FrontKulturKrimis fürs Ferien-Gepäck

Krimis fürs Ferien-Gepäck

Ferien: unbekannte Städte, bezaubernde Landschaften. Aber auch: zermürbendes Warten an Flughäfen, nerviges Stehen im Stau. Da empfiehlt sich die passende Lektüre. 

Das könnten die Krimi-Kurzgeschichten sein in zwei handlichen Bändchen „Gefährliche Ferien in Südfrankreich“ und „Gefährliche Ferien in Italien“ – ideal fürs Handgepäck. Geschichten von bekannten und berühmten Autoren wie Patricia Highsmith, Marguerite Duras, Georges Simenon, Leonardo Sciacia, aber auch solche von Zeitgenossen wie Donna Leon, Martin Walker oder Christoph Poschenrieder versprechen Kurzweil.

Florenz, Venedig, Sizilien, Marseille, Cannes…

…das sind nur einige der Orte, wo die Geschichten spielen. Neun Kurzkrimis kommen aus Südfrankreich. Fast selbstverständlich, dass Martin Walker die Titel-Geschichte liefert. Und da trifft man auch gleich auf einen alten Bekannten: Bruno, Chef de Police im Kleinstädtchen St. Denis im Périgord. Er wird zu einem Unfall mit einem Touristen-Kleinbus gerufen. Niemand ist verletzt, alle stehen aber unter Schock.

Dass es nicht ganz so harmlos ist, ahnen Bruno-Kenner sofort. Reiseleiterin Juliette und der Chauffeur erklären nämlich übereinstimmend, dass beide Räder auf der rechten Seite gleichzeitig abgesackt sind. Der Fachmann stellt fest: jemand hat Sand in die Reifen gepumpt. Bei hohem Tempo hätte der Unfall böse Folgen haben können. Bruno nimmt das Ganze ernst, zumal es kürzlich schon einen Vorfall mit dem Bus gegeben hat.

Juliette ist noch daran, ihr Reisebüro aufzubauen. Sie bietet literarische Führungen an, und kommt damit eigentlich niemandem in die Quere. Aber natürlich tut sie das trotzdem, wenn auch auf einem ganz anderen Gebiet, wie Bruno herausfindet.

Zweimal Highsmith

Die Altmeisterin des schwarzen Krimis, Patricia Highsmith ist gleich zweimal vertreten: „Das grosse Kartenhaus“ (Aix-en-Provence) und „Die tapferste Ratte von Venedig“. Aber wenn von Venedig die Rede ist, darf natürlich auch die Autorin Donna Leon nicht aussen vor bleiben.

Und bei ihr ist Bella Italia nicht immer so schön. Leon macht in ihrer Geschichte „Tretminen“ die Hinterlassenschaft von Hunden – sie nennt das unverblümt auch schon mal Hundescheisse – zum Thema. Ueberhaupt geht sie ungewohnt burschikos zu Werke und versetzt der noblen Gesellschaft der Stadt einen gemeinen Hieb ans Bein.

Wie ein kalabrisches Huhn der Mafia beitreten will, scheitert und trotzdem erfolgreich ist, beschreibt Luigi Malerba in wenigen Zeilen. Und bringt dabei das Wesen der Mafia genau auf den Punkt.

In Leonardo Sciascias Geschichte „Die weite Reise“ wollen sich eigentlich einige sizilianische Bauern den Traum von Amerika erfüllen. Sie verkaufen ihr Hab und Gut und vertrauen sich einem Gewährsmann und seinem Boot an. Nach elf Tagen und Nächten landen sie – nicht im Land ihrer Träume.

Die Geschichte hat mindestens einen Anflug von Aktualität – Schlepper, überfüllte Boote, Flüchtlinge, die in ein gelobtes Land möchten und dort oft nicht ankommen.

Gute Mischung – kurzweilige Unterhaltung

Die zwei kleinen, feinen Büchlein bieten eine gute Mischung von alten und neuen Geschichten. Vor allem aber bieten sie kurzweilige und eben kurze, Unterhaltung, lustig, zum Schmunzeln, auch die Nachdenken. Man kann sie jederzeit wieder beiseitelegen, ohne den Faden zu verlieren. Ideal für den Liegestuhl am Strand, für die Warterei am Flughafen….

„Gefährliche Ferien in Südfrankreich“, erschienen bei Diogenes, 270 S., ISBN 978-3-257-24357-4

„Gefährliche Ferien in Italien“, erschienen bei Diogenes, 263 S., ISBN 978-3-257-24356-7

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