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Zwischen den Gartenjahren

Der Garten im September. Aufräumen, ausreissen, abschneiden – diese Gartenarbeiten können noch warten. Vögel und viel Kleingetier werden es danken.

Nein, golden war dieser September bis jetzt noch nicht. Statt die letzten Bohnen zu pflücken, die sonnenwarmen Tomaten zu geniessen, Sonnenblumen und Astern zu schneiden, macht sich mit Beginn des Monats eine kalte, nasse Gartenmelancholie in den Beeten und Büschen breit. Dabei ist die Gartensaison doch noch gar nicht zu Ende, wenigstens für Optimisten nicht.

Nur nicht resignieren

Diesem Wetter muss man trotzen und ganz klare Zeichen setzten, dass der Gartensommer 2017 noch nicht ganz abgeschlossen ist. Radieschen- und Spinatsamen eignen sich dazu im Gemüsebeet bestens. Beides sind recht robuste Pflanzen, die sich in der Sommerhitze gar nicht wohl gefühlt hätten und deshalb im Frühling und Herbst zu Hochform auflaufen. «Auflaufen» wörtlich genommen: Trotz Regen und tiefen Temperaturen keimte der Spinat bereits nach vier Tagen und die Radieschen folgten ihm, etwas dezimiert, auf dem Fuss.

Auch bei kühlem Wetter keimt der Spinat bereits nach wenigen Tagen. Bald können die ersten Blättchen für einen schönen Herbstsalat geerntet werden. (BR.)

Auch der Nüsslisalat ist schon gut gestartet und ein Rundgang im Gartencenter zeigt, dass sie auch dort durchaus noch mit einem schönen Altweibersommer rechnen. Nebst diversen Salaten finden sich noch Blumen- und weitere Kohlsetzlinge, die allerdings nicht mehr in diesem Jahr geerntet werden können.

Schädlingsfreier Blumenkohl

Dafür ist gerade der Winterblumenkohl eine echte Frühlingsüberraschung: Im Mai erscheinen reinweisse, wunderbare Köpfe und niemand muss sich Sorgen machen wegen allfälliger Raupen und anderer Schädlinge. Denn die kommen um diese Zeit erst langsam in die Gänge und machen sich bereit, die im Herbst dann erntereifen Pflanzen anzuknabbern.

Eine Einschränkung gibt es: Bei einer wochenlangen, sehr dicken Schneedecken nehmen die Jungpflanzen oft etwas Schaden und sehen im Frühling dann arg zerzaust aus. Aber mit etwas Kompost um den Fuss und einem guten Schneckenschutz erholen sie sich meist schnell wieder und treiben kräftig aus.

Den Frühling planen

Wer sich im Blumengarten noch über die sattfarbenen Asternbüsche und die unermüdlichen Cosmeen freut, sollte doch ein bisschen an den Frühling denken. Denn jetzt kommen all die Blumenzwiebeln in den Boden, die nächstes Jahr den floralen Blumenreigen eröffnen. Gartenratgeber empfehlen manchmal die «Stockwerkpflanzung»: Zuunterst kommen die dicken Tulpen und Hyazintenzwiebeln, darüber, auf eine Schicht Erde gebettet, allerlei Narzissen und nach einer weiteren Humusschicht noch das «Kleinzeug» wie Krokus, Schneeglöckchen, Blausternchen. Ich bin ein wenig skeptisch, ob dieses «Mehrfamilienprojekt» im Frühling dann auch funktioniert. Aber vielleicht hat ja jemand Erfahrung damit?

Von nahem gesehen sind sie schon ein bisschen zerzaust, aber von weitem sind sie immer noch ein Blickfang im herbstlichen Garten: die Cosmeen. Und dazu eine wichtige Futterquelle für viele Vögel. Distelfinken turnen besonders gern auf den Samenständen herum. Übrigens: Cosmeen gibt es auch in allen Rosatönen.

Eines weiss ich allerdings: Erbsen und Kefen können bereits im Herbst gesteckt werden, überwintern dann und machen im Frühling einfach da weiter, wo sie von Schnee und Kälte gestoppt wurden. Und die weissen Steckzwiebelchen, die jetzt verkauft werden, wachsen im Frühling schnell zu wunderbar süssen, aromatischen Maizwiebeln heran, die, auf den Grill gelegt, ganz leicht karamellisieren. Ein Hochgenuss, leider erst im kommenden Jahr. Jetzt aber sollte man jeden sonnigen Herbststag noch voll und ganz geniessen. Die kalte, dunkle Zeit kommt schnell genug.

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