FrontKolumnenJeder Mensch ist ein kleiner Philosoph

Jeder Mensch ist ein kleiner Philosoph

Das Anfängliche – das hat der grosse Philosoph Platon gesagt – ist vielfach und beginnt mit dem Staunen.

Wörtlich: «Staunen ist die Einstellung eines Mannes, der die Weisheit wahrhaftig liebt, – ja, es gibt keinen anderen Anfang der Philosophie als diesen.»

Nachfolgende Generationen ergänzten diese Weisheit mit Verben wie verwundern – fragen – zweifeln – kritisch prüfen – Selbstgespräche mit der Seele führen. Daraus komme der Antrieb zum Philosophieren.

Oh Schreck! Mit diesen Voraussetzungen ist jeder Mensch auch ein Philosoph- oder eine Philosophin, egal ob er/sie schon einmal etwas von Thales, Platon, Descartes, Kant oder Sartre gehört hat oder nicht.

Kein Schreck dann, wenn das Nach-Denken zuerst «noch nicht um eine Richtung besorgt ist, einem Denken, das Erkenntnis will und mit der Sprache und durch die Sprache etwas erreichen will (Bachmann).» – Dass man als denkender Anfänger nicht schon zu wissen meint, was richtig ist und was falsch.

Heisst das, dass man vorsichtig sein und auf Paulus hören soll, der in seinem Kolosserbrief in Kapitel 2, Vers 8 warnt: „Sehet zu, dass euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug, gegründet auf der Menschen Lehre und auf die Elemente der Welt“.

Da empfiehlt es sich, die beiden Arten von Grundeinsichten zu unterscheiden in a) systematischer und b) historischer Hinsicht. Dieses Denken und Bedenken ist mittlerweile zeitraubend geworden und anspruchsvoll. Das Denken will nie abgeschlossen sein. Es verlangt die Bereitschaft, auch Irrtümer zuzugeben, Umwege zu machen, mal mutig die Perspektive der anderen einzunehmen, um zu sehen, was es von da aus zu sehen gibt.

Mal abgesehen von denen, die nicht mehr mit Sprache, sondern nur noch mit Gewalt etwas durchsetzen und erreichen wollen, bietet sich Kants <Kategorischer Imperativ> an, der in seiner Grundform lautet: «Handle nur nach der jenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde».

Oder den Philosophen Jürgen Habermas zum Denken «praktikabel» machen: Philosophisches Denken ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug der Vernunft. Es sollen die Menschen die Regeln ihres Zusammmenlebens in freier und gleichberechtigter Kommunikation selber festlegen.

Zurück zum Anfang: Philosophie als methodisches Denken hat ihre Anfänge vor einigen Jahrhunderten, als mythisches Denken noch weit früher. Diese kennt keine Verfasser, wird von Geschlecht zu Geschlecht weitererzählt, zum Beispiel die Epen Homers, die im 6. Jh. schriftlich fixiert wurden.

Im Allgemeinen geht man davon aus, dass das philosophische Denken zumindest im griechischen Kulturraum zwischen dem 7. und 5. Jahrhundert vor Chr. begonnen hat. Seine Vertreter sind die «ersten Philosophen», die in jenem Zeitraum lebten und die in den Geschichtsbüchern als Vorsokratiker bezeichnet werden.

Es sind allerdings deren Texte, die ihr Denken beinhalten, nicht genau überliefert worden. Einzig einige Fragmente, Anekdoten und Zitate haben die Nachfolgenden gesammelt, geordnet und zuweilen auch übernommen.

Da Thales von Milet als Erster von allen auf die ihn bewegenden Fragen keine mythisch-theologische Antworten lieferte, setzte ihn der grosse Philosoph Aristoteles an den geschichtlichen Anfang der Philosophie. Mit ihm begann der entscheidende Übergang vom <Mythos zum Logos>.

Zum Zweiten im Bunde ernannte man Pythagoras. Der wurde ums Jahr 580 v. Chr. geboren, lebte in einer Gütergemeinschaft, hatte es mit Zahlen, und sein entdecktes a²+ b² = c² wurde zu einem Grundprinzip in der Mathematik.

Der Dritte, der in Ephesus lebte, ist Heraklit. Er bekam den Beinamen «to skoteinos» (der Dunkle). Bekannt geblieben ist Heraklit mit «Krieg ist der Vater aller Dinge»- und mit dem philosophischen Prinzip «panta rhei»

Übrigens: Heraklit bezifferte die Dauer einer Welt auf 10`800 Jahre. Unbekannt ist bis heute geblieben, wie er zu dieser Berechnung kam.

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