FrontKolumnenThe Netherlands second

The Netherlands second

Satire, Ironie, Witz sind die Säfte, mit denen das kollektive Gemüt zähe Brocken zu verdauen sucht. Das versucht auch das Video aus den Niederlanden. 

Wie ich im Internet auf dieses kurze Video aus den Niederlanden gestossen bin, weiss ich nicht mehr. Meistens klicke ich einfach auf „News“. Da kommt dann unter „Google Suche“: News, news heute, news Schweiz, newsletter. Und, aus unerfindlichen Gründen, seit einigen Tagen, ohne mein Dazutun, an dritter Stelle: news trump. Da kann ich nur mit leisem Schaudern feststellen: „grosser Bruder watching you“. Denn natürlich hatte ich in letzter Zeit immer wieder und immer häufiger nach „Trump“ gesucht.

Unterdessen kann ich meine Kenntnisse über das Video auch in den Printmedien erweitern. Der niederländische „Late-Night-Talker Arjen Lubach hat offenbar vor einigen Tagen eine Botschaft an Präsident Donald Trump geschickt. Er akzeptiert darin die Aussage „America first“, aber er beansprucht für sein Heimatland, dessen Qualitäten er schildert, den zweiten Platz. Dem Vernehmen nach haben Millionen Menschen das Video bereits angeklickt. Unterdessen haben sich mehrere europäische Late-Night-Shows zusammengetan. Weitere Videos sind schon erschienen oder noch in der Pipeline. Die beste Quelle ist für mich: everysecondcounts.eu.

Auch die Schweiz hat nachgezogen. Ein Video des SRF-Komikers Dominic Deville wirbt satirisch für die Schweiz, „the sexiest country in Europe“. Offenbar waren wir nach den Niederländern die zweiten mit einem Beitrag. So rasch? Man sollte es kaum glauben. Mir gefällt das Video. Es knüpft an das niederländische an mit einem Hinweis auf unsere grossen, fetten Berge. Wir sind nicht nur flach, wie andere!

Das Video hat aber nicht nur den amerikanischen Präsidenten im Visier. Nein, wir lernen ganz viel über uns selbst. Es hat einige Pointen, über die ich leise schmunzeln will, es mir dann aber doch anders überlege. Zum Bespiel, wenn anstelle von Obamacare „Exit“ angepriesen wird! Aber es hat auch leichtere Kost. „Die Schweiz ist sauber“ heisst es. „Auch unsere Slums sind sauber“, wird angefügt. Und es wird ein Feld mit Schrebergärten gezeigt. Das hat einen realen Hintergrund. Wenn wir mit dem Zug in Luzern einfahren, kommen wir an Schrebergärten vorbei. „Sind das die Slums von Luzern?“ sollen japanische Touristen gefragt haben.

Heiss ist die Spur von der Schweizerfahne zu den Emblemen des Ku Klux Klans. Aber sie wird aufgefangen: „Auch wir reiten gerne auf Pferden und verbrennen Dinge“, eine Anspielung, wörtlich und bildlich auf das Sechseläuten. Hübsch ist auch der Hinweis darauf, dass wir in unserem Nationalspiel Jassen den „Trumpf“ kennen. Das Gold und die Banken werden nicht ausgeklammert. Aber alle Pointen gebe ich natürlich nicht preis!

Kommt noch die ernsthafte Frage: Sollen sich die vereinigten Late-Night-Talker von Europa, und mit ihnen ihr Publikum, in dieser Weise über den gewählten Präsidenten der USA lustig machen? Eine schwierige Frage! Für mich, und nicht nur für mich, schlug die Wahl von Donald Trump wie ein Meteor in die politische Landschaft ein. Irgendwie müssen wir seine Persönlichkeit, seine Art mit anderen Menschen umzugehen, sein Wirken, in unser Weltbild einordnen. Das ist nicht so einfach. Wir können die Augen schliessen. Aber er ist immer noch da, wenn wir sie wieder öffnen!

Mit Humor geht vieles besser, heisst eine alte Weisheit. Und wie sagte doch Bundespräsident Johann Schneider-Ammann in einer Ansprache: „Rire, c’ est bon pour la santé“! Barack Obama kannte die Rede des Bundespräsidenten. Das Video befindet sich sicher in der präsidialen Bibliothek. Vielleicht sieht es sich auch Donald Trump einmal an, wenn ihm alles zu viel wird. Und nimmt sich den Ratschlag zu Herzen: „Rire, c’est bon pour la santé“. So gleichsam von Präsident zu Präsident!

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