FrontGesellschaftWie werde ich ein guter Golfer?

Wie werde ich ein guter Golfer?

Der Autor und Werber Frank Baumann hat bisher zwei Golfbücher geschrieben. Sie lesen sich wie Beziehungsratgeber.

Beim ersten, 2013 erschienene Golfratgeber tönt der Titel eher wie ein Beziehungskiller:  «Single in 365 Tagen». Was allerdings doppeldeutig zu verstehen ist, ist doch mit «Single» nicht der Beziehungsstatus gemeint, sondern ein Handicap im einstelligen Bereich – von neun an abwärts.

Wer ein solches Handicap in einem Jahr schaffen will, das kann auch der Autor nicht bestreiten, gerät allerdings wirklich in Gefahr, Single zu werden. Denn dann wird er auf dem Golfplatz leben, von seinen Golfschwüngen träumen und von nichts Anderem mehr reden können als von seinen Superrunden. Deshalb sind die 365 Tagen nicht mit einem Jahr gleichzusetzen, sondern als absolute Zahl: Wer 365 Mal innert zwei, drei Jahren eine Golfrunde absolviert – und sich von einem guten Pro dabei coachen lässt – der sollte reele Chancen haben, ein niedriges Handicap zu erspielen.

Was lange währt, ist nicht gut

Ausser er liest Frank Baumanns ersten Leitfaden für Golfer. Denn da wird detalliert beschrieben, wie man es schafft, ein schlechter Golfer zu bleiben und «das teure Greenfee zu optimieren». Das heisst, möglichst lange an einer Golfrunde zu werkeln, mit möglichst vielen Schlägen. Weil aber, das sei nun Golfneulingen erklärt, das erklärte Ziel eines Golfers sein muss, mit möglichst wenigen Schlägen den Ball einzulochen und die 18 Löcher zu absolvieren, ist der Ratgeber von Baumann so etwas von absurd, dass er schon wieder spannend ist.

Denn eigentlich müssen Aussagen wie «Denken Sie beim Golf unbedingt an möglichst viele Sachen» ganz einfach umgedreht werden und schon stimmt der Ratschlag mit dem überein, was einem der Pro – das ist der Golflehrer – dauernd predigt. Und was so schwer umzusetzen ist. Es grenzt an Zen-Medidation, sich ganz auf den kleinen Ball zu konzentrieren, gut abzuschlagen und auszublenden, dass da zwei, drei Kolleginnen hinter und neben einem stehen, die sich bemühen, nicht zu husten, nicht mit einem Bonbonpapier zu rascheln, sich möglichst nicht zu bewegen – und einem kritisch auf den Schläger schauen.

Da ist die Gedankenarbeit, mit denen die Ratschläge in Baumanns erstem Ratgeber ins Gegenteil verkehrt werden müssen, schon fast einfach. Für Golfanfänger allerdings doch etwas anspruchsvoll, denn ohne eine gewisse Erfahrung auf dem Golfplatz werden die ironischen Bemerkungen vielleicht nicht immer richtig interpretiert. Nur: Wer liest schon einen Golfratgeber, wenn er nicht Golf spielen will.

«Die Partherapie»

Wer nach dem ersten Buch noch nicht Single – in der Handicapwertung – geworden ist und auch privat noch in Zweisamkeit unterwegs ist, der nimmt vielleicht «Die Partherapie» zur Hand. Der vor kurzem erschienene zweite Ratgeber aus Baumanns Feder und Malkasten – er hat beide Bände auch selber und witzig illustriert –  will nicht mehr erklären, wie man schlecht Golf spielt, sondern wie man möglichst nahe an eine Parwertung herankommt – und damit zu einem guten Golfspieler wird.

Par spielt, wer die für jedes Loch festgesetzte Anzahl von Schlägen zu spielen versteht, es also bei Par 3 mit drei Schlägen vom Abschlag bis ins Loch auf dem Green schafft. Was für «Platzreifeler» und Handicaper im hohen zweistelligen Bereich wie ein Wunder erscheint, sei nicht erstrebenswert, meint Baumann. Er plädiert für Bogeys, das heisst einen Schlag über Par. Was immer noch immens schwierig ist. Auch nach dem Lesen des Ratgebers – und dem Verinnerlichen sämtlicher Ratschläge.

Ein Kapitel ist dann noch der Paartherapie mit Doppel-aa gewidmet, «einer der letzten grossen Herausforderung der männlichen Menschheit». Nicht atmen, nicht korrigieren, nicht atmen, nicht kommentieren, nicht atmen – so könnte man die Regeln für die Frau zusammenfassen. Und natürlich allzeit fröhlich mithelfen, verschlagene Bälle im Unterholz zu suchen. Eine Erfahrung, die jede Frau leicht selber auf dem Golfplatz machen kann.

Übrigens: Um beziehungstechnisch kein Single zu werden und auch nicht in der Paartherapie zu landen, empfiehlt Baumann, den Ehepartner ganz einfach auch für das Golfspielen zu begeistern. Und diesem Ratschlag kann man sich nur voll und ganz anschliessen. Denn ohne viel, sehr viel Zeit auf der Driving Range zu verbringen und ohne viel, sehr viel Zeit für Golfrunden auf möglichst vielen unterschiedlichen Plätzen zu investieren, wird man kein guter Golfer. Ich kann ein Lied davon singen. Und trotzdem: So viel Spass hatte ich noch mit keiner Sportart.

Frank Baumann: «Single in 365 Tagen» (2013) und «Die Partherapie» (2014), erschienen im Verlag Wörterseh, Gockhausen.

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