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Schnee im Dezember

Der Garten im Dezember. Lange habe ich mit diesem Text gewartet. Ich wollte nicht über einen grauen Dezembergarten schreiben. Seit heute ist alles, wie es sein soll: Es liegt Schnee.

Es war ein langer Herbst – viele sagen ja, er habe bereits Ende Juni angefangen. Ob das so ist, sei dahingestellt, aber bis in das letzte Drittel des Dezembers dauerte er allemal. Bis dahin hatten wir nicht einen richtigen Frost, von Schnee gar nicht zu reden. Die Temperaturen blieben so gemässigt, dass bis vor ein paar Tagen in unserem Gemüsegarten immer wieder Ringelblumen aufgeblüht sind und ich die Weihnachtspäckchen an Heiligabend mit kleinen, frischen Fairy-Röschen aus meinem Garten schmücken konnte.

Endlich Schnee

Das hat jetzt alles ein Ende. Über Nacht schneite es ein wenig und heute wuchs diese dünne, weisse Decke doch auf 20 Zentimeter an. Und der Garten ist wie verzaubert. Zwar habe ich den Schnee bisher nicht vermisst – dachte ich wenigstens. Wer viel mit dem Auto unterwegs ist, kann ja gut auf rutschige Strassen und Salzduschen von unten verzichten.

Aber heute hielt mich dann doch nichts mehr im Haus: Ich habe die Sträucher geschüttelt und mir dabei den Schnee ins Gesicht und die Haare stäuben lassen, mich über die weichen Konturen meines Gartens gefreut und dann die Schneeschaufel aus dem Keller geholt. Unsere Zugangswege zum Haus sind lang und es war ein so gutes Gefühl, nach einer Stunde Schnee räumen in der warmen Wohnung einen Gewürztee zu geniessen, im Wissen, dass man sich die Weihnachtsguetzli dazu redlich verdient hat.

Blühende Christrosen

Dieses Jahr habe ich auch alles richtig gemacht, damit die Christrosen genau an Weihnachten aufgeblüht sind. Also, ehrlicherweise weiss ich gar nicht so genau, was man vorkehren muss, damit die reinweissen Blüten so pünktlich erscheinen. War es wohl der Kaffeesatz, den ich seit dem Sommer immer sorgfältig aus den Kapseln gepult und um die Hellebori verstreut habe?

Reinweisse, wunderschöne Christrosen – dank Kaffeesatz?

Ich habe das mal gelesen, dass Kaffeesatz die Schnecken fernhalte, diese ganz kleinen, schwarzen Biester, die so gerne zwischen den Blütenknospen hocken und diese fressen, kaum kommen sie ans Licht. Die Schere hilft gegen diese Winzlinge kaum etwas, sind sie doch unter den Laubblättern und am Boden fast nicht zu sehen. Und Schneckenkörner verschmähen sie natürlich, die sind ja grösser als sie selber.

Aber Kaffeesatz soll helfen, sogar eine Kaffeedusche soll erfolgreich sein, stand in dem Ratgeber. Letzteres habe ich noch nie ausprobiert, weil ich den Kaffee lieber selber trinke.

Das Feigenbaumgespenst

Nur eines stört die weisse, weiche Gartenidylle – mein graues Gespenst. Es ist der Feigenbaum, der eine Vlieshülle verpasst bekommen hat und jetzt massig und nicht sehr dekorativ im Garten steht. Zwar haben die Gartencenter in dieser Beziehung mächtig aufgerüstet und bieten Abdeckplanen mit lustigen Gartenzwergen und anderen Dekorationen verziert an. Aber da ich auch im Sommer kein Freund von künstlichen Gartendekorationen bin, kann ich mich nicht dazu überwinden, aus dem Feigenbaum jetzt einen Gartenzwerg zu fabrizieren.

So hässlich kann ein Feigenbaum sein. Aber vor Frost ist er geschützt mit seinem dicken Bauch aus trockenem Herbstlaub.

Zumal der seinen Namen gar nicht verdienen würde, ist er doch über zwei Meter hoch – ich musste mich ganz schön strecken, um alle Äste zu umhüllen.

So habe ich jetzt halt ein Gespenst im Garten, aus graumen Vlies und mit einem dicken Bauch voller trockener Herbstblätter, die ich zwischen die kahlen Zweige gestopft habe.

«In drei Monaten», flüstere ich ihm zu, «wirst Du wieder schlank sein, kannst du deine Zweige wieder anmutig biegen und dich bald mit kleinen Feigen schmücken». Ob er das wohl verstanden hat?

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