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Der Hochsommer ist gelb

Der Garten im August. Wer im Frühling vorgesorgt hat, der kann sich jetzt, trotz Regen, über ein Meer von Sonnenblumen freuen.

Der französische Name der Sonnenblume, Tournesol, hätte in den letzten Wochen leicht in Vergessenheit geraten können. Weil es kaum Sonne gab, nach denen sich die grossen Blütenköpfen hätten ausrichten können. Aber jetzt soll das Wetter ja besser werden und wir freuen uns auf die sich im Tageslauf drehenden Blütengesichtern. Sie sind ein zuverlässiges Zeichen dafür, dass es Hochsommer ist. Und erinnern gleichzeitig daran, dass die Sommertage gezählt sind, dass in den Gartenecken bereits die ersten Herbstboten warten.

Der Sommer ist gelb, wie die Rudbeckien …

Die Rudbeckien zum Beispiel, die Dahlien und Chrysanthemen, die bis in den Herbst hinein leuchten werden. Ausser es bleibt beim Regenwetter. Dann bekommen sie ganz schnell braune Ränder und faulen vor sich hin.

Strahlende Sommerblüten

Wie anders die Sonnenbumen. Die stehen da und lassen die Regentropfen an sich herabperlen. Sie verlieren ihre gelben Strahlen erst, wenn ihre braunen Samenteller schwer werden und sich zum Boden neigen. Für mich ist der Hochsommer gelb, sonnenblumengelb.

Zwar blühen auch die Rosen noch einmal auf, nicht ganz so verschwenderisch wie im Juni, aber trotzdem recht kräftig. Nur wer genau hinschaut, merkt, dass sie nicht mehr so stattlich sind wie im Frühsommer, ihr Laub trotz Pflege gelblich wird und die ersten Morgennebel einen hellbraunen Saum um die geöffneten Blüten legen.

 die Ringelblumen …

Auch der Rittersporn trumpft nach einem radikalen Rückschnitt im Juli nun zum zweiten Mal mit seinem tiefen Blau auf. Und da sind die blauen und rosa Skabiosen, die Astern in allen Schattierungen, die stolzen Malven und die anmutigen Cosmeen, die sich bis in den Herbst hinein im Wind wiegen werden.

Die Fibonacci-Muster

Aber die Sonnenblumen dominieren all den zartfarbigen Sommerflor. Sie bringen den Sommer zum Leuchten und erinnern gleichzeitig daran, dass es Zeit ist, sich auf den Herbst zu besinnen. Es lohnt sich übrigens, ihre Samenstände genauer anzusehen, bilden sie doch ein in der Natur vielfach vorkommendes, mathematisches Muster. Es sind Spiralen, in Anzahl und Folgen nach dem Fibonaccisystem angelegt, einer Zahlenfolge nach dem Goldenen Schnitt. So wird auf dem Blütenteller eine optimale Platznutzung erreicht, bei der jeder Kern möglichst viel Sonne abbekommt.

… natürlich die Sonnenblumen …

Die Sonnenblume trägt ihren Namen also bis in die detaillierteste Ausgestaltung zu Recht, auch wenn die Vögel, die sich mit den dicken Kernen die Bäuche vollschlagen, sich um diese mathematischen Magie nicht kümmern. Sie werden im Garten lärmen, sich um den besten Platz auf dem dicksten Blütenkopf zanken und kein bisschen Herbstmelancholie aufkommen lassen.

Erntezeit

Das sollten auch wir nicht. Denn jetzt ist die Zeit der Ernte. Angefangen bei den grossen Blumensträussen, die wir am Besten frühmorgens schneiden, über die ersten Äpfel und Birnen bis zu den Gewürzkräutern, die man abends nach einem heissen Sommertag schneidet, weil sie dann voll von Duft und Aroma sind. Die dicken Kürbisse allerdings sollte man noch in Ruhe lassen. Sie legen mit jedem Tag an Gewicht zu und sind noch längst nicht erntereif.

Wem der Abschied vom Sommergarten schon jetzt schwer fällt, der sät ganz schnell ein paar Zweijährige aus. Diese Pflanzen blühen nicht, wie es der Name vermuten lässt, zwei Jahre lang. Nein, sie brauchen einfach etwas mehr Zeit zur Entfaltung als der schnelle Sommerflor. Wer jetzt Glockenblumen, Fingerhüte, Stiefmütterchen, Bartnelken, Akeleien oder Löwenmäulchen sät, wird im Herbst nur grüne Blätter sehen. Blühen werden sie erst im nächsten Jahr.

 oder die Dahlien.

Sofern, und das muss doch angemerkt werden, sie nicht vorher von den Schnecken vertilgt werden. Dann muss halt im nächsten Frühling auf Setzlinge aus dem Gartencenter ausgewichen werden. Echte Raritäten, besondere Farben und Wuchsformen, sind aber oft nur als Samen erhältlich. Mit dem Vorteil, dass man schnell eine ganze Menge junger Pflänzchen hat, von denen sicher einige den Winter überstehen werden.

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