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Schule der Achtsamkeit

Die als Milch-Semmeln-Diät apostrophierte Mayr-Kur ist ein anerkanntes Regenerationskonzept für Körper und Geist. Für Menschen, die sich Gutes tun wollen.

Im Appenzeller Hotel und Kurhaus Hof Weissbad kann geschlemmt werden: Mit 16 Gault-Millau-Punkten ist die Küche von Käthi Fässler ausgezeichnet. Aber nicht alle profitieren von den kulinarischen Köstllichkeiten, mit denen die Gäste verwöhnt werden.

An einem Tisch in einer ruhigen, eher dunklen Ecke des mit Orchideen geschmückten Speisesaals treffen sich zu den Essenszeiten jeweils ein Grüppchen Erholungssuchender, denen der Sinn nicht nach Viergängern und delikaten Gaumenfreuden steht. Nein, sie «mayern».

Einzigartig in der Schweiz

Das Hotel Hof Weissbad ist das einzige, zertifizierte Zentrum in der Schweiz, wo die Körper und Geist regenerierende Medizin nach F.X.Mayr angeboten wird. Das heisst die Verdauung schonendes Essen, spezifische Bauchbehandlungen, durchgeführt vom leitenden Arzt und ausgebildeter Mayr-Fachmann Dr. Gerold Honegger, Massagen, Wickel, Fussbäder und viel Bewegung an der frischen Appenzellerluft.

Dr. Gerold Honegger ist leitender Arzt im Hof Weissbad mit Zusatzausbildung nach F.X.Mayr. (Bernadette Reichlin)

Der 1875 in der Steiermark geborene Arzt Franz Xaver Mayr entwickelte seine Diät aufgrund eigener Erfahrungen in seiner Praxis: So viele Menschen leiden an «Zivilisationskrankheiten», mit Auswirkungen auf Organe, Gelenke, Haut, Haare und Nägel sowie den Hormonhaushalt, Stressbewältigung und Infektresistenz.

Quelle allen Übels

F.X.Mayr verortete die Ursache allen Übels im Darm, der «Gemeinschaftsküche» aller Organe. Im Darm wird die Nahrung verwertet und oft ist das Verdauungssystem ganz einfach überfordert. Durchfälle, Verstopfung, Blähungen, aber auch Allergien, rheumatische Erkrankungen, Übergewicht und noch viel mehr können die Folge sein. Mayr, der sich bei seinen Überlegungen in erster Linie vom gesunden Menschen leiten liess, fand eine Therapie, mit der der Darm entlastet und regeneriert werden kann.

«Entschlackungskuren» werden von Medizinern belächelt. Mit dem Argument. der Körper bilde, im Gegensatz zu einem Ofenrohr, keine Schlacken, respektive befreie sich selber von ihn belastenden Stoffen. Dass das Angebot an solchen, sagen wir mal, Regenerationstagen und -wochen gross ist, zeigt aber, dass viele trotzdem nach einer Art Entgiftung suchen. Und dass die F.X.Mayr-Kur Wirkung zeigt, davon waren auch Prominente wie der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl nicht abzubringen. Er «mayerte» jedes Jahr zwei, drei Wochen und machte sich so fit für die nächsten Schlachtplatten und Knödel.

Keine Fastenkur

Im Gegensatz zum Heilfasten wird bei der Mayr-Kur gegessen. Langsam zwar – jeder Bissen sollte rund 30 Mal gekaut werden – und mit einer ziemlich eingeschränkten Speisekarte. Aber nichts mehr von einer Milch-Semmeln-Diät der ersten Stunde. Angeboten werden kleine, aber feine Tellergerichte, die langsam und achtsam, möglichst ohne Ablenkung durch Gespräche, genossen werden sollten. Nur das Abendessen besteht vor allem aus Tee mit Honig und Basensuppe.

Drei S als Grundpfeiler

Geblieben sind die drei Eckdaten der ursprünglichen Mayr-Kur: Schonung, Säuberung, Schulung. Eine Spezialdiät mit Tees, Basenbrühe, ergänzt durch Dinkelfladen und Eiweiss, in Form zum Beispiel von Schafsjoghurt oder Fischpaste, dient der Darmentlastung und -schonung. Die Säuberung wird mittels Bittersalz am Morgen eingeleitet.

Wichtig ist auch die Schulung, deren Fokus auf dem achtsamen Essen liegt. Also langsam essen, gut kauen, zwischen den Mahlzeiten Ruhepausen von vier bis fünf Stunden einhalten, schwere Speisen meiden – wenigstens während der Kur. An Kochinstruktionen werden im Hotel Hof Weissbad schonende Zubereitungsarten für Zuhause und wichtige Grundsätze zu Nahrungsmitteln erläutert.

Eine Mayr-Kur dauert in der Regel drei Wochen, wobei die milde Ableitungsdiät der dritten Woche auch zu Hause durchgeführt werden kann. «Die F.X.Mayr-Kur ist viel mehr als eine Diät, sie dient der ganzheitlichen Erneuerung von Körper und Psyche», betont Gerold Honnegger. Und auf den Einwand, dass diese Achtsamkeit beim Essen sich schlecht in den Alltag einpassen lasse, lacht er: «Dann kommt man halt wieder. Wir haben viele Gäste, die sich diese Therapie regelmässig gönnen».

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