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12.05.2017 - Susanna Fassbind

Lebenslanges Surfen?

Immer wieder höre ich, Menschen und öffentliche Meinung zu bestimmten Fragen bewegten sich in Wellen, auf und ab, hoch und niedrig, kein, wenig oder grosses Interesse.

Wir seien bei den vielen sogenannt aktuellen Themen laufend am Surfen zwischen verschiedensten Haltungen und Meinungen. Einmal sind es Wahlen, Energie, Gleichstellung, Klimawandel, dann natürlich auch Vorsorge fürs Alter. Heute ist das gerade bedenkenswert und erscheint in allen Medien. Morgen gar nichts mehr davon, dann kommt die konstant verbreitete Angst vor Terror. Die Meldungen dazu haben eine unglaubliche Kadenz: möglichst minütlich soll es sein, darum der Dauergriff ums Handy und die Tag- und Nachtkontrolle darüber.

Eine für mich nicht zu überbietende Oberflächlichkeit, ein Mangel an Reflexion und Tiefe. Aber macht ja nichts, da „man“ morgen ohnehin nichts mehr davon weiss. Wenn ich heute lese, dass in der Schweiz Schulabgänger (meist männlichen Geschlechts) Analphabeten seien, dann ist für mich die Frage berechtigt: Wird in der Schule auch nur gesurft, nichts behalten, nichts bleibend gelernt und verarbeitet? Die Abrufbarkeit von Wissen scheint mir auf einen Nullpunkt gesunken zu sein: es ist ja im Internet alles nachschlagbar, also was soll’s... Surfen ist Lebensinhalt und scheinbar auch Lebensziel. Es wird allerdings kaum reichen, sich in der sich extrem wandelnden Berufs- und Familienwelt zurechtzufinden oder sich gar in irgendeiner Form als kompetent auszuweisen.

Das Leben kann durchaus wellenartig verlaufen, das ist OK. Aber: Werden diese Wellenbewegungen überhaupt bewusst wahrgenommen, hinterfragt und im besten Fall das Surfen selber gestaltet? Was sind die Inhalte, Herausforderungen, Korrekturmöglichkeiten? Wo bleibt die Zeit, das überhaupt zu tun, wenn der ganze Tag mit Surfen in allen Medien belegt ist?

Nachdenken erfordert innere Ruhe und Musse, wie auch das Wissen, die „richtigen“ Fragen zu stellen. Wenn ich den für die meisten Menschen hektischen Tag (und teilweise Nacht) ansehe, habe ich grosse Zweifel an der Nachhaltigkeit solcher Wellenreiterei, vermutlich ziemlich gesundheitsgefährdend und eine grosse Verminderung der eigenen Erfahrungen, die letztlich das Leben zum entscheidenden Lern- und Lehrumfeld werden lassen.

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