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Stacheldraht in den Gelenken

Rheumatoide Arthritis, früher chronische Polyarthrits genannt, ist schmerzhaft, schwer zu behandeln und ihre Ursachen sind noch längst nicht geklärt. Aber: Diät kann helfen.

Es ist ein teuflisches Leiden, das viele, nicht nur ältere Personen befällt: Zuerst schmerzen gewisse Gelenke vor allem in der Nacht und morgens, dann kommt es zu Schwellungen, Steifigkeit und in späteren Stadien zu Gelenkverformungen. Am Häufigsten befallen sind Finger- und Handgelenke und die Füsse.

Frauen leiden drei Mal häufiger unter Rheumatoider Arthritis (RA) als Männer und in der Schweiz sind rund 70000 Personen von diesem Leiden befallen, also etwa ein Prozent der Bevölkerung. Auch wenn die RA vor allem bei Älteren auftritt, kann die Krankheit in jedem Alter, also auch bei Kindern ausbrechen.

Eine Autoimmunkrankheit

Was zu den entzündlichen Prozessen in den Gelenken führt, ist noch nicht endgültig geklärt. Fest steht einzig, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt. Zellen des Immunsystems werden so aktiviert, dass sie körpereigene Strukturen wie Gelenkinnenhaut, Knochen oder Knorpel angreifen. Der Auslöser dieser Vorgänge ist nicht bekannt, man nimmt an, dass auch genetische Faktoren eine Rolle spielen.

Die aktivierten «Rheumazellen» können – einem Tumor vergleichbar – zu wuchern beginnen und sich via Blutbahnen im Körper ausbreiten, weitere Gelenke befallen und auch dort ihr Zerstörungswerk beginnen. Die von den Zellen produzierten Enzyme greifen Gelenkknorpel und Knochen an, wobei Schmerzen erst auftreten, wenn bereits Schäden angerichtet sind.

Schmerzen und Müdigkeit

Die ganzen Prozesse verlaufen in der Regel in «Schüben», deren Auswirkungen mit das Immunsystem regulierenden, entzündungshemmenden und schmerzlindernden Medikamenten behandelt werden. Wer unter RA leidet, hat oft starke Schmerzen – als ob es Stacheldraht in den Gelenken hätte – und ist aufgrund der entzündlichen Prozesse auch häufig müde.

Als ob die Gelenke von Stacheldraht ummantelt wären, fühlt sie Rheumatoide Arthritisan. Kein Wunder, dass jede Bewegung schmerzt. (Bild Christoph Reichlin)

Soweit zum Krankheitsbild. Aber gibt es denn keine Möglichkeit, aktiv gegen den «Stacheldraht» vorzugehen? Ruth Steiner aus Ennetbürgen leidet seit rund 15 Jahren an RA. Zuerst waren da nur so komische «Knubbeln» auf den Handrücken, die nach Gartenarbeiten oder anderen anstrengenden Tätigkeiten schmerzten. Ein Arztbesuch brachte Klarheit: Die ambitionierte Sportlerin und Schwimmlehrerin leidet an RA oder Polyarthritis, wie die Krankheit lange benannt wurde. Parallel zu den Schmerzen begannen sich ihre Hände und Füsse zu verformen, ein deutliches Krankheitszeichen und ein einschränkendes dazu. Denn plötzlich schmerzt jeder Schuh und jeder Handgriff wird mühsam.

Erfolg durch Ernährungsumstellung

Eine Cortisonbehandlung lehnte Ruth Steiner wegen der Nebenwirkungen ab und andere Medikamente brachten keine befriedigende Erfolge, auch, weil sich die Leberwerte signifikant verschlechterten. Und dann stiess sie auf das Schaub Institut in Bad Ragaz, das auf der Basis der traditionellen europäischen Naturheilkunde Therapien für RA-Geplagte anbietet.

Stationär im Gesundheitszentrum aufgenommen, musste sich Ruth Steiner von vielen übernommenen Grundsätzen lösen, besonders im Bereich Ernährung. Denn als Hauswirtschaftslehrerin wusste sie sehr wohl Bescheid über gesunde Ernährung mit viel Rohkost, Vollkorn und gesunden Ballaststoffen. Sie war informiert über das Säure-Basen-Gleichgewicht in der Ernährung und damit auch darüber, was gesundes Essen ist: Viel Obst und Gemüse, genügend Kohlehydrate, Milchprodukte wie Joghurt und Quark und wenig Fleisch und Fett.

Alles ganz anders

Und staunte nicht schlecht über die neue Diät, die ihr in Bad Ragaz verschrieben wurde: Milchprodukte wie Joghurt oder Quark und fettreduzierter Käse, Zucker, Vollkornbrot, Zitrusfrüchte und alle Getreideprodukte wurden aus dem Menüplan gestrichen. Erlaubt sind nur Kartoffeln in allen Varianten, das heisst auch als Chips, ausgewählte Hülsenfrüchte und wenig (!) Gemüse und Blattsalate und gekochte Gemüsesalate. Dazu ausschliesslich vollreife Früchte und Bananen, einzelne Beerensorten nur in Kleinstmengen, was auch für Tomaten, Spargeln und vielem mehr gilt. Fleisch hingegen ist erlaubt wie auch Butter, Schlagrahm, Ziegen- und Schafkäse und vollfetten Käse.

Die Anfänge der Rheumatoiden Arthritis: Die Gelenke verformen sich, an den Fingern bilden sich «Rheumaknoten». (Bild Bernadette Reichlin)

Die Diät, im Schaub Institut entwickelt, löst auch bei Fachleuten erst mal Kopfschütteln aus. Ein Menüplan mit einem Stück Emmentaler und einer Banane mit Schlagrahm zum Frühstück, Salat und Kartoffelauflauf mit Fleisch zum Mittagessen und Fisch mit gekochtem Ei und einigen Oliven zum Nachtessen ist – Cholesterin!, Fett!, Vitamine! – keine gängige Diäternahrung.

Nur, sie half und zwar so gut, dass Ruth Steiner die Klinik praktisch schmerzfrei verliess. Seither, und das sind schon etliche Jahre, geht sie fit, beschwerdefrei und mit Idealgewicht durchs Leben, arbeitet im Garten, treibt Sport – unter anderem Curling, auch wettkampfmässig – und geniesst ihre Enkel. Ihre Hände und Füsse sind zwar immer noch verknotet und entstellt, aber damit kann sie leben. «Die Lebensqualität stimmt heute, trotz allem», sagt sie. Denn Schmerzen kennt sie, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, kaum mehr.

Am Samstag, 21. Mai wird in der TV-Sendung «Gesundheit heute» um 18.10 Uhr ebenfalls zum Thema «Rheumatoide Arthritis» informiert.

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