FrontKulturEin Kater auf Verbrecherpirsch

Ein Kater auf Verbrecherpirsch

In der fast schon überbordenden Krimi-Literatur gibt es nicht nur Kommissarin und Commissario, sondern auch den schwarzen Kater Jamie, der mit besonderer Spürnase Mörder jagt.

Kater Jamie, ein Streuner in Bradehusen an der Nordküste Deutschlands, ist traurig. Vor vier Wochen ist seine Betreuerin Lydia plötzlich gestorben. An Herzversagen, sagt der Dorfarzt. Sie hatte ihm in ihrem Häuschen Unterschlupf und Wärme gegeben und ihm gleichzeitig alle Freiheiten gewährt, die ein Kater nun mal braucht.

Jamie kommt immer mal wieder zum leeren Haus zurück. Und plötzlich tut sich da was: offenbar zieht eine Neue ein. Tatsächlich hat die Journalistin Rebekka aus Osnabrück das Häuschen für vier Wochen gemietet. Sie will im Alten Land traditionelle Rezepte finden und ein Kochbuch schreiben. Und ihre Erlebnisse auch für den Blog im Lifestyle-Magazin Countryside nutzen. Friedrich, der Bruder der verstorbenen Lydia zeigt ihr das Haus. Rebekka fühlt sich sofort wohl, nur ein kleiner roter Fleck auf dem Steinboden vor dem Kamin stört sie. Verschütteter Rotwein, behauptet Friedrich.

Die lieben Nachbarn und die Katze

Rebekka hat es nicht leicht mit den verschlossenen, oft raubeinigen Bewohnern des Dorfes. Im Haus gegenüber lebt Gesine, eine ehemalige Hebamme, die im Dorf als Hexe verschrien ist. Bei ihr wohnt ihr 45jähriger Sohn Casjen, der geistig behindert ist, nicht sprechen kann, mit seiner Art aber zu Mensch und Tier schnell Zugang findet. Tim Burger und seine Frau Simone wohnen mit Ziege und Hund im anderen Haus gegenüber. Die Nachbarn zeigen sich noch halbwegs offen gegenüber der Neuen.

Und da ist natürlich der schwarze Kater, der zunächst misstrauisch auf Rebekka reagiert, sie auch mal erschreckt. Also nicht eben Liebe auf den ersten Blick, sondern vorsichtige Annäherung. Bei ihren mühsamen Recherchen im Dorf findet Rebekka zunächst keine Rezepte, sondern eine Leiche.

Schon wieder Herzversagen

Rebekka trifft zwar den alten Fedder, der ihr zögerlich anbietet, einen Blick in das Kochbuch seiner verstorbenen Frau zu werfen. Als sie wie verabredet in sein Haus kommt, liegt er tot in der Küche, eine Wunde am Hinterkopf. Der Dorfarzt stellt wiederum fest: Herzversagen, und die Polizei stellt das Verfahren ein.

Später wird Rebekka klar, Fedder war nicht allein, als er starb. Und dieser jemand machte sich davon, als sie die Küche betrat. Rebekka ist bald auch überzeugt, dass Fedder nicht eines natürlichen Todes gestorben ist. Die Polizei nimmt widerwillig die Ermittlungen wieder auf. Und siehe da: nix von Herzversagen, Fedder hat vergiftete Lebensmittel gegessen und ist schliesslich mit einem Schürhaken erschlagen worden.

Als Rebekka Abende später einen Schatten im Garten wahrnimmt, wird ihr bewusst, dass sie vielleicht in Gefahr ist. Sie erinnert sich auch an unerklärliche Geräusche im Haus während einiger Nächte zuvor.

Aber Kater Jamie mit seiner besonderen Spürnase weiss offenbar noch mehr. Nur, wie kann er die begriffsstutzige Rebekka auf die richtige Fährte locken? Jamie bleibt auf Beobachtungsstation. Und hofft, zusammen mit Rebekka dafür zu sorgen, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Es können ja nicht alle weiter leben als wäre nichts passiert. Und die, die etwas getan haben oder davon wissen, müssen bestraft werden, denkt der schlaue schwarze Kater Jamie.

Ländliche Idylle

Rebekka hat beim Lifestyle-Magazin die Aufgabe, die ländliche Idylle in den schönsten Farben zu schildern. Für Mord und Totschlag ist dort kein Platz. Die vermeintlich heile Welt wird auch im Buch ausführlich beschrieben. Wer keinen rasanten Krimi erwartet, ist gut bedient mit „Jamie“. Auch er selber kommt immer wieder zu Wort.

Und wichtig für Köchinnen und Köche: im Anhang gibt es mehrere Rezepte von Gerichten, die in unseren Breitengraden vielleicht nicht ganz üblich, aber offenbar doch leicht nach zu kochen sind. Wie wär’s zum Beispiel mit Speck-Pfannkuchen mit Äpfeln?

Ira Severin „Jamie und die Schlange im Paradies“, erschienen bei Lübbe, 382 S., ISBN 978-3-404-17445-4

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