drei- oder vierfaches Leben, ein fünffaches sicher Marina, die mit 20 Jahren unerwartet schwanger wurde und das Muttersein für das herzige Büebli in ihrer sehr jungen Familie mit allen Fasern geniesst. Alle diese Frauen werden im Verlaufe weiterer Lebensjahre noch mehrmals alte Hüllen abstreifen und zu neuen Horizonten aufbrechen.


halbelebenfrau-susanna-schwagerDas halbe Leben
Junge Frauen erzählen
Susanne Schwager
mit Zeichnungen von Raoul Ris
gebundene Ausgabe
CHF 36.90
ISBN 978-3-03763-076-1

Das volle Leben
Frauen über achtzig erzählen
Susanne Schwager
Fotografien von Marcel Studer
Klappenbroschur
CHF 24.90
ISBN 978-3-03763-085-3

Wörtherseh-Verlag

 

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